Hintergrund ist ein neues Konzept der Hansestadt für mehr Barrierefreiheit, das auf vielfachen Wunsch und politischen Beschluss hin erarbeitet wurde. Das Ziel: Die gesamte rund 4800 Quadratmeter große Fläche soll barrierefrei werden. Zugleich soll der historische Charakter des Platzes als Teil des Unesco-Welterbes bewahrt bleiben.
Grund für die Bauarbeiten ist, dass das teils unebene Kopfsteinpflaster auf dem Platz vielen Menschen Probleme bereitet. Gehbehinderte, Seniorinnen und Senioren mit Rollatoren, Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen kommen auf der zentralen Fläche nicht gut voran. Nach Angaben der Stadt wird das Vorhaben sowohl vom Beirat für Menschen mit Behinderung als auch vom Beirat für Seniorinnen und Senioren ausdrücklich begrüßt.
„Wir freuen uns sehr über die vorgeschlagene Lösung“, sagt Götz Gebert, Vorsitzender des Seniorenbeirats der Hansestadt. „Seit 2018 kämpfen wir für den barrierefreien Markt, jetzt ist es so weit.“ Es sei zwar schade, dass der Umbau rund dreieinhalb Jahre dauern werde. Aber die jetzt vorgeschlagene Lösung mit dem geschnittenen Stein sei wesentlich besser als abgefräste Steine, erklärt Gebert.
Der Umbau beendet eine lange Hängepartie. Lübecks Bürgerschaft hatte bereits vor knapp zwei Jahren beschlossen, dass der Markt in Teilen barrierefrei umgestaltet wird. Zuletzt hatten im August die Grünen den Stillstand am Markt scharf kritisiert. Trotz eines Beschlusses und vorläufig bereitgestellter 300.000 Euro fehlte bis dahin ein verlässlicher Zeitplan.
Nach Prüfung verschiedener Verfahren schlägt die Verwaltung vor, das vorhandene Natursteinpflaster aufzunehmen, aufzubereiten und mit einer ebenen Oberfläche neu zu verlegen. Struktur und Gesamtbild sollen dabei erhalten bleiben. Außerdem ist eine überwiegend wasserdurchlässige Bauweise vorgesehen, die dafür sorgt, dass Regenwasser weiter versickern kann. Je nach Kapazitäten der Firmen und den Witterungsbedingungen könnten pro Jahr rund 1300 Quadratmeter des Markts erneuert werden, heißt es in einem aktuellen Bericht der Verwaltung für den Bauausschuss der Bürgerschaft.
Nach Angaben der städtischen Archäologen und Denkmalpfleger soll das Großpflaster mit rötlich-gräulichem Farbton erhalten bleiben. Die städtischen Baufachleute halten das Verfahren, bei dem die Pflastersteine geschnitten und nicht gefräst werden, für am besten geeignet. Die Nachteile des Verfahrens sind neben der längeren Bauzeit die höheren Ausgaben: Die Stadtverwaltung geht von Kosten in Höhe von 1,127 Millionen Euro aus.
Ein weiterer Grund für die lange Bauzeit neben den aufwendigen Steinarbeiten: die Rücksicht auf das städtische Leben. Um die Einschränkungen möglichst gering zu halten, erfolgen die Arbeiten abschnittsweise. „Insbesondere während der touristisch stark frequentierten Zeiten sind nur kleinere Arbeiten vorgesehen“, teilt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit.
Demnach sollen die Flächen für die Außengastronomie „in den wärmeren Jahreszeiten weiterhin nutzbar“ bleiben. Auch Veranstaltungen und Märkte werden stattfinden. Aber: „Vorübergehende Einschränkungen in einzelnen Bereichen lassen sich dabei nicht vollständig vermeiden“, teilt die Stadt mit.
Nachdem sich in dieser Woche der Bauausschuss mit dem vorgeschlagenen Konzept befasst hat, ist die abschließende Entscheidung über das weitere Vorgehen für die Sitzung des Hauptausschusses am Dienstag, 10. November, vorgesehen.