Die Kreis- und Stadtelternvertretung stellte sich hinter den Antrag und bat die Politik um Zustimmung. „Für Familien bedeuten wiederkehrende kurzfristige, zusätzlich in Teilen nicht mehr nur kurz andauernde Betreuungsausfälle erhebliche Belastungen“, schrieben die Eltern in einer Stellungnahme. „Kurzfristige Erkrankungen einzelner Beschäftigter mögen nicht vorhersehbar sein; das Auftreten von Krankenständen insgesamt gehört jedoch zum normalen Betriebsrisiko jeder Organisation.“
Die Nachfrage nach offenen Stellen sei derzeit hoch, erläuterte Uta Steinkamp, Bereichsleiterin der städtischen Kindertageseinrichtungen, den Ausschussmitgliedern. „Es bewerben sich richtig viele Menschen auch auf befristete Stellen.“ Hinzu kämen junge Erzieherinnen und Erzieher, die ihre Ausbildung beendet hätten.
Lücken würden jedoch entstehen, wenn Personal von heute auf morgen langfristig ausfalle, sagte Bildungssenatorin Monika Frank (SPD). Dann dauere es, bis Ersatz da ist. Hinzu kämen kurzfristige Ausfälle – etwa, wenn Erzieher krank werden oder deren eigene Kinder. In der landesrechtlichen Personalberechnung sind Ausfallzeiten für Urlaub, Fortbildung und Krankheit bereits pauschal berücksichtigt, erläuterte die Verwaltung. Die tatsächlichen Krankenstände lägen jedoch deutlich darüber.
„Das Thema ist also das ‚Über den Durst‘-Einstellen von Personal“, sagte die Senatorin. Nur: Ein solches zusätzliches Personal koste Geld. „Und die Stadt bekommt nur zurück, was das Land im Kitagesetz vorsieht“, erklärte der Ausschussvorsitzende Jörn Puhle (SPD). Zudem müsste Lübeck den freien Trägern dann die gleichen Vorteile gewähren. „Das muss auf Landesebene geheilt werden.“
Hinzu komme, dass niemand gern eine Springerkraft sei, sagte Uta Steinkamp. Es sei schwierig, eine Bindung zum Team aufzubauen und seine Aufgabe in der Tiefe zu erfüllen. Springer würden schnell auf eine feste Stelle in einer Kita wechseln wollen.
„Alle Gründe haben ihre Berechtigung“, sagte Juleka Schulte-Ostermann (GAL). Aber die Eltern seien am Verzweifeln. Auch die Kinder bräuchten Kontinuität. „Die Gesamtlage ist unbefriedigend. Wir drehen uns seit Jahren im Kreis.“
„Es wird ein Dauerproblem bleiben“, befürchtete Jens Zimmermann (CDU). Dass im Winterhalbjahr an Kitas Husten, Schnupfen und Heiserkeit auftreten, sei normal. Vielleicht könne der zentrale Stellenpool der Stadtverwaltung eine Lösung für zeitnahe Besetzungen sein, schlug er vor. „Wir werden das Thema bei jeder Erkältungswelle wieder auf dem Tisch haben, egal was wir beschließen“, sagte Jörn Puhle. „Aber wir wollen alle keine Ausfälle für die Eltern.“
„Es ist in der heutigen Zeit äußerst fragwürdig, wenn für Familien durch permanente, langfristige Ausfälle bei der Kinderbetreuung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf infrage gestellt wird“, sagte Daniel Kerlin (FDP). Kohortenregelungen sollten nur für kurzfristige Ausfälle genutzt werden. „Sollten Ausfälle über mehrere Monate auftreten, müssen andere Maßnahmen greifen, damit der vertragsgemäße Kitabesuch für alle Kinder sichergestellt wird.“
Obwohl Politik und Verwaltung das Problem sehen, zeichnete sich in der Sitzung kein Weg für eine kurzfristige Lösung ab. Auf Vorschlag des Ausschussvorsitzenden Jörn Puhle soll das Thema deshalb nun in einer Arbeitsgruppe weiterberaten werden. Dort sollen Stadt, freie Träger und weitere Beteiligte nach praktikablen Lösungen suchen.