Nordische Filmtage Lübeck: Diese Filme lohnen sich
Vom 3. bis 8. November werden 200 Filme aus Skandinavien und dem Baltikum gezeigt – Vorverkauf ab 24. Oktober nur noch online.

Trine Dyrholm spielt die Hauptrolle in dem Familiendrama „Gæsten“ (Der Gast).Foto: Henrik Ohsten/NFL
Lübeck. An sechs Tagen im November steht Lübeck im Mittelpunkt der internationalen Filmwelt – zumindest, soweit sie sich mehr für gute Filme interessiert als für rote Teppiche und Promi-Klatsch. An die 200 Filme, vom experimentellen Kurzfilm bis zum Leinwand-Epos, sind vom 3. bis 8. November bei den Nordischen Filmtagen zu sehen. Offizielle Eröffnung ist am Mittwoch, 4. November, im Cinestar Stadthalle. Schon am 3. November gibt es einen „Ocean Day“ im Kuppel-Kino Infinity Dome am Klingenberg.

▶ Die Spielfilme stehen

▶ im Wettbewerb

13 abendfüllende Spielfilme aus den skandinavischen und den baltischen Ländern stehen im Wettbewerb. Eröffnungsfilm am Mittwoch, 4. November, ist „Ulya“. Der Schwarzweißfilm erzählt die Lebensgeschichte der lettischen Basketballerin Uljana Semjonova, die einige Monate vor Veröffentlichung des Films im Januar 2026 starb.Einen der begehrtesten Preise der Branche bringt der rumänisch-norwegische Film „Fjord“ schon mit: Er gewann beim Filmfestival in Cannes die Goldene Palme und ist einer von sieben Filmen, die in Lübeck ihre deutsche Premiere feiern. Es geht um den kulturell aufgeladenen Konflikt zwischen einer norwegisch-rumänischen Familie und den norwegischen Behörden, die den Eltern Kindesmisshandlung vorwerfen.Zwei Wettbewerbsfilme werden sogar zum ersten Mal in Europa gezeigt: Der norwegische Film „Agnes Against the World“ erzählt die Geschichte einer Drogenabhängigen, die darum kämpft, ihre Tochter wiederzusehen. „Das Eichhörnchen“ aus Finnland ist eine Dystopie aus einer Zukunft, in der alle Haustiere durch Roboter ersetzt sind.Ein Debütfilm mit einem Star des nordischen Films steht auch im Wettbewerb: Die Dänin Trine Dyrholm spielt die Hauptrolle in dem Familiendrama „The Guest“, dem ersten Spielfilm des Regisseurs Mads Mengel.▶ Spiel- und
Dokumentarfilme

▶ im Filmforum

Das Filmforum ist die Sektion mit Spiel- und Dokumentarfilmen, die in Norddeutschland spielen oder mit norddeutscher Beteiligung entstanden sind. Was für die Filmtage insgesamt gilt, gilt da besonders: Wer nach einem roten Faden sucht, der sucht vergeblich. Wer sich gern überraschen lässt, der hat es gut getroffen.

An dem Spielfilm „Elefanten im Nebel“ zum Beispiel ist nichts erkennbar norddeutsch. Es ist der Film, den das Himalaya-Land Nepal als Kandidaten ins „Oscar“-Rennen schickt. Warum er im Filmforum zu sehen ist? Weil der Lübecker Filmproduzent Martin Rehbock einen wichtigen Anteil am Zustandekommen des Films hatte.Zum ersten Mal überhaupt wird im Filmforum der Film „Prange 2 – Man ist ja jetzt Paar“ mit Bjarne Mädel in der Hauptrolle zu sehen sein. Es ist eine Fortsetzung der Komödie „Prange – Man ist ja Nachbar“. Auch dieses Mal führt der Schleswig-Holsteiner Lars Jessen Regie.Der Dokumentarfilm „Glück allein macht auch nicht wahnsinnig weise“ zeigt das Leben in Klein Hundorf in Nordwestmecklenburg, wo etwa 30 Menschen als eng geknüpfte Gemeinschaft zusammenleben.Der in Neustadt/Holstein lebende Autor Sven Amtsberg hat die Romanvorlage für den Spielfilm „Superbuhei“ geschrieben. Es ist eine Komödie über einen ziemlich kaputten Kneipenwirt, gespielt von Oliver Korittke, in einer ziemlich kaputten Provinzwelt.

▶ Buddenbrooks und

▶ ihre Verwandten

„Firmen und Familien, Geld und Generationen“, so umreißt Kurator Jörg Schöning die Themen, die im Mittelpunkt der Retrospektive stehen. Anlass dafür ist das 125-jährige Jubiläum von Thomas Manns Roman „Buddenbrooks“. Zu sehen sind elf Klassiker, darunter die erste, stumme „Buddenbrooks“-Verfilmung von 1923 mit Live-Musik, der legendäre Ingmar-Bergman-Film „Fanny und Alexander“ von 1982, und „Das Erbe“ von Per Fly, Hauptpreisträger der Nordischen Filmtage 2005.

▶ Welche Filme sich

▶ sonst noch lohnen

Elf Filme konkurrieren im Wettbewerb der Sektion „Young Audience“– von der Superhelden-Parodie („Villain of Villains“) bis zur Doku über eine Familie auf einer versinkenden Arktis-Insel („Beaches of Shish“). Dazu gibt es mehrere, nach Altersgruppe abgestufte Kurzfilmprogramme.Neugier wird oft belohnt. Das gilt für die Kurzfilme („Nordic Shorts“), die in Fünferpacks gezeigt werden. Es gilt auch für die Dokumentarfilme, darunter die Geschichte eines schwedischen Journalisten, der nach fast 30 Jahren an die Orte einer Amazonas-Expedition von 1996 zurückkehrt („Amazomania“). Und es gilt für die Sektion„Specials“, in der Filme außer Konkurrenz gezeigt werden – zum Beispiel „Sommer, Sonne, Zonengrenze: Travemünde 1926–2026“, eine Zeitreise des Lübecker Dokumentarfilmers C. Cay Wesnigk.Die Hommage hat die Ehrenpreisträgerin der diesjährigen Filmtage, die Filmmanagerin Anne Lajla Utsi. Sie hat sich besonders um die Region Sápmi ganz im Norden Skandinaviens verdient gemacht. Nicht zuletzt ihr ist zu verdanken, dass das indigene Sámi-Volk im Filmschaffen so sichtbar geworden ist.

▶ Die Tickets

▶ werden teurer

Der Vorverkauf beginnt am Sonnabend, 24. Oktober, um 15 Uhr – Tickets gibt es nur noch online unter www.nordische-filmtage.de. Der Verkauf im Theater Lübeck wurde abgeschafft. Während des Festivals gibt es jedoch eine Tageskasse in der Cinestar Stadthalle.

Der Preis für die Einzelkarten erhöht sich im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent. Vorstellungen, die zwischen 18 und 21.30 Uhr beginnen, kosten 15 Euro und ermäßigt 7,50 Euro. Alle anderen kosten 11 Euro, ermäßigt 5,50 Euro.

Die Preise für Kinder- und Jugendfilme bleiben unverändert: 3 Euro für Kinder und Jugendliche, 10 Euro für Erwachsene. Unverändert bleiben auch die Preise für das Streaming-Angebot: 9 Euro pro Film, und 3 Euro für Kurzfilme.

Sonderangebote gibt es für Familien beim Kinder- und Jugendprogramm und für Spätvorstellungen. Neu ist der Festivalpass „Stuzubis“: Für 70 Euro können Studierende und Auszubildende bis 26 Jahre bis zu zwei Filme pro Tag im Kino sowie unbegrenzten Zugang zum Streaming-Angebot kaufen.

▶ Das ganze Programm

▶ in diesem Jahr

Das gesamte Programm steht auf der Website der Nordischen Filmtage unter www.nordische-filmtage.de. Dort ist auch erstmals ein Podcast zu hören, in dem die künstlerische Leiterin Hanna Reifgerst und die Geschäftsführerin Susanne Kasimir ihre Filmtage-Highlights erläutern.
Hanno Kabel




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