Die Brücke könne nicht an Ort und Stelle instandgesetzt werden, weil dadurch der Schiffsverkehr behindert werde, berichtete die Bauverwaltung bei einer Sitzung den Politikerinnen und Politikern. Der Korrosionsschutz der Stahlkonstruktion enthalte hohe Anteile von natur- und gesundheitsgefährdenden Stoffen wie Asbest und Blei. Die Werkhalle müsse wasserdicht, beheizbar und kühlbar sein und über Personenschleusen verfügen.
„Wir können die Brücke auch nicht auf dem Wasser an einen anderen Ort fahren“, erklärte eine leitende Mitarbeiterin der Bauverwaltung. Das Hauptteil der Brücke ist 75 Meter lang und 12 Meter breit.
Auch der Transport über die Straße zu einem Ort, an dem das Bauwerk aufgearbeitet werden kann, wurde geprüft. Geprüft wurden ein Transport über die Ratzeburger Allee bis zum Wochenmarkt „Am Brink“ und ein Transport ins Gewerbegebiet Genin. Alle diese Pläne wurden verworfen, weil die Fahrwege für ein 450 Tonnen schweres Brückenteil viel zu lang und der Transport viel zu teuer wären. Weitere Überlegung: die Zerlegung des historischen Bauwerks. Allerdings befürchtet die Bauverwaltung, dass Bleche und Profile anschließend nicht mehr so zusammengesetzt werden, dass sie in der gleichen Position sind. „Die Statik des Tragwerks würde zerstört, wenn die vorhandenen Niete entfernt und nachträglich Schrauben eingesetzt werden“, erklärt die Bauverwaltung in einer Vorlage für die Politik.
Bleibt als letzte Möglichkeit die Lagerung auf einem Teil des Mühlentorplatzes: Autos, Busse, Fußgänger und Fahrräder könnten den Kreisverkehr weiterhin nutzen. Kurzzeitige Vollsperrungen könnten nötig sein, wenn die Brücke auf den Platz geschoben wird.
200.000 Euro für eine
Informationsoffensive
Eine riesige Werkhalle auf dem Mühlenteller: Was hat das für Auswirkungen für die Anwohner?, wollten die Baupolitiker wissen. Die Halle werde so gebaut, dass sie möglichst viel Lärm von den Stahlbauarbeiten schlucke, erklärte eine leitende Mitarbeiterin der Bauverwaltung: „Wir hoffen zudem, dass wir nicht nachts und an den Wochenenden arbeiten müssen.“
Um die Bürgerinnen und Bürger auf dem Laufenden zu halten, plant Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos) eine Informationsoffensive, die 200.000 Euro kosten wird. Daran gibt es Kritik. „Wir diskutieren über Kleinstbeträge im nächsten städtischen Haushalt“, sagte Jochen Mauritz (CDU), „diese Summe muss gesenkt werden.“
„Wir reden über eine Jahrhundert-Baustelle“, begründete Joanna Hagen die Ausgabe. Es werde jahrelange Beeinträchtigungen geben, die ein großes Informationsbedürfnis bei den Bürgern auslösen würden. Beim Neubau der Bahnhofsbrücke und jetzt beim Umbau von Ex-Karstadt zum Bildungshaus mache die Hansestadt damit gute Erfahrungen.
Die Grünen und der Naturschutzbeirat der Hansestadt sorgen sich dazu um den Baumbestand am Mühlentorplatz. „Die geplanten Fällungen bereiten mir arge Bauchschmerzen“, sagte Grünen-Verkehrspolitiker Arne-Matz Ramcke. Die Bauverwaltung räumte ein, dass auch einige alte Bäume geopfert werden müssten. Über die genaue Zahl werde sie informieren, sobald die Planung genauer sei.
Der Umbau des Mühlentorplatzes vom Kreisverkehr zu einer Kreuzung mit Ampeln kann erst starten, wenn die Werkhalle wieder abgebaut und die sanierte Stahlkonstruktion wieder an ihrem Platz über dem Wasser ist. Das soll im Herbst 2028 geschehen.