Radfahrverbot am Lindenteller wird geprüft
Die von der Stadt für den Sommer angekündigte Umgestaltung des Platzes ist ausgefallen – Landesbetrieb fordert Abhilfe.

Der Lindenteller oder Lindenplatz ist einer der gefährlichsten Kreisverkehre für Radfahrende, sogar in ganz Deutschland.Foto: Timon Ruge
Lübeck. Die in den Sommerferien geplante provisorische Umgestaltung des Lindentellers zum besseren Schutz des Radverkehrs ist vorerst gescheitert. Die Stadt Lübeck fand kein Unternehmen, das die Arbeiten für die veranschlagte Summe übernehmen wollte. Nun prüft die Aufsichtsbehörde sogar ein Radfahrverbot auf dem Kreisverkehr.

„Wird es von Ihrer Seite aus jetzt eine Anweisung an die Hansestadt geben, den Radverkehr dort einzustellen?“, wollten die Lübecker Nachrichten vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr wissen. Antwort: „Es wird die Erteilung einer Weisung derzeit geprüft.“

Die Bauverwaltung der Hansestadt, die für die Umgestaltung zuständig ist, rechnet schon seit Längerem mit einem Radfahrverbot. Seit Jahren mahne der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr dringenden Handlungsbedarf an. Das hatte die Stadt im April in einer Presseerklärung mitgeteilt. „Die Fachaufsicht hat erklärt, dass sie ein Verbot für Radfah-rende für den Lindenplatz anweisen wird, sofern keine rechtskonforme und sichere Umplanung erfolgt und beschlossen würde“, hieß es seitens der Verwaltung: „Die Fachaufsicht erwartet zeitnah eine verkehrssichere Lösung für diesen Kreisverkehr. Andernfalls würde die Weisung dann schriftlich an den Bürgermeister erfolgen.“

Die Sommerferien sind vorbei, am Lindenplatz ist nichts umgebaut worden. Aktuell überarbeitet die Bauverwaltung die Ausschreibung der Baumaßnahme, die ursprünglich 620.000 Euro kosten sollte. Über eine neue Vorlage müssten Bau- und Hauptausschuss der Bürgerschaft abstimmen. „Nach Projektfreigabe wird die Ausschreibung erneut veröffentlicht“, erklärt ein Stadtsprecher.

Der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr hat den Lübecker Nachrichten kein konkretes Datum genannt, bis wann der Lindenteller entschärft sein muss. „Der Umbau sollte weiterhin mit hoher Priorität verfolgt werden“, sagt die Landesbehörde.

Die von Lübeck vorgeschlagenen, provisorischen Verbesserungen, wie neue Querungen und eine eigene Fahrspur für Radfahrende vom Holstentor zum Kreisverkehr, würden nicht ausreichen, erklärt die Landesbehörde. Die Gefährdung der Radfahrenden am Lindenplatz würde vermutlich nur entschärft, aber nicht gänzlich beseitigt.

Der Lindenteller ist seit vielen Jahren einer der problematischsten Verkehrsknotenpunkte in Lübeck. Besonders häufig kommt es dort zu gefährlichen Situationen und Unfällen zwischen Autos und Radfahrenden. Durchschnittlich werden rund 40 Unfälle pro Jahr polizeilich erfasst.

Grüne und SPD fordern eine neue Planung. Arne-Matz Ramcke, Verkehrspolitiker der Grünen: „Nach all den Jahren stehen wir wieder am Anfang. Das ist für alle Menschen, die den Lindenteller täglich nutzen müssen, schlicht nicht hinnehmbar.“

Nichts zu tun und darauf zu hoffen, dass das Land diesen katastrophalen Zustand weiterhin toleriere, sei inakzeptabel, sagt Sascha Peukert, Vertreter der Grünen im Bauausschuss: „Lübeck darf nicht weiter zusehen, wie Menschen an dieser Stelle zu Schaden kommen.“

Die SPD warnt vor Einschränkungen des Busverkehrs durch einen Umbau. Das Verkehrsunternehmen Stadtwerke Lübeck Mobil hatte in einer Stellungnahme vor den Konsequenzen gewarnt, wenn die Busse ausgebremst würden. Ein Radfahrverbot am Lindenteller wäre für den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr eine Premiere. Bislang hat die Landesbehörde ein solches Verbot nirgendwo ausgesprochen. und DOR
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