Straube wohnt in der Wallbrechtstraße, Ecke Hohenstaufenstraße, im Stadtteil St. Gertrud. Die Hansestadt hat jede Straße einer von sechs sogenannten Reinigungsklassen zugeordnet. Wallbrecht- und Hohenstaufenstraße gehören ebenso wie die Elsässer, Lothringer und Danziger Straße zur Kategorie S6. Das bedeutet, dass „alle Straßenteile einmal wöchentlich gereinigt werden“. Für diese Leistung müssen die Anwohner eine jährliche Gebühr von 12,24 Euro „für jeden Frontmeter ihres Grundstücks“ zahlen.
Mitstreiter perIn Straubes Fall sind das 795 Euro pro Jahr. Mit „allen Straßenteilen“ sind auch Gehwege und Grünstreifen gemeint. Doch Straube meint, die Gehwege würden nur unzureichend gesäubert und die Grünstreifen stellenweise nicht gemäht. Er will das „und die hohen Kosten“ nicht länger hinnehmen und sucht nun Mitstreiter.
Der Lübecker hat Zettel an Straßenbäume im Viertel geheftet, in denen er seinen Unmut kundtut. Er appelliert darin an Anwohner, sich bei der Stadt zu beschweren – falls sie, wie er, mit der Reinigung unzufrieden sind und daher die Gehwege vor ihrem Grundstück selbst fegen und die Grünstreifen mähen.
Große PreisunterschiedeStraube fordert eine andere Kategorie für das Wohnviertel und kann die Eingruppierung nicht nachvollziehen. Beispielsweise an der Friedhofsallee koste die Reinigung nur 4,24 Euro pro Meter. Diese Straße gehört zur Kategorie S3. Dort werden einmal pro Woche Fahrbahnen und Radwege gereinigt.
„Da sich eh die meisten Anwohner selbst um Gehwege und Grünstreifen kümmern“, wünscht sich der Lübecker für sein Wohnviertel eine Umgruppierung in eine günstigere Kategorie wie S3 oder S4. Bei letzterer erfolgt die Reinigung von Fahrbahnen und Radwegen alle 14 Tage und kostet pro Meter und Jahr 1,72 Euro.
Die für die Straßenreinigung zuständigen Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) weisen die Vorwürfe zurück. Nach Angaben von Mitarbeiter Manfred Rehberg werden die Gehwege in besagtem Viertel einmal wöchentlich gereinigt, für die Grünstreifen sei in diesem Fall die Stadt zuständig.
Mit Detlef Straube habe man das Thema in der Vergangenheit „bereits umfassend diskutiert“. Der Fall sei sogar vor Gericht gelandet. Das Verfahren habe der Anwohner verloren. Straube bestätigt die Niederlage vor Gericht, will aber nicht aufgeben: „Mir geht es um Gerechtigkeit.“
Wildblumen fürPrinzipiell gehören laut Manfred Rehberg Grünstreifen zur Straße, in Lübeck sei jedoch für Grünstreifen mit vielen Bäumen die Hansestadt zuständig. „Das Straßenbegleitgrün wird zweimal im Jahr gemäht“, sagt Stadtsprecher Oliver Groth. Beispielsweise in der Lothringer Straße haben sich die Grünstreifen durch Aussaat teilweise in Mini-Wildblumenwiesen verwandelt. „Das sieht wunderschön aus, hilft bei der Durchsetzung des Parkverbots und freut die Bienen“, findet eine Anwohnerin. Leider ist die Saat laut Groth „nicht überall aufgegangen“.
Die EBL sehen laut Rehberg „keine Veranlassung, an der Einstufung der Straßen in die Reinigungsklasse S6 etwas zu ändern“. Ziel der Straßenreinigung sei „die Gewährleistung der Verkehrssicherheit“. Angesichts der zahlreichen Bäume sei eine wöchentliche Reinigung notwendig.
„Bäume verlieren regelmäßig Blätter und kleine Äste, ein Reinigungsintervall von 14 Tagen ist nicht angemessen, weil es beispielsweise durch nasses Laub schnell rutschig werden kann auf Straßen und Gehwegen“, erläutert Rehberg. Diese Argumentation kann Straube nicht nachvollziehen: „An der Friedhofsallee stehen auch viele Bäume.“ Die EBL betonen, dass die Kriterien für die Reinigungsklassen vom Verwaltungsgericht überprüft und abgesegnet worden seien.