Vor dem Regionalliga-Start: Zwei Favoriten – und dann die Adler
Drei Teams aus der LN-Region dabei: 1. FC Phönix als Mitfavorit, VfB Lübeck erneut im Neuaufbau, SV Todesfelde will im zweiten Anlauf drinbleiben

Wenn die Regionalliga Nord am Freitag um 19 Uhr mit der Partie zwischen dem SV Werder Bremen II und dem VfB Oldenburg in die neue Saison startet, schauen wieder drei Teams aus der LN-Region ganz genau hin. Neben dem 1. FC Phönix Lübeck (in der Vorsaison Fünfter) und dem VfB Lübeck (belegte zuletzt Rang elf) ist auch der SV Todesfelde zurück. Nur ein Jahr nach dem Abstieg setzten sich die Segeberger als überlegener Meister der Oberliga Schleswig-Holstein in der Aufstiegsrunde gemeinsam mit dem Eimsbütteler TV durch.

Gesucht wird in der neuen Saison der Nachfolger des SV Meppen. Die Emsländer wurden überlegen Meister der Regionalliga-Saison 2025/26 und kamen als solcher in den Genuss des Direktaufstiegs. In der kommenden Saison wird der Nord-Meister dieses Glück nicht haben. Dann muss der Titelträger in zwei Aufstiegsspiele gegen den Meister der Regionalliga Bayern. Erst 2029 ist der Norden turnusgemäß wieder dran.

Sofern nicht doch noch die in fast ganz Deutschland – außer bei einigen Verbänden, die um Einfluss und Posten fürchten – herbeigesehnte Ligenreform kommt. Nachdem das öffentlich und von vielen Vereinen favorisierte „Kompassmodell“ (vier 20er-Ligen mit jährlich neuem Zuschnitt) nicht kommt, war zuletzt wieder davon die Rede, der 3. Liga vielleicht fünf Absteiger bei dann 22 Mannschaften zuzumuten. Und das, obwohl die Drittligisten erst 2017 einem vierten Absteiger zugestimmt hatten unter der Voraussetzung, die Regionalligen würden sich zeitnah auf ein Modell mit vier Aufsteigern verständigen. Das Thema wird alle Viertligisten vermutlich noch länger beschäftigen.

Mit klaren Drittliga-Ambitionen gehen nur wenige Klubs in die neue Regionalliga-Saison. Sportlich, finanziell und infrastrukturell wäre ein Aufstieg für den größten Teil der Liga ohnehin kaum zu stemmen. Die Voraussetzungen erfüllt am ehesten der VfB Oldenburg in allen Bereichen. Zwar wird das neue Stadion voraussichtlich erst bis zur Saison 2029/30 bezugsfertig sein. Doch auch im alten Marschwegstadion spielten die Oldenburger in der Saison 2022/23 in der 3. Liga. Neben den U23-Teams des SV Werder Bremen und von Hannover 96 kann dies in jüngerer Vergangenheit ansonsten nur der VfB Lübeck von sich behaupten, der jedoch sportlich erneut kaum für einen Spitzenplatz in Frage kommt.

Rein sportlich ist Oldenburg einer der beiden Top-Favortiten. Mit Kai Pröger (zuletzt VfL Osnabrück), der für Paderborn, Rostock und Regensburg auf 31 Bundes- und 160 Zweitliga-Spiele kommt, holte der VfB auch den namhaftesten Neuen in die Nord-Staffel. Die Oldenburger führen das Marktwert-Ranking bei transfermarkt.de an, sofern man das eigentlich zu den Profis zählende Werder-Talent Mick Schmetgens herausrechnet.

Als zweiter Top-Favorit auf den Titel muss die SV Drochtersen/Assel gelten, im Vorjahr Zweiter und ein weiteres Mal prominent verstärkt. Finanziell verfügt das Team aus dem Kreis Stade dank Mäzen und Macher Rigo Gooßen wohl über die beste Ausstattung. Der Kader wurde im Sommer gleich mit mehreren Top-Regionalliga-Spielern verstärkt, mehr noch als die Ex-VfB-Lübeck-Spieler Luca Menke und Ali Abu-Alfa sind da die Angreifer Christopher Schepp (Havelse, zuvor Bielefeld, Meppen) und Tom Sanne (Burghausen, zuvor Hamburger SV) zu nennen.

Hinter diesen beiden reiht sich nicht nur im Marktwert-Ranking, sondern auch unter den Mitfavoriten der 1. FC Phönix Lübeck ein. Die Adler gehen gut verstärkt in die neue Saison, haben einige Akteure mit langjähriger Regionalliga-Erfahrung geholt. Die U23-Teams aus Bremen, Hannover und vom HSV sowie Kickers Emden, wo im Sommer wie bei den meisten ambitionierteren Teams der Liga auf Vollprofitum umgestellt wurde, ergänzen den Kreis der Mitfavoriten in der neuen Saison.

Der zum dritten Mal im Folge im Neuaufbau befindliche VfB Lübeck gehört nicht dazu. Die Grün-Weißen haben mit einem erneut reduzierten Etat eine junge Mannschaft am Start, für die es realistisch gesehen nur darum gehen kann, nicht in Abstiegsnöte zu geraten.

Für den dritten Vertreter der Region, den SV Todesfelde, wäre bereits das ein großer Erfolg. Zwar war das Team auch im bisher einzigen Regionalliga-Jahr 2024/25 kaum einmal Kanonenfutter. Doch die erfahrene Achse des sympathischen Dorfklubs (Boland, Sternberg, Schneider, Rave) wird nicht jünger – und die finanziellen Mittel für namhafte Verstärkungen fehlten auch hier. Auf das Geschick des Trainers Björn Sörensen, einige der jüngeren Neuzugänge auf das nächste Level zu bringen, wird es ankommen, um eine realistische Chance auf den Klassenerhalt zu haben.

Im Kampf gegen den Abstieg dürften der Mitaufsteiger Eimsbütteler TV, der HSC Hannover und der im Vorjahr nur mit Glück gerettete FC St. Pauli II (blieb durch die Lizenzverweigerung für 1860 München und den damit abgewendeten Havelse-Abstieg in der Liga) die Kandidaten sein, die es hinter sich zu lassen gilt.

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