Verantwortlich für dieses aufgeladene Rennen auf der Trave ist Lübecks früherer Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Saxe, Feingeist, Segelfreund und Weinliebhaber, hatte im Jahr 2004 die Idee, eine alte Tradition wieder aufleben zu lassen, auf die die Travemünder Woche in der Überlieferung zurückgeht.
Rotspon-Cup: Die Bilanz spricht für die Gäste
Denn 1889 segelten die beiden Hamburger Kaufleute Hermann Wentzel und Hermann Dröge erstmals vor Travemünde gegeneinander. Der Sieger des Rennens erhielt damals eine Flasche Lübecker Rotspon. Und dieses Rennen gilt als Initialzündung der Segelwoche, die in den späten Jahren des 19. Jahrhunderts und frühen Jahren des 20. Jahrhunderts auch Kaiser Wilhelm II. nach Travemünde lockte. Lübecks aktueller Bürgermeister, Jan Lindenau (SPD) hat die von Bernd Saxe eingeführte Tradition fortgeführt. Mittlerweile wurden bereits 20 Rotspon-Cups gesegelt – eher selten allerdings zum Vorteil der Hansestadt. Die Bilanz zählt zwölf Siegertrophäen für die Gäste.
Pleiten, Pech
und Pannen
Am Mittwoch ist Jan Lindenau erneut angetreten, den Rotspon-Cup nach Lübeck zu holen. Es ist die 21. Auflage des Rennens, im elften Jahr steht der Rotspon-Cup unter der Sponsorschaft der Volksbank Lübeck. Lindenaus Gegnerin in diesem Jahr: Schleswig-Holsteins Landtagspräsidentin Kristina Herbst (CDU). Herbst geht auf dem historischen Segler „Trivia“ an den Start. Das Boot leistet sich schon den ersten Patzer, bevor das Rennen offiziell startet: Es läuft an der Travemündung auf Grund und muss freigeschleppt werden.
Der Volksbank-Rotspon-Cup ist bekannt für solch spektakuläre Szenen. 2009 rammte Bernd Saxe mit seinem Boot das seines Gegners, Hamburgs erstem Bürgermeister Ole von Beust (CDU). Die Boote verkeilten sich ineinander, der Schaden war immens. Nur einen Teil zahlte die Versicherung. Nach eigenen Angaben musste Saxe rund 6000 Euro aus der eigenen Tasche zahlen.
2018 trieb das Boot von Jan Lindenau durch eine starke Böe landeinwärts, drohte, Stege und andere Boote zu rammen. Einem besonnenen Schlauchbootfahrer gelang es, das Schlimmste zu verhindern. Das abgetriebene Boot streifte einen Steg nur leicht.
Lindenau segelt
an Ziellinie vorbei
Als das Rennen am Mittwochmittag endlich startet, haben sich rund 60 Zuschauer auf der Überseebrücke 1 eingefunden. Das Wetter ist norddeutsch wechselhaft: Mal nieselt es, dann kommt die Sonne wieder durch, glitzert auf der Trave. Ununterbrochen aber weht eine steife Brise. Aus Sicherheitsgründen gehen die Boote daher nur mit ihren Vorsegeln ins Rennen.
Im ersten von drei Rennen liegt Lindenau auf der „Sphinx“ klar in Führung, am Ende aber scheitert der Bürgermeister auf dem letzten Meter: Sein Boot fährt an der Ziellinie vorbei, Kristina Herbst zieht souverän vorbei. Das will Lindenau natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Das zweite Rennen entscheidet Lübecks Bürgermeister für sich. Und auch die dritte Runde geht an Lindenau und seine Mannschaft.
Bereits vor dem Rennen haben Jan Lindenau und Kristina Herbst entschieden, dass sie die Siegestrophäe gemeinsam „köpfen“ wollen. Die Sechs-Liter-Rotspon-Flasche soll kameradschaftlich geteilt werden. „Sechs Liter Wein zu trinken, ist ganz schön anstrengend“, sagt Lübecks Bürgermeister. Die Einladung ins Lübecker Rathaus sei bereits ausgesprochen.