Erst Förderantrag stellen, dann Handwerker bestellen
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zahlt aktuell einen Zuschuss von 15 Prozent für die Dämmung der Gebäudehülle. Wer einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) vorweisen kann, kassiert sogar 20 Prozent. Unter dem Strich sind bis zu 60.000 Euro pro Wohneinheit förderfähig. Wer jetzt den Handwerkerauftrag unterschreibt oder Material kauft, bevor der Förderantrag gestellt ist, verliert seinen Anspruch auf den Zuschuss und der finanzielle Schaden geht sofort in die Tausende. Zudem sind die energetischen Anforderungen hoch.
Gemessen wird das Ganze am sogenannten Wärmedurchgangskoeffizienten, kurz U-Wert. Dieser gibt an, wie viel Wärme von innen nach außen durchs Dach entweicht. Hier gilt: Je niedriger dieser Wert ist, desto besser stoppt das Dach den Wärmeverlust. Während über ein altes, ungedämmtes Dach bis zu 20 Prozent der teuren Heizwärme verpuffen, fordert der Staat für die Bewilligung der Förderung einen extrem niedrigen U-Wert von höchstens 0,14 W.
Zwischen, über oder unter den Sparren?
Welches System passt, hängt vom Zustand der Deckung ab. Am günstigsten ist die Zwischensparrendämmung, bei der der Dämmstoff von innen zwischen die Balken kommt, solange die Deckung dicht ist. Reicht die Balkenhöhe nicht, kommt eine Untersparrendämmung darunter. Steht ohnehin eine neue Eindeckung an, spielt die Aufsparrendämmung ihre Stärke aus, eine geschlossene Schicht von außen über den Balken, ganz ohne Wärmebrücken.
Wo Statik und Budget es zulassen, ist eine Kombination beider Systeme die sauberste Lösung. Als Dämmstoff dienen Mineralwolle, Holzfaser, Zellulose oder Platten aus PUR (Polyisocyanurat) und PIR (Polyisocyanurat).
Neue Deckung? Solar gleich mitdenken!
Wird neu gedeckt, steht die Wahl der Deckung an. Tonziegel halten 40 bis 60 Jahre, Betondachsteine etwas kürzer, Schiefer länger. Metalldeckungen sind leicht und langlebig, Bitumen- und Kunststoffschindeln altern schneller, während ein Reetdach keine Standardmodule trägt.
Wer ohnehin das Gerüst stellt, plant die Photovoltaik gleich mit und spart die zweite Baustelle. Die Haken für Aufdachmodule setzt am besten der Dachdecker, damit die Dichtheit in einer Hand bleibt. Bei einer Neueindeckung ist die integrierte Variante, bei der Module die Ziegel ersetzen, optisch reizvoll, aber teurer. Einen Zuschuss für Photovoltaik wie für die Dämmung gibt es nicht, wohl aber den Nullsteuersatz bis 30 Kilowatt-Peak (kWp), den KfW-Kredit 270 und die EEG-Einspeisevergütung.
Achtung beim Feuchteschutz!
Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Dachsanierung ist der Feuchteschutz. Wird die Dampfbremse innen nicht luftdicht verklebt, zieht Wohnfeuchte in die Konstruktion, das Holz fault und das Dach muss erneut saniert werden. Auch die Reihenfolge der Bauteile entscheidet hier. Alte, undichte Fenster lüften unfreiwillig mit. Werden sie vor der Dachdämmung durch dichte ersetzt, steigt die Raumluftfeuchte und schlägt sich an den kältesten Flächen nieder. Die Folge sind Kondensat und Schimmel.
Qualifiziertes Know-how aus der Region
Die Dachdecker-Innung Lübeck und Ostholstein führt ihre knapp 60 Mitgliedsbetriebe von Lübeck bis Fehmarn und bietet mit dem DachCheck eine standardisierte Prüfung samt Protokoll, das gegenüber der Gebäudeversicherung als Nachweis dient. Der DachCheck Plus prüft die Photovoltaik gleich mit. Unabhängig zu Systemen und Förderung berät die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH).