Bei Hitze: Klimaanlagen sind für Lübecks Vermieter kein Thema
Kühlsysteme seien zu teuer, sagen große Wohnungsbaugesellschaften – Sie setzen stattdessen lieber auf bauliche Maßnahmen wie Gründächer, Rollläden und Sonnenschutzverglasung.

Mit Sonnenschirmen und Markisen gegen die Hitze: Bei anhaltend hohen Temperaturen wird es in vielen Wohnungen unerträglich heiß. Die Lübecker Nachrichten haben große Vermieter in Lübeck befragt: Wie schützen Sie Ihre Mieter?Foto: Soeren Stache/dpa
Lübeck. Die Hitzewelle Ende Juni hat vielen Menschen auch deshalb so zugesetzt, weil aufgeheizte Wohnungen kein Rückzugsort mehr sind. Die Lübecker Nachrichten wollten deshalb von Lübecks großen Vermietern wissen, wie sie ihre Mieterinnen und Mieter vor heißen Wohnungen schützen.

„Die zunehmenden Hitzetage sind für uns ein wichtiges Thema“, sagt Melanie Loebe von der Grundstücksgesellschaft „Trave“,Lübecks größtem Vermieter. „Deshalb berücksichtigen wir den sommerlichen Wärmeschutz bei allen Projekten bereits von Beginn an in der Planung.“

Ingenieure berechnen,

wie heiß es in Räumen wird

Für jedes Bauvorhaben lasse die „Trave“ durch unabhängige Fachingenieure berechnen, wie sich einzelne Räume an heißen Tagen voraussichtlich aufheizen und mit welchen Maßnahmen eine Überhitzung vermieden werden könne.

„In vielen Fällen reicht eine optimal abgestimmte Gebäudehülle in Verbindung mit einer leistungsfähigen Sonnenschutzverglasung aus“, erklärt die Unternehmenssprecherin: „Wo es erforderlich ist, kommen zusätzlich bauliche Maßnahmen wie außen liegende Rollläden zum Einsatz.“

Auf Klimaanlagen in Wohnungen verzichte die „Trave“ ganz bewusst. „Sie verursachen einen hohen Energieverbrauch und stehen dem Ziel eines energieeffizienten und nachhaltigen Wohnungsbaus entgegen“, erklärt Melanie Loebe.

Grünflächen statt

Versiegelung

Vonovia, Lübecks zweitgrößter Vermieter, setzt bei der Modernisierung von Wohngebäuden auf die Dämmung von Fassaden und Dächern, auf moderne Wärmeschutzfenster und auf Rollläden.

Bei Neubauten würden Fenster, Gebäudeausrichtung und technische Anlagen so geplant, dass eine starke Aufheizung in den Sommermonaten verringert werde, sagt Unternehmenssprecherin Caroline Sorgenicht: „Wo es möglich ist, installieren wir zentrale Lüftungsanlagen für ein angenehmes Raumklima.“ Zwischen den Wohngebäuden gebe es Grünflächen, „sodass sich die Umgebung weniger stark aufheizt.“

Bei Gründächern, Grünfassaden, Rollläden und Klimaanlagen ist der Lübecker Bauverein zurückhaltend. „In unserer Nachhaltigkeitsstrategie haben wir das Ziel formuliert, die Anzahl begrünter Dächer zu erhöhen“, sagt Vorstand Stefan Probst. Das sei aber aus statischen Gründen nicht immer möglich.

„Bisher haben wir lediglich an unserem Bürohaus eine großflächige Fassadenbegrünung“, erklärt der Vorstand, „für die Zukunft könnte es aber eine geeignete Maßnahme zur Reduzierung der Hitze am und im Gebäude sein.“

Rollläden baut der Bauverein generell nicht ein, da sie untypisch für Norddeutschland seien. „Bei zukünftigen Neubauten werden wir die Sinnhaftigkeit aber prüfen“, kündigt Stefan Probst an. „Klimaanlagen sind aufgrund der sehr hohen Investitionskosten und wegen des viel zu hohen Stromverbrauchs keine Option.“

Viel wichtiger sei eine intelligente Quartiersentwicklung, die für eine gute Durchlüftung, weniger Versiegelung von Flächen, regenwasserhaltende Mulden-Rigolen-Systeme und große Laubbäume sorgt. Stefan Probst: „Leider werden große Bäume in den Einfamilienhausgebieten von den Eigentümern häufig reduziert, wegen der vielen Arbeit mit dem Laub.“

Die „Neue Lübecker“, eine der größten norddeutschen Wohnungsgenossenschaften, setzt auf größere Abstände zwischen den Wohngebäuden, denn gute Durchlüftung und gewachsene Grünstrukturen würden sich positiv auswirken, sagt Unternehmenssprecherin Nadine Hofmann.

Schlafräume in neuen Wohnungen würden bevorzugt gen Norden und Osten eingerichtet. Auch Markisen an Balkonen würden nachträglich eingebaut, um für Schatten zu sorgen.

Bei technischen Kühlsystemen ist die Genossenschaft zurückhaltend. „Neben den Investitionskosten sind hier insbesondere auch laufende Bewirtschaftungskosten zu berücksichtigen – etwa für Pflege, Wartung oder Energieverbrauch“, sagt Nadine Hofmann. „Diese müssten von den Mieterinnen und Mietern getragen werden.“

Jede Investition müsse über die Miete refinanziert werden, sagt auch Andreas Breitner, Präsident des Verbands der norddeutschen Wohnungsunternehmen (VNW). „Nicht alles, was wünschenswert ist, ist dadurch finanzierbar.“

Aufgeheizte Wohnung sind grundsätzlich kein Mangel

Ratschläge, Mieterinnen und Mieter sollten sich mobile Klimageräte zulegen, hält Breitner für problematisch. „Abgesehen davon, dass die Geräte angesichts der hohen Strompreise erhebliche Kosten verursachen, sind viele örtliche Stromnetze für den massenhaften Betrieb von Klimaanlagen nicht ausgelegt“, erklärt der Verbandspräsident.

Eine aufgeheizte Wohnung stellt nach Angaben des Lübecker Mietervereins grundsätzlich keinen Mangel dar, der einen Anspruch auf Mangelbeseitigung, Mietminderung oder eine fristlose Kündigung rechtfertigen könnte.

„Bei einer Dachgeschosswohnung oder einer Wohnung mit großen und nach Süden ausgerichteten Fensterfronten ist nach Ansicht der Gerichte an heißen Sommertagen mit höheren Raumtemperaturen zu rechnen und dieser Umstand daher kein Wohnungsmangel“, erklärt Thomas Klempau vom Mieterverein. und DOR
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