Der Aufwand gilt einem winzigen Feind: dem Gemeinen Nagekäfer, besser bekannt als Holzwurm. Er hat sich in den historischen Sitzreihen eingenistet – und wird nun systematisch bekämpft.
Der Befall fiel vor rund drei Monaten auf. Pastor Thorsten Rose machte einen Rundgang durch seine Kirche in der Moislinger Allee, als ihm an einer der Bänke stecknadelgroße Löcher auffielen. „Es war auch ein bisschen Geriesel darunter“, erinnert sich der Geistliche. „Das sind die typischen Anzeichen für den Holzwurm. Da wurde mir klar, dass wir etwas unternehmen müssen.“
Zusammen mit Fachleuten und Holzgutachtern wurde ein Rettungsplan für die 90 Jahre alten Kiefernholz-Bänke geschmiedet. „Bevor die Schädlinge weitere Bereiche der Kirche befallen, zum Beispiel die Orgel, nutzen wir die Sommerferien, um die Lutherkirche holzwurmfrei zu machen“, erklärt Rose den straffen Zeitplan. Dabei gab es seitens der Gemeinde eine klare Vorgabe: „Uns war wichtig, bei der Bekämpfung auf Chemie zu verzichten und die Umwelt nicht zu belasten.“
Die Lösung fanden die Verantwortlichen in einer aufwendigen Heißluftbehandlung. Dafür haben Experten die betroffenen Bänke luftdicht in graue Spezialfolie verpackt. Über den Schlauch wird über mehrere Stunden heiße Luft unter die Folie gepustet. Temperaturfühler in sogenannten Holz-Dummys überwachen kontinuierlich die Messwerte.
„Bei 48 bis 52 Grad verdickt sich das tierische Eiweiß“, erläutert Holzschutzfachmann Jürgen Rabeneck von der Reinfelder Firma „Trave Antik“ das biologische Prinzip hinter der Methode. Folge: „Wenn wir über mehr als eine Stunde 55 Grad Celsius erreichen, können wir sicher sein, dass die Tiere in allen Entwicklungsstadien absterben.“ Keine Larve, kein Käfer und kein Ei überlebt diesen Prozess.
Dass historische Kirchen heute massiv gegen den Nagekäfer kämpfen müssen, ist dem modernen Komfort geschuldet. Denn bei rund 22 Grad Celsius Raumtemperatur fühlen sich die Schädlinge besonders wohl. In der Lutherkirche soll der Spuk nun enden. Denn schon am Freitag plant die Spezialfirma, ihr Heißluftgebläse wieder abzubauen. Ab Sonntag können die Gottesdienste dann wieder in gewohnt kühler und vor allem holzwurmfreier Umgebung stattfinden.