Im Vorjahr war bei Kellenhusen ein gut 300 Meter langer Abschnitt für Radler neu geschaffen worden. Vor wenigen Tagen wurde nun bei Dahmeshöved ein knapp 245 Meter langer Lückenschluss vollendet.
Kellenhusens Bürgermeister Stefan Schwardt und seine Amtskollegin aus Dahme, Stefanie Friedrich-Suhr, betonen unisono: „Wir wollten die Route nicht kampflos aufgeben. Sie ist landschaftlich einzigartig.“ Friedrich-Suhr ergänzt: „Unsere Gemeinden sind unwahrscheinlich froh darüber, dass der Radwanderweg über den ehemaligen Regionaldeich wieder nutzbar ist.“ Und Schwardt weiß zu berichten: „Bei Einheimischen und Gästen aus beiden Orten war der Wunsch, dass die Verbindung wiederhergestellt wird, sehr groß.“
Inoffizielle Strecke mit
gefährlichen Deichkanten
Zwischenzeitlich hatten sich viele Menschen ihre eigenen Wege über den Deich geschaffen – trotz gefährlicher Kanten. „Dabei wurden auch Absperrungen missachtet oder beiseitegestoßen“, erklärt Sebastian Grimm aus dem Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft Grömitz, Grube, Kellenhusen, Dahme. „Es sind auch schon mal Radfahrer beim Befahren zu Schaden gekommen“, weiß Schwardt zu berichten. Deshalb ist jetzt nach mehr als zwei Jahren Genehmigungsverfahren in Dahme das Aufatmen groß.
„Wir mussten viele Auflagen für den Ersatzabschnitt erfüllen“, sagt Stefanie Friedrich-Suhr. Sowohl die Bodenschutz- als auch die Untere Naturschutzbehörde hätten Vorgaben gemacht. „Zum Beispiel musste eine bestimmte Tragfähigkeit erfüllt werden“, erläutert Sebastian Grimm. Zur Umsetzung habe man am Ende nur gut drei Wochen benötigt.
Die 241 Meter lange und 2,8 Meter breite Neubaustrecke besteht aus Geogitter (Kunststoffwaben zur Stabilisierung des Untergrundes), aus Vlies, einer 20 Zentimeter dicken Schotter- und einer zusätzlichen Tragschicht aus heimischem Boden. „Wir haben über 720 Tonnen teures Material herangebracht“, sagt Sebastian Grimm. Um den alten Deich an der Anschlussstelle zum neuen Abschnitt zu verbreitern, wurden weitere 200 Kubikmeter Lehm und 60 Tonnen Schotter angefahren.
Dahme investiert viel
Geld in den neuen Weg
Insgesamt liegt die Investition in Dahme bei 121.000 Euro. Weniger Probleme und deutlich weniger Kosten hatte hingegen Kellenhusen. Schwardt erklärt: „Wir zahlen jährlich 500 Euro Pacht an einen Landwirt und haben ansonsten knapp 7000 Euro in den Radwanderweg gesteckt.“ Dieser führt nun hinter und nicht mehr vor einem Knick entlang. Für die alte Strecke, wo nach der Sturmflut auch ein Hünengrab entdeckt worden war, wäre der Aufwand zu groß und zu teuer gewesen, so Schwardt, der von einem möglichen Millionenbetrag spricht. „Wenn es schlecht läuft, hätte nach der nächsten Sturmflut der Bereich wieder weg sein können. Das Risiko war zu groß und trifft auch auf den kaputten Abschnitt in Dahme zu“, verdeutlicht Kellenhusens Bürgermeister. Die neue Variante sei erst einmal zukunftssicher. Dennoch behalten die Gemeinden mit der bisherigen Umleitung aus Dahme in Richtung Kellenhusen-Bokhorst – ein Stück abseits der Ostseeküste gelegen – zwei Wegstrecken bei. Hintergrund sind nicht nur teure Kosten für eine Neukartierung. Denn: „Wenn sich die Sturmfluten immer mehr häufen, der Deich irgendwann doch ganz bricht und das Hinterland überflutet wird, dann hat die Natur endgültig gewonnen“, sind sich die drei Beteiligten einig. Daran wollen sie im Moment aber nicht denken und freuen sich zunächst einmal über die offiziell freigegebene neue Strecke.