Moin Checkpoint bietet bei sexuell übertragbaren Krankheiten Beratung, Testung und Behandlung aus einer Hand und gewährleistet dabei absolute Anonymität. Wer bei Moin Checkpoint Hilfe sucht, muss keinerlei persönliche Daten preisgeben. Am Empfangstresen erhält jeder einen Code und füllt einen Fragebogen aus.
Let’s talk„Dadurch erhalten wir wichtige Hinweise für das Beratungsgespräch“, erklärt Katjana Zunft. Es sei „immer wieder erstaunlich, wie schwer es in unserer angeblich so offenen Gesellschaft vielen fällt, über Sex zu sprechen“, sagt die sozialpädagogische Fachkraft. Bei Moin Checkpoint hingegen fällt das leicht – „weil wir Anonymität in einem geschützten Raum bieten“.
Die Mitarbeitenden der Anlaufstelle „begegnen jedem offen und ohne Vorurteile und Vorwürfe“, sagt Ingo Buck. Der 47-Jährige ist einer von vielen ehrenamtlichen Helfern, ohne die Moin Checkpoint nicht denkbar wäre – und er ist seit 2017 HIV-positiv.
Syphilis: Infektionszahlen nehmen stetig zu
Aids spielt inzwischen eine untergeordnete Rolle, weil es wirksame Medikamente gibt, die die Erkrankung in Schach halten und dafür sorgen, dass von den Betroffenen keinerlei Ansteckungsgefahr ausgeht. „Wir hatten bisher pro Jahr nur einen positiven Aids-Test“, berichtet Katjana Zunft. Neben Kondomen schützen auch Medikamente – sogenannte PrEP – vor HIV. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen für Menschen ab 16 Jahren mit „substanziellem HIV-Risiko“.
Auf dem Vormarsch sei dagegen Syphilis. Die Infektionszahlen erreichen seit 2022 in Deutschland jährlich einen neuen Höchststand. Die Erkrankung lässt sich mit Antibiotika gut behandeln. Bleibt sie jedoch lange unerkannt, kann Syphilis zu schweren Schäden an Organen und Nervensystem führen. Weit verbreitet sind auch Chlamydien und Gonokokken.
„Tests sollten
selbstverständlich wie Zahnarztbesuche sein“
Tückisch sei an vielen sexuell übertragbaren Krankheiten, dass sie lange Zeit ohne Symptome verlaufen können, erklärt UKSH-Infektiologe Prof. Dr. Jan Rupp. Ein Test sollte daher nicht erst bei Symptomen erfolgen, sondern sich am Risikoverhalten orientieren. Rupp wünscht sich, „dass regelmäßige Tests auf STI so selbstverständlich werden wie Zahnarztbesuche“.
HIV-Tests sind bei Moin Checkpoint kostenlos, Tests auf andere STI kosten zwischen 10 und 30 Euro. Wer sich das nicht leisten kann, erhält die Tests zu vergünstigten Preisen. Das Ergebnis liegt entweder direkt vor (wenn ein Schnelltest möglich ist) oder nach einer Woche. Wird eine Infektion erkannt, kann sich der oder die Betroffene direkt bei Moin Checkpoint von einem Arzt oder einer Ärztin behandeln lassen.
Eine Frau Mitte 50 ist an diesem Mittwochnachmittag zu der Anlaufstelle gekommen, um sich gegen Hepatitis impfen zu lassen, und lässt sich auf STI testen. Sie hat eine Erfahrung gemacht, von der viele Ratsuchende berichten: Einige Hausärzte weigern sich offenbar, bei manchen Patientinnen einen Test auf Chlamydien durchzuführen. Unter anderem deshalb bietet die Aidshilfe auch Workshops für Ärzte an.
„Einige Allgemeinmediziner gehen davon aus, dass alle Verheirateten monogam leben und Frauen über 50 keinen Sex mehr haben. Das ist doch völlig weltfremd“, kritisiert Katjana Zunft. „Auf mich treffen beide Annahmen nicht zu“, sagt die ratsuchende Mitte-50-Jährige lächelnd. Weil ihr Anonymität sehr wichtig ist, zahlt sie Impfungen und Tests aus eigener Tasche und lässt sie nicht über ihre Krankenkasse abrechnen. Dabei rundet sie die Beträge auf, da sie weiß, dass Moin Checkpoint auf Spenden angewiesen ist.
Hoffnung auf eineProf. Rupp und Katjana Zunft wünschen sich, dass die Angebote von Moin Checkpoint noch bekannter werden. „Dann müssten wir allerdings die Sprechzeiten ausweiten und dafür bräuchten wir finanzielle Unterstützung vom Land und/oder der Stadt“, betont Zunft.
Die Ratsuchenden bei Moin Checkpoint sind zwischen 16 und 75 Jahre alt. Laut Zunft „sind die Jungen meist besser informiert als die Älteren“. Einige Männer, bei denen Kondome Erektionsstörungen verursachen, machen große Augen, wenn Zunft ihnen erklärt, dass es auch Kondome für Frauen, sogenannte Femidome, gibt.
Diese sind allerdings mit zwei bis drei Euro pro Stück recht teuer und müssen in der Apotheke oder im Internet bestellt werden. Auch für Menschen, die beim Sex Schmerzen haben, hat Zunft eine Lösung. Es gibt eine Art Stoßdämpfer, die über den Penis gezogen werden und ihn so verkürzen. Zunft wird jeden Mittwoch bewusst, „wie wichtig es ist, offen über Sex zu sprechen. Ich mache das gern und bekomme sogar Geld dafür.“
Moin Checkpoint, Kreuzweg 2, hat jeden Mittwoch von 16.30 bis 19 Uhr geöffnet. Erreichbar ist die Anlaufstelle unter der Telefonnummer 0451/72551 und per Mail: kontakt@checkpoint-moin.deauf der Homepage
https://checkpoint-moin.de/