Lübeck.
Es ist ein Projekt, das für die Kunstgeschichte und die Lübecker Museen von besonderer Bedeutung ist: Das St. Annen-Museum restauriert das kostbare Maria Magdalenen-Retabel von 1519 öffentlich – sodass Besuchende des Museums die aufwendigen Konservierungsarbeiten live im Remter des St. Annen-Museums, St.-Annen-Straße 15, beobachten können. Regelmäßige Führungen bieten hautnah Einblicke in die Arbeit. Danach soll der Flügel im Frühjahr 2027 wieder zu sehen sein – und nicht nur er allein: Das Jubiläumsjahr der Stadtheiligen bietet einen ganz besonderen kulturhistorischen Moment: Erstmals seit über 200 Jahren wird das monumentale Retabel wieder vollständig in Lübeck sein. Möglich wird dies durch die Zusammenführung des spektakulären Neuerwerbs (linker Flügel) mit hochkarätigen Leihgaben aus Ohio (rechter Flügel). Das Maria Magdalenen-Retabel ist eines der wichtigsten spätmittelalterlichen Schnitzretabeln der Sammlung des St. Annen-Museums. Es wurde im Jahr 1519 von den Schneidergesellen für die Lübecker Burgkirche in Auftrag gegeben und eint qualitätsvolle Schnitzkunst mit fein ausgeführten Tafelmalereien von Erhard Altdorfer. Die zuvor verschollen geglaubten Tafeln des linken Außenflügels konnten durch einen Ankauf 2025 nach Lübeck zurückgeführt werden. Im kommenden Jahr werden sie zusammen mit kostbaren Leihgaben aus dem Memorial Art Museum in Ohio vereint, die einstmals den rechten Außenflügel bildeten und das Ensemble komplementieren – ein Jahrhundert-Ereignis für die Kunstwelt und die Geschichte der Hansestadt sowie gleichzeitig ein Auftakt zu einem besonderen Jubiläum: Seit 800 Jahren ist Maria Magdalena die Stadtheilige Lübecks. Am 22. Juli 1227 – dem Patronatstag der Heiligen – siegte die Hansestadt in der legendären Schlacht von Bornhöved und konnte sich dadurch von der dänischen Vorherrschaft befreien. Eine der amerikanischen Tafeln zeigt eben jene historische Schlacht von Bornhöved; eine weitere bildet das Holstentor im Hintergrund ab und stellt so den direkten, tiefen Bezug zur Geschichte der Hansestadt her. Mit den 2025 nach Lübeck zurückgekehrten Tafeln erweiterte das St. Annen-Museum seine Sammlung zugleich um zwei besonders bedeutende Malereien aus dem Œuvre Erhard Altdorfers. Die bewegten und durchdacht komponierten Szenen zeigen die Irrfahrt der Maria Magdalena und die Errichtung einer Kirche durch ein von ihr bekehrtes Fürstenpaar.