Taube im Bahnhof aufgespießt: Deutsche Bahn angezeigt
Vogel verletzte sich offenbar tödlich an Metallspikes – Peta spricht von „tierquälerischer Abwehrvorrichtung“ – Taubenhilfe fordert Bestandsregulierung statt Vergrämung.

Diese Metallspikes sollen Tauben am Landen hindern – und werden oft zur Todesfalle.Fotos: Holger Kröger
Lübeck. Das Tier hing kopfüber, ganz oben in der Wandelhalle des Lübecker Hauptbahnhofes. Die Taube hatte die Flügel ausgebreitet, aber sie war tot. Der Vogel hatte sich vermutlich selbst aufgespießt an den Spikes, die die Tauben aus der Wandelhalle fernhalten sollen. So schilderte es ein Zeuge der Tierschutzorganisation Peta. Die Tierschützer erstatteten Strafanzeige gegen die Deutsche Bahn.„Tierquälerische Abwehrvorrichtung“ nennt die Tierrechtsorganisation Peta die Spikes, die die Tauben am Landen hindern sollen. Installiert sind die Metallspieße überall im Lübecker Hauptbahnhof. Auf den großen Pfeilern, im Gestänge an den Bahnsteigen, sogar auf den Fahrkartenautomaten. „Eine katastrophale Situation für die dort lebenden Tauben“, heißt es von Peta.

Nach dem Hinweis aus der Bevölkerung – Peta nennt diesen Hinweis eine „Whistleblower-Meldung“ – hat die Tierrechtsorganisation den Fall nach eigenen Angaben auch dem Veterinäramt Lübeck gemeldet. Die Anzeige gegen die Deutsche Bahn sei Anfang Juni bei der Staatsanwaltschaft Lübeck erstattet worden, informiert Peta.

„Vergrämungsvorrichtungen wie Spikes bedeuten für sogenannte Stadttauben und andere Tiere häufig einen grausamen Tod“, erklärt Monic Moll, Fachreferentin für Whistleblower-Fälle bei Peta. „Wenn sich die Tauben in den Vorrichtungen verfangen oder aufspießen, leiden sie meist Stunden oder ganze Tage, bevor sie gefunden werden oder qualvoll sterben.“ Die Organisation hat die Deutsche Bahn deshalb aufgefordert, tierschutzgerechte Vergrämungsmethoden einzusetzen.

„Alle Maßnahmen sind

tierschutzkonform“

Die Deutsche Bahn nimmt Stellung. „Uns ist es wichtig, dass sich Reisende und Besucher am Lübecker Hauptbahnhof wohlfühlen“, erklärt eine Bahnsprecherin. „Um Belästigungen durch Tauben und Verunreinigungen durch Taubenkot möglichst zu vermeiden, setzt die Deutsche Bahn auf ein Bündel verschiedener Maßnahmen.“

Dazu gehören laut dem Unternehmen Vergrämungsnetze, Drähte, Spikes sowie Strom. Diese Maßnahme funktioniere nach dem Prinzip der Weidezäune, sagt die Sprecherin. Alle diese Maßnahmen seien tierschutzkonform, betont die Deutsche Bahn. Man befände sich zudem im Austausch mit einer Veterinärmedizinerin, um den Taubenbestand am Hauptbahnhof zu regulieren.

„Die Situation am Lübecker Bahnhof ist nicht gut“

Lara Resthöft vom Verein Taubenhilfe e.V. zweifelt daran, dass die Maßnahmen wirklich tierschutzgerecht seien. „Es ist nicht das erste Mal, dass sich Tauben am Hauptbahnhof aufspießen“, sagt die Vereinsvorsitzende. „Die Situation dort ist wirklich nicht gut.“ Immer wieder käme es auch vor, dass Taubenküken aus den Nestern direkt in die Wandelhalle fallen, sagt Resthöft. Schon seit Langem fordert der Verein ein Umdenken in der Taubenpolitik. Die Vergrämung der Vögel löse das Problem nicht wirklich, erklärt Lara Resthöft. Stattdessen sei nur eine aktive Bestandsregulierung Erfolg versprechend. Dafür aber müssten in Lübeck – unter anderem am Hauptbahnhof – große Taubenschläge eingerichtet werden. Dort könnten Tierschützer die Eier der Tiere entfernen und den Bestand der Tiere kleinhalten.

Neues Mittel gegen

Tauben am Holstentor

Finanziert werden könnten diese Taubenschläge, indem man Geld für Vergrämungs- und Reinigungsmaßnahmen einspart, sagt Resthöft. Mit einer neuen Vergrämungsmaßnahme, die von der Stadt derzeit am Lübecker Holstentor getestet wird, ist der Verein Taubenhilfe ebenfalls nicht einverstanden.

Angewendet wird dabei das Mittel „Free Bird“. Tauben nehmen die Ausdünstungen der Substanz als Feuer wahr – und sollen den Bereich meiden. „Wir haben uns das mal angesehen und festgestellt, dass die entsprechende Paste sehr klebrig ist“, sagt Lara Resthöft. Tauben könnten sich mit dem Gel selbst verkleben. „Eine langfristige Lösung kann auch das nicht sein“, sagt Resthöft. und OP

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