Im kommenden Jahr sollen diese Bereiche des Heiligen-Geist-Hospitals von März bis Oktober zu einem Welterbezen-trum werden. Die Schätze der Stadt werden dann in einer Pop-up-Ausstellung inszeniert. Dafür gibt es 2027 gleich mehrere Anlässe. Unter anderem ist die Lübecker Altstadt seit 40 Jahren Unesco-Welterbe. Und das HGH blickt auf eine 800-jährige Geschichte zurück.
Auch archäologische
Funde werden gezeigt
„Die Konstellation ist selten und wird so schnell nicht wiederkommen“, sagt Klaus Puschaddel (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender der Lübeck-Travemünde Marketing GmbH (LTM). Neben Informationen zum Welterbe soll die Ausstellung archäologische Funde zeigen und aktuelle Stadtentwicklungsprojekte vorstellen. Auch digitale Elemente sind vorgesehen. Das historische Gebäude soll in Szene gesetzt und in die Ausstellung eingebunden werden.
Zudem sind Veranstaltungen geplant – im HGH, aber auch an anderen Orten der Altstadt. Und: Lübeck möchte die bundesweite Eröffnung des Tages des offenen Denkmals am 12. September 2027 ausrichten. Im April wird darüber hinaus die Unesco-Welterbetagung in Lübeck stattfinden.
„Wir wollen im Heiligen-Geist-Hospital viel präsentieren, ohne bauliche Veränderungen vornehmen zu müssen“, sagt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). Er ist zugleich Vorsitzender der Stiftung Heiligen-Geist-Hospital, der das Gebäude gehört. Geplant ist, dass die Ausstellungselemente Rollen haben und mit Akkus versehen sind. So können sie einfach weggerollt werden, wenn die Vorbereitungen für die Märkte beginnen.
Sollte die Ausstellung ein Erfolg werden, wäre es vorstellbar, die Exponate 2028 einfach wieder hereinzurollen, verdeutlicht Jan Lindenau. „Es ist ein Experiment“, sagt Klaus Puschaddel. Und der Aufwand ist überschaubar, denn das Heiligen-Geist-Hospital ist ohnehin für Besucher geöffnet. Eine Option könnte sein, eines Tages Eintritt zu nehmen und die Einnahmesituation für die Stiftung so zu verbessern, sagt Jan Lindenau.
Die städtische Tochter LTM wird sich um die Organisation kümmern und Drittmittel für die Finanzierung einwerben. Die Ausstellung selbst wird noch erarbeitet. Eingebunden werden dabei sowohl die Experten der Stadtverwaltung – zum Beispiel aus dem Bereich Ärchäologie und Denkmalpflege – als auch externe Akteure.
Die Lübecker Stadtverwaltung ist ohnehin gerade dabei zu untersuchen, welche zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten für das HGH möglich sind. Dafür hat sie ein externes Büro beauftragt, Ideen zu entwickeln. Diese sollen dann in den politischen Gremien diskutiert werden. „Dieser Test passt gut, ohne künftigen Entscheidungen vorzugreifen“, sagt Jan Lindenau.
Das Heiligen-Geist-Hospital besteht nicht nur aus dem musealen Teil, sondern auch aus dem Alten- und Pflegeheim. Die Lübecker Bürgerschaft hat beschlossen, dass die Einrichtung für mindestens 40 Jahre weiterbetrieben und entsprechend ertüchtigt werden soll. Dafür und für die normale Gebäudeunterhaltung werden in den kommenden Jahren geschätzt bis zu 41 Millionen Euro fällig. Deswegen werden zusätzliche Einnahmemöglichkeiten gesucht.
Kultur- und Wirtschaftsausschuss haben für das temporäre Welterbezentrum bereits Ihr Okay gegeben. Die Grünen begrüßen die Pläne. Diese eröffneten neue Perspektiven auf die Stadt und machten Kultur für viele Menschen erlebbar, sagt die kulturpolitische Sprecherin Sophia Marie Pott. Ein solches Zentrum sei in anderen Welterbestätten Standard, sagt ihre Fraktionskollegin Kimberly D‘Amico. „Das HGH ist dabei ein ganz besonders geeigneter Standort.“