Hoch hinaus in St. Marien
Turm- und Gewölbeführungen mit Geschichte, Ausblick und überraschenden Geschichten.

Hoch hinauf geht es in beide Türme bei den Turm- und Gewölbeführungen in St. Marien.Fotos: Steffi Niemann
Lübeck. 365 Stufen, 125 Meter Höhe, 33 Jahre Geschichte, 251 Führungen und 2487 Gäste – die Turm- und Gewölbeführungen von St. Marien blicken auf eine lange Tradition zurück. Was einst mit wenigen Ehrenamtlichen begann, ist heute ein fester Bestandteil der Gemeindearbeit. Viermal in der Woche – mittwochs, freitags, sonnabends und sonntags – führen engagierte Besucherinnen und Besucher aus Lübeck und aller Welt durch Kirche, Türme und Gewölbe. Dabei gibt es immer spannende Geschichten rund um St. Marien und die Hansestadt zu hören und entdecken.

Vom Kirchenboden

bis in luftige Höhen

Die Führung beginnt bewusst im Verborgenen: im Boden der Kirche. Dort geben freigelegte Grüfte Einblick in die Geschichte früherer Bestattungen. „Wer hier beerdigt wurde, musste wohlhabend gewesen sein und hat mit der Gestaltung der Fresken seinen Glauben und seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht“, erklärt Turmführer Dirk Schwab. Er ist einer von 26 Ehrenamtlichen, die mit Begeisterung die Kirche mit ihren Türmen und dem hohen Gewölbe lebendig werden lassen. Schon hier wird deutlich, wie eng Geschichte und Gegenwart miteinander verwoben sind – ein Eindruck, der sich durch die gesamte Führung zieht. Im Kirchenschiff begegnen die Teilnehmenden den verschiedenen Bauphasen der St.-Marien-Kirche – von der ursprünglichen Basilika über den gotischen Umbau bis zum heutigen Erscheinungsbild. Ein besonders eindrücklicher Moment ist die Gedenkkapelle: Hier wird an die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erinnert. In der Nacht zum 25. März 1942 stürzten sieben Glocken aus dem Südturm. „Es war schrecklich“, erinnert sich eine Besucherin leise. Fünf der Glocken wurden später zur heutigen Pulsglocke eingeschmolzen, zwei dienen als mahnende Erinnerung. Die Pulsglocke hängt heute mit elf weiteren Glocken als großes Geläut im Nordturm. Im Südturm ist das kleine Geläut mit 37 Glocken untergebracht.

Der Aufstieg – Backsteine,

Baukunst und 365 Stufen

Im Südturm geht es schließlich die 365 Stufen hinauf – in mehreren Etappen bis auf etwa 60 Meter Höhe. Unterwegs erfahren die Gäste, wie aufwendig der Bau der Kirche im Mittelalter war: Backsteine mit einem Gewicht von rund 20 Kilogramm wurden einzeln nach oben getragen. Die Führung führt weiter durch ehemalige Glockenstuben und erläutert den Wandel der Läutewerke – von historischen Glocken bis zur heutigen computergesteuerten Steuerung. Besonders beeindruckend ist das Gewölbe der Kirche. „Die Bauherren hatten damals natürlich nicht die technischen Möglichkeiten, die heute bereitstehen, um Statik zu berechnen – und trotzdem hält diese Konstruktion bis heute“, erklärt Dirk Schwab. Die gotische Bauweise trägt sich selbst, unterstützt durch präzise gesetzte Schlusssteine und ausgeklügelte Konstruktionen. Viele Einflüsse kamen aus dem Mittelmeerraum, vermittelt durch Kreuzritter und Handelskontakte. Auch christliche Symbolik ist überall zu finden: Dreifaltigkeit, die zehn Gebote und die zwölf Apostel sind in der Architektur versteckt eingearbeitet.

Künftig gibt’s ein Angebot

für leicht Höhenängstliche

Dirk Schwab führt seit eineinhalb Jahren durch die Kirche und ihre Türme. „Ich lerne ständig dazu und gehe Dingen gern auf den Grund“, sagt er. Besonders wichtig sei ihm, Geschichte lebendig zu erzählen – auch mit unerwarteten Anekdoten, etwa zu Hape Kerkelings familiären Verbindungen zur Region. Ab dem Sommer sind Führungen für Menschen mit leichter Höhenangst und in entspannterem Tempo vorgesehen – anmelden kann man sich bereits unter www.st-marien-luebeck.de. Auch die rund einstündigen Führungen nur in der St.-Marien-Kirche können hier gebucht werden.





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