Umbau der Beckergrube wird teurer
Kosten steigen um 960.000 Euro – Aufwendige archäologische Arbeiten – Fertigstellung für November geplant.

Die Stadtverwaltung lädt immer wieder einmal, wie hier Mitte Mai, zu Baustellenbesichtigungen in der Beckergrube ein. Die Baumaßnahme wird deutlich teurer als kalkuliert.Foto: Lutz Roeßler
Lübeck. Archäologische Grabungen verteuern die Baumaßnahme in der Beckergrube erheblich. Die Bauverwaltung hat einen Mehraufwand von 960.000 Euro bei der Politik angemeldet. Der Bauausschuss hat zugestimmt – mangels Alternativen, wie Baupolitiker auf Anfrage der Lübecker Nachrichten mitteilen.

2024 hatten die Politikerinnen und Politiker die Umgestaltung der Beckergrube im oberen Abschnitt zwischen Breiter Straße und Fünfhausen für 6,9 Millionen Euro freigegeben. 3,5 Millionen Euro gibt der Bund dazu. „Die Kostensteigerung erklärt sich durch stark gestiegene Kosten für die Archäologie“, heißt es in einer nicht-öffentlichen Vorlage für die Baupolitiker, die den LN vorliegt. Den Löwenanteil der 960.000 Euro Mehrkosten verbuchen die archäologischen Untersuchungen, die 600.000 Euro mehr kosten als kalkuliert. Diese erheblichen Zusatzleistungen seien nicht vorhersehbar gewesen, erklärt die Bauverwaltung. Weitere Zusatzkosten seien durch den Kampfmittelräumdienst und für die Projektsteuerung entstanden.

„Archäologische Untersuchungen bei Baumaßnahmen in der Altstadt sind zwingend“, erklärt Ulrich Brock (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses der Bürgerschaft, auf LN-Anfrage. „Wir wollen die Neugestaltung der Beckergrube, also müssen wir diese Kosten hinnehmen.“ Grundsätzlich müsse Lübeck über Regelungen nachdenken, mit denen ein Ausufern der Kosten von archäologischen Untersuchungen begrenzt wird, sagt Ulrich Brock.

Auch Stephan Wisotzki (Grüne) sieht keinen Grund für Vorwürfe an die Verwaltung: „Was im Baugrund vorhanden ist, ist schwer vorherzusagen.“ Belastbare Kostenschätzungen würden die Arbeit der Politik allerdings erleichtern. Beim Tiefbau in Lübeck würden immer wieder archäologische Funde entdeckt, sagt Dan Teschner (FDP). „Wir haben keine Alternative zur Freigabe der Gelder, auch wenn mich die Höhe der Mehrkosten überrascht.“

Bei den Grabungen wurden die historischen Überreste neuzeitlich-mittelalterlicher Häuser und Straßenhorizonte, die während des Zweiten Weltkriegs oberirdisch zerstört wurden, freigelegt. Außerdem wurde ein Pesttaler aus dem frühen 16. Jahrhundert entdeckt. Immerhin: „Die reinen Baukosten entwickeln sich plangemäß“, heißt es in der Vorlage für die Politik, „hier sind derzeit keine Kostensteigerungen zu erwarten.“ Die Bauverwaltung geht weiterhin davon aus, dass die obere Beckergrube im November 2026 fertiggestellt ist. und DOR
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