Mit seinem selbst gebauten Board fuhr er an die Ostsee und surfte los: „Ein richtig cooles Gefühl, zu wissen, dass ich es selbst gebaut habe“, schildert er. „Und dann surfte ich damit auch noch viel besser als mit allen anderen Boards, die ich vorher hatte.“ Das sollte etwas heißen. Denn geboren an der französischen Atlantikküste, aufgewachsen auf Tahiti und am Golf von Mexiko, hat der Wahl-Lübecker das Surfer-Gen in sich.
Kunden hatten großesBei einem Board blieb es nicht. Bonnin baute ein weiteres für einen Freund. Dann kamen die ersten Anfragen, ob man auch eines bei ihm kaufen könne. Auch kein Problem, Bonnin baute weiter. Und immer wieder der Wunsch der Kaufinteressenten, selbst ein Surfboard oder ein Stand-up-Paddleboard (SUP) bauen zu wollen. „Warum eigentlich nicht?“, dachte sich Bonnin. Seit diesem Jahr bietet er nun Workshops zum Selberbauen von Surf- und SUP-Boards in Lübeck an.
Beim allerersten Workshop mit dabei: Lutz Reimann (66), Astrid Leu (52) und Clemens Knaack (61). Sie alle haben den gleichen Traum, den sie sich jetzt verwirklichen: „Ich surfe seit 45 Jahren und wollte mir schon immer ein eigenes SUP aus Holz bauen“, sagt Reimann, der als gelernter Tischler handwerkliches Know-how mitbringt und sich unheimlich freut, dass in Lübeck so ein Workshop angeboten wird.
Board kommt an die„Ich habe durch Zufall von dem Workshop erfahren und mich sofort angemeldet“, sagt Astrid Leu. „Ich möchte schon seit Langem ein Holz-SUP, weil es viel stabiler, nachhaltiger und umweltfreundlicher ist. Und dass ich es jetzt auch noch selbst bauen kann, finde ich genial.“ Sie ist ebenfalls gelernte Tischlerin, aber seit mehr als 20 Jahren als Kommunikationsdesignerin tätig. Sie weiß auch schon ganz genau, wo sie ihr SUP-Board lagern wird: „Auf keinen Fall im Keller. Ich werde es mir an die Wand in meine Wohnung hängen. Das wird toll aussehen.“
Clemens Knaack ist Modedesigner und hat während seines Studiums in Frankreich das Surfen kennen- und lieben gelernt: „Ich mag den Wassersport, besonders als Ausgleich zu meinem Job“, erzählt er. „Dass ich mir nun mein eigenes Board bauen kann, hat für mich einen ganz besonderen Reiz.“ Auch er träumt davon, dass es irgendwann neben seiner Haustür steht und dort dann bestaunt wird. „Mir fehlt allerdings noch das Haus dazu“, sagt Knaack schmunzelnd.
Workshop schweißtDer Workshop umfasst drei Tage mit straffem Programm. Alle Einzelteile stehen und liegen in Bonnins Werkstatt in der Breiten Straße bereit. Vorne im Laden gibt es die bereits gebauten Boards und SUPs zu sehen. Das hilft auch bei der Entscheidung, welches Board mit welchem Design man gerne bauen möchte. Bonnin unterstützt und gibt Tipps: „Fehler können passieren. Und in den meisten Fällen können wir sie wieder korrigieren.“
Wie ein Skelett sehen die Boards am Ende des ersten Tages aus. Am nächsten Tag wird gehobelt und alles in Form gebracht. Schließlich kommen dann Unter- und Oberteil zusammen. „Da muss es dann schnell gehen, damit der Leim nicht hart wird“, erklärt Bonnin. Am dritten Tag bilanziert er: „Teamwork wurde großgeschrieben. Das schweißt zusammen.“
Fertig sind die Boards noch nicht. Zu guter Letzt müssen sie laminiert werden, damit das Holz dauerhaft gegen Feuchtigkeit geschützt ist. Vier Anstriche braucht es. Das kann man allein zu Hause machen oder an vier Abenden bei Rodolphe Bonnin in der Werkstatt. Die drei Teilnehmer wollen auch das gemeinsam machen und träumen schon von ihrer ersten gemeinsamen Ausfahrt: Beim Seven Tower SUP Race in Lübeck am 18. Juli wollen sie sich treffen.
Bretter Marke Eigenbau
sind wettbewerbsfähig
Das Event findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Es gibt ein Long-Distance-Race (9 Kilometer) für Spitzensportler, die mit ihren SUPs zweimal um die Altstadt auf Zeit paddeln, und ein Fun Explore Race für Einsteiger aller Altersklassen (4,5 Kilometer). Bonnin hat 2025 beim Fun Explore Race mit seinem eigenen Board mitgemacht und die Messlatte sehr hoch gelegt. Er belegte den zweiten Platz. „Wir können uns also sehen lassen mit unseren Boards Marke Eigenbau“, sagt der 53-Jährige.
Der nächste Workshop vom 4. bis 6. September ist bereits in Planung. Anmeldungen sind über die Homepage woodys-surfboards.de oder direkt im Shop möglich, noch sind Plätze frei. Die Kosten liegen je nach Länge der Boards bei etwa 800 bis 2000 Euro – Spaß am Selbermachen inklusive.