Im kleineren Rahmen gibt es so ein System in Lübeck längst. Im innerstädtischen Bereich weist ein Parkleitsystem freie Stellflächen aus. Das gilt aber nur für bewirtschaftete Parkflächen, also für kostenpflichtige Parkplätze und Parkhäuser. Die Lübecker Politiker der Bürgerschaftsmehrheit möchten dieses Modell ausbauen: Auch in den Stadtteilen könnten freie Parkplätze ausgewiesen werden – sogar die freien Parkmöglichkeiten im Straßenbereich.
Mit Kameras freie
Parkplätze finden
Wie soll das funktionieren? „Es gibt zwei Möglichkeiten“, erklärt Thorsten Fürter von der FDP. „Bodensensoren, wie es sie in einigen Straßen bereits gibt, um Falschparker zu ermitteln, könnten künftig freie Parkplätze anzeigen.“ Eine weitere Möglichkeit ist laut Fürter der Einsatz von Kameras in den Vorstadtstraßen. So könnten freie Parkplätze ermittelt und digital angezeigt werden, etwa in einer Handy-App.
Das politische Bündnis bezieht sich auf das Eckpunktepapier „Parken“. Im vergangenen Jahr wurde die Stadtverwaltung schon einmal aufgefordert, digitale Möglichkeiten zur Verringerung von Parksuchverkehr und für die Vermittlung privater Parkflächen zu prüfen.
Parkleitsystem in
Lübecker Wohnvierteln?
Das Ergebnis war ernüchternd. „Sollen auch Parkflächen am Fahrbahnrand berücksichtigt werden, ergeben sich Herausforderungen bei der Erfassung und Kommunikation der Belegungsdaten“, erklärte die Verwaltung. Unter anderem sei die korrekte Erfassung von Parklücken deutlich komplexer als die Erkennung von Falschparkern.
Trotzdem soll nun ein neuer Antrag in die Bürgerschaft eingebracht werden. Darin wird die Stadtverwaltung aufgefordert, die technischen Möglichkeiten für ein intelligentes Parkraummanagement zu prüfen – zur Probe zunächst in einem kleineren Bereich. Ebenso sollen Kosten und mögliche Fördermittel dargestellt werden. Auch ein möglicher Umsetzungsplan wird gefordert.
Parken auf
Supermarktplätzen?
Entsprechende Modelle sind in Deutschland noch selten. Im Kölner Stadtteil Nippes lief von 2020 bis 2024 ein entsprechender Versuch. 80 Kameras erfassten dabei rund 800 Parkplätze in einem 50 Hektar großen Gelände. Der Projektbetreiber Rhein-Energie zog gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger eine positive Bilanz. Die Auslastung der Parkplätze habe sich von 85 auf rund 92 Prozent verbessert, erklärte Rhein-Energie. Jährlich hätten so rund 700.000 Kilometer Parksuchfahrten eingespart werden können.
Die Stadt Lübeck versucht indes nach eigenen Angaben, die Anzahl der verfügbaren Parkplätze in den Quartieren zu erhöhen. Dazu würden mit Einzelhandelsbetreibern Gespräche geführt. Sie könnten ihre Parkplätze nach Feierabend für Anwohner freigeben. Bislang gibt es das sogenannte „Feierabendparken“ in Lübeck noch nicht.
Netto und Aldi testen
„Feierabendparken“
Erst im Frühjahr hatte das Unternehmen Netto Markendiscount angekündigt, Filialparkplätze an 150 Standorten für Nachtparker freizugeben. Lübeck gehöre derzeit aber noch nicht zu diesen Standorten, erklärt Netto auf LN-Anfrage. Was simpel und vernünftig klingt, ist nicht unumstritten. Es sei offen, wie hoch die Nachfrage nach solchen Stellplätzen tatsächlich sei, gibt die Hansestadt Lübeck zu bedenken. Denn kostenlos ist das Parken auf den Supermarktflächen nicht. Netto berechnet drei Euro pro Nacht, 16 Euro pro Woche oder 40 Euro im Monat. Dafür können Kfz-Besitzer ihren Wagen dann jeweils von 18 bis 8 Uhr am Supermarkt parken.
Auch Aldi Nord hat einen entsprechenden Versuch gestartet. Seit März testet das Unternehmen an drei Filialen in Bochum das „Feierabendparken“. Eine Nacht kostet zwei Euro, eine Woche acht Euro, ein Monat 20. Aldi Nord betont ausdrücklich, dass es sich bei der Öffnung um einen Testlauf handele. Bei erfolgreichem Verlauf sei aber eine Ausweitung auf weitere Städte geplant.
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