„Trave“ saniert Hochhaus im Märchenviertel
Grundstücksgesellschaft investiert 14 Millionen Euro in Moisling – 2027 sind Wohnungen bezugsfertig.

Das neungeschossige Wohngebäude der „Trave“ stammt aus den 1960er-Jahren. Jetzt wird es von Grund auf modernisiert.Foto: Holger Kröger
Lübeck. Im Moislinger Märchenviertel wird gesägt, gehämmert und gebohrt. Die Grundstücksgesellschaft „Trave“ saniert und modernisiert das Hochhaus am Ende des Rumpelstilzchenwegs. 14,2 Millionen Euro investiert die kommunale Wohnungsbaugesellschaft in 54 zeitgemäße Wohnungen, die ab Frühjahr 2027 bezogen werden können.

Interessenten können sich vorab unter der Internetseite www.trave.de/rumpelstilzchenweg alle Details zu Wohnungsgrößen, Mieten und Kontaktdaten anschauen. Die Lage am Ende einer Sackgasse und neben einem neugestalteten Grünzug seien ebenso Pluspunkte wie Bushaltestellen, Geschäfte, Gesundheitsangebote, Kitas und Schulen in unmittelbarer Nähe. Dank des Bahnhaltepunktes Moisling seien die Wohnungen auch für Pendler attraktiv, sagte „Trave“-Geschäftsführer Matthias Rasch.

18 Wohnungen mit zwei Zimmern und 64 Quadratmeter Wohnfläche sind künftig im Angebot, 27 Wohnungen mit drei Zimmern (63 bis 78 Quadratmeter) sowie neun Wohnungen mit 3,5 Zimmern und 77 Quadratmetern Wohnfläche.

38 von 54 Wohnungen sind öffentlich finanziert, die Mieten betragen 6,80 Euro kalt pro Quadratmeter. 16 Wohnungen sind frei finanziert und kosten 10,50 Euro pro Quadratmeter. Die bisherigen Loggien werden der Wohnfläche zugeschlagen. Das Staffelgeschoss wird abgerissen, es gibt einen Aufzug und neue Balkone. Das neungeschossige Haus erhält eine neue Fassade, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, geheizt wird mit Fernwärme, die zum Teil aus dem Solarthermiepark der Stadtwerke stammt.

Sanierung läuft
seit Ende 2024

Heizen werde dank der energetischen Sanierung drastisch günstiger für die Mieterinnen und Mieter, verspricht „Trave“-Geschäftsführer Rasch. „Der Energieverbrauch für die Beheizung der Wohnungen wird sich von rund 180 Kilowattstunden je Quadratmeter im Jahr auf rund 70 Kilowattstunden reduzieren.“

Ende 2024 startete die „Trave“ die Sanierung und den Umbau. Die Mieterinnen und Mieter waren ausgezogen, viele haben sich eine andere Bleibe gesucht, andere kehren in die sanierten Wohnungen zurück. Parallel ziehen gerade die Mieter des baugleichen Hochhauses im Rotkäppchenweg aus. Einige wechseln in den Rumpelstilzchenweg. Ab Sommer 2027 saniert die „Trave“ das neungeschossige Gebäude im Rotkäppchenweg.

Für Lübecks angespannten Wohnungsmarkt würden diese Vorhaben gerade recht kommen, sagte Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos) jetzt auf der Baufeier mit Richtkranz und Richtspruch. Die Rahmenbedingungen für das Bauen seien derzeit kaum kalkulierbar. Das gelte auch für die Städtebauförderung von Bund und Land. „Wir brauchen dringend eine verlässliche Förderung“, sagte Hagen mit Blick auf die Landesregierung. Moisling hat bislang ordentlich davon profitiert. Zwölf Millionen Euro seien bereits in den Stadtteil geflossen, aber weitere Bauvorhaben seien in Planung. Die Bausenatorin zählte den Neubau von Kita und Familienzentrum, des Stadtteilhauses und eines Stadtteilplatzes auf.

Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), bezeichnete die Modernisierung des Hochhauses als „Leuchtturmprojekt für die Klimaneutralität“. Weg von fossilen Energien – dabei dürfe aber bezahlbarer Wohnraum nicht unter die Räder kommen, mahnte der Verbandsdirektor: „Dann haben wir ganz andere Debatten in diesem Land.“

Pastor Christian Gauer von der Wichern-Gemeinde, zugleich Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins Moisling, erteilte dem Bauvorhaben den Segen der Kirche. In den vergangenen zehn Jahren seien 2000 Menschen aus dem Stadtteil weggezogen, sagte Pastor Gauer. „Und jetzt folgt ein Wunder nach dem anderen.“ Neuer Bahnhof, neue Wohnungen, neue Kita, neue Spielplätze, bald ein Gymnasium – in Moisling tue sich etwas. und DOR
Druckansicht