Pannenfähre: Ein Fall für „Mario Barth deckt auf!“
„Welt ahoi!“ pendelt noch immer nicht – Prominente bringen Steuerverschwendung ans Licht.

Still ruht die Fähre: Die „Welt ahoi!“ liegt nach wie vor an einem Anleger auf der Priwallseite.Fotos: Thomas Krohn
Travemünde. Vor fast genau zwei Jahren wurde die „Welt ahoi!” getauft. Doch nach wie vor pendelt die Fähre nicht regelmäßig zwischen Travemünde und dem Priwall. Zunächst passten die Ladeklappen nicht zu den Anlegern, später gab es unter anderem Probleme mit den Batteriepacks und der Steuerung. Jetzt ist auch der Privatsender RTL auf die Pannenfähre aufmerksam geworden. Ein Fernsehteam drehte für die Show „Mario Barth deckt auf!“ in Travemünde.In der Sendung mit dem Comedian weisen prominente Gäste auf Steuerverschwendungen hin – dabei werden die Verfehlungen dann gerne ins Lächerliche gezogen. Die Hybridfähre hatte es 2024/25 bereits ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler geschafft. Der Schauspieler und Komiker Martin Klempnow („Dennis aus Hürth”) war für das RTL-Team in Travemünde unterwegs und interviewte Bürgerschaftsmitglied Thorsten Fürter (FDP).Stadtwerke lehnen
Interview vor derlaufenden Kamera ab

Der Politiker kritisierte bei RTL, dass eine Fünf-Millionen-Euro-Subvention der Stadt bei Fahrzeugen der Stadtwerke nicht üblich sei. „Man könnte das Geld auch zurückfordern“, sagte er und deutete an, dass in der Politik darüber diskutiert werde. Die FDP-Fraktion im Lübecker Rathaus sprach im vergangenen Jahr von einem „,Welt-ahoi!‘-Debakel“, das Sinnbild für den sorglosen Umgang mit Steuergeldern sei.

Die Stadtwerke Lübeck mobil hätten ein Interview vor der Kamera abgelehnt, sagte ein Redakteur der Produktionsfirma auf LN-Anfrage. Mitgeteilt wurde laut der Produktionsfirma nur das: Ab Mai solle die „Welt ahoi!“ in den Regelbetrieb gehen. Nach Recherchen der TV-Macher soll es auf der Fähre unter anderem Probleme mit dem Brandschutz geben. Wann der Beitrag für die RTL-Show ausgestrahlt werde, stehe noch nicht fest.

Neue Fähre mit
langer Pannenserie

Die Geschichte der Hybridfähre „Welt ahoi!“ ist lang. Am 27. November 2023 traf sie in Travemünde ein. Bei ihrer Taufe am 14. Mai 2024 wurde angekündigt, dass sie wenig später in den Regelbetrieb gehen werde. Doch daraus wurde nichts. Die Ladeklappen passten nicht zu den Anlegern. Bei Probefahrten erwies sich die Steuerung als fehlerhaft, was bei einem Einsatz im November 2024 dazu führte, dass die „Welt ahoi!“ mit der Autofähre „Travemünde“ kollidierte.

Danach gab es immer wieder Versuche, die Fähre im Echtbetrieb einzusetzen, was gelegentlich sogar über mehrere Tage gelang. Doch die „Welt ahoi!“ dümpelte meistens fest vertäut an einem Anleger – entweder auf Travemünder Seite oder am Priwall. Entgegen anderslautender Wahrnehmungen von Priwallbewohnern und anderen Fahrgästen sagt Stadtwerkesprecher Tim Krawczyk: „Die Fähre ‚Welt ahoi!‘ war von Dezember bis Mitte Januar zuverlässig im Einsatz.“

Defektes Bauteil muss
erst angefertigt werden

Aktuell befindet sich die Fähre laut Krawczyk nicht im Betrieb, da ein defektes, brandschutzrelevantes Bauteil aus Sicherheitsgründen den Einsatz verhindere. Das betroffene Teil sei nicht als marktverfügbarer Ersatz erhältlich und müsse auf Bestellung angefertigt werden.

Aufgrund der langen Ersatzteil-Lieferzeiten könne zum jetzigen Zeitpunkt kein konkreter Termin für den erneuten Einsatz der „Welt ahoi!“ genannt werden, sagte der Stadtwerkesprecher. „Die zuvor aufgetretenen Antriebsprobleme, die ursächlich für die massiven Verzögerungen bis November 2025 waren, konnten behoben werden. Parallel zur Reparatur des brandschutzrelevanten Bauteils führt die Werft derzeit weitere Gewährleistungsarbeiten durch.“

Zu Überlegungen in der Politik, die Subvention in Höhe von fünf Millionen Euro von den Stadtwerken zurückzufordern, wollte sich der Sprecher nicht äußern. und TKR
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