Und damit wären wir bei „Ylvas“ zweitem Job: Sie ist ein Wundermittel gegen Lampenfieber. „Mit ihren 14 Jahren ist sie tiefenentspannt“, sagt „Ylvas” Besitzerin, die Theaterpädagogin Katrin Ötting.
Von der Schafhüterin
zur Feel-Good-Mangagerin
Die 48-Jährige hat den Altdeutschen Hütehund vor drei Jahren von einer Schäferin übernommen. „,Ylva‘ hat ihr Leben lang hart gearbeitet. Nun geht es darum, ihr die letzte Zeit möglichst schön zu machen“, sagt Ötting. Gemächlich tapst der schwarze Hund durchs Theater und legt hin und wieder eine Pause ein, um sich von dem einem oder anderen der insgesamt 300 Mitarbeitenden des Lübecker Theaters kraulen zu lassen.
Und „Ylva“ weiß genau: Die Bühnen in den Kammerspielen und im Großen Haus sowie die Zuschauerbereiche sind für Hunde tabu. Umso wohler fühlt sie sich auf den Probebühnen, auf denen Katrin Ötting im Rahmen von „Jung plus X” viel mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. Dann ist „Ylva“ mittendrin, lässt sich von der Energie der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler anstecken „und benimmt sich zwischendurch wieder wie ein junger Hund“, sagt Ötting lächelnd.
Durch ihre sanfte Art hat „Ylva“ ein schauspielbegeistertes Mädchen von seiner Angst vor Hunden befreit, berichtet Ötting. „Die damals Achtjährige ist beim Anblick des großen Hundes in Tränen ausgebrochen und wollte nicht mehr an dem Workshop teilnehmen.“
Angst-Therapeutin
mit Kuschel-Fell
Die Theaterpädagogin versprach, „Ylva“ die ganze Zeit an der Leine zu halten. Das Mädchen blieb und in Minischritten näherten sich Hund und Kind im Lauf der Zeit an. Das Mädchen hat nun keine Angst mehr vor Hunden, ist seit Jahren am Theater aktiv und „Ylva“ und sie „sind dicke Freunde geworden“.Fast wäre „Ylva“ selbst unter die Schauspieler gegangen. Vor drei Jahren wollten die jugendlichen Akteure, dass die Hündin in das Stück „Gender“ integriert wird. Das Bühnenbild war weiß und alle Schauspieler schwarz gekleidet – da passte der schwarze Hund gut rein. Katrin Ötting war zunächst skeptisch, ließ sich dann aber überreden und holte die notwendige Genehmigung der Amtstierärztin ein.
Die Bühnenbildner bauten vorsorglich einen Zaun als Abgrenzung zum Publikum, damit „Ylva“ nicht in den Zuschauerbereich gelangen konnte. Doch diese Idee ging nicht auf. „Bei der ersten Hauptprobe ist ‚Ylva‘ dreimal über den Zaun gesprungen“, erinnert sich Ötting. Und so endete die Schauspielkarriere der Hündin, bevor sie richtig begonnen hatte. So bleibt „Ylva“ mehr Zeit für ihre wichtige Arbeit hinter den Kulissen. Wo immer sie sich hinlegt, ist stets jemand zur Stelle, der sie bekuschelt und etwas von ihrer Ruhe auf sich abstrahlen lässt.
Wenn Katrin Ötting im Büro zu tun hat, „kommen immer wieder Kollegen und Kolleginnen rein, die eigentlich gar nicht zu mir wollen, sondern nur vorbeischauen, um ‚Ylva‘ zu kraulen“.
Techniker Thorsten Zietsch ist überzeugt: „Jedes Theater braucht einen ordentlichen Theater-Hund.“