In den Anfängen spielte auch der Priwall eine wichtige Rolle. Auf der Halbinsel entstand 1927 der größte kombinierte Land- und Wasserflughafen Deutschlands mit innerdeutschen Flugverbindungen und skandinavischen Zielen. Er wurde auch von der Lufthansa genutzt.
Linie von Travemünde über
Kiel und Flensburg nach Sylt
Der gebürtige Travemünder Rolf Fechner (79) ist Heimatforscher und Chronist. Er hat sich in seinem Buch „Luftfahrt auf dem Priwall und Pötenitz“ ausführlich mit der Geschichte des Flughafens auf dem Priwall beschäftigt. Auf der Halbinsel wurde am 15. November 1927 ein Land- und Wasserflughafen eröffnet. Von dort starteten Flugzeuge der Bäderlinie von Travemünde nach Westerland (Sylt) über Kiel und Flensburg. Später erfolgten weitere innerdeutsche Verbindungen und ab 1928 Ziele in Skandinavien wie Oslo, Göteborg und Stockholm, die mit Wasserflugzeugen angeflogen wurden.
Einige Jahre zuvor, im Sommer 1921, wurde die Flugverbindung Travemünde – Warnemünde – Sassnitz aufgenommen. Betreiber der Linie waren die Deutsche Luftreederei (DLR) und Lloyd Luftverkehr Sablatnig. 1923 entstand durch den Zusammenschluss von 17 Luftfahrtunternehmen die Deutsche Aero-Lloyd AG.
Daneben existierte als bedeutender Konkurrent die Junker-Luftverkehr AG aus Dessau. 1926 fusionierten beide Unternehmen und nannten sich fortan Deutsche Luft Hansa AG. Erst ab 1934 wurde Lufthansa in einem Wort geschrieben. Die Farbkombination Blau-Gelb wurde von den Junkerswerken übernommen, der Kranich von der DLR. Beide sind heute noch das Markenzeichen beziehungsweise das Logo der Lufthansa.
Das erste Abfertigungs-
gebäude war ein Holzhaus
Am 6. April 1926, drei Monate nach ihrem Gründungsdatum, nahm die Lufthansa die Flugverbindung Berlin – Travemünde (Priwall) – Kopenhagen – Malmö auf. Das erste Abfertigungsgebäude auf dem Priwall war ein Holzbau. Er wurde 1926 eingeweiht. Auf einem historischen Foto ist ein Aufsteller mit dem Kranich zu sehen. 1931 wurde ein Ziegelbau mit einer Aussichtsplattform errichtet. In dem Gebäude befanden sich außer einem Restaurant eine Zollstation, eine Wechselstube und eine Post. Passagiere, die vom Priwall fliegen wollten, wurden mit einem Flughafenbus der 1871 gegründeten Brennabor-Werke vom Lübecker Hauptbahnhof nach Travemünde gebracht. Über die Bezahlung des Shuttlebusses soll, so schreibt Rolf Fechner, mehrfach gestritten worden sein. Die Luft Hansa wollte die Kosten nicht allein tragen.
1928 wurde auf dem Priwall eine riesige Flugzeughalle, entworfen von dem Hamburger Architekten Fritz Schumacher, fertiggestellt. Mit ihren Maßen von 60 mal 60 Metern und einer Torhöhe von zwölf Metern konnte sie sogar das weltweit größte Flugboot, die Dornier Do X, aufnehmen, alternativ bis zu vier Flugboote von kleinerer Größe.
Zu den Großereignissen der zivilen Luftfahrt in Travemünde gehörte die Landung des Luftschiffs „Graf Zeppelin“ am 14. Mai 1931 auf dem Priwall. Eine riesige Menschenmenge bestaunte damals die Ankunft des 200 Meter langen Flugobjekts. Tausende Schaulustige zogen auch die beiden Landungen der Do X im Jahr 1932 an. 1934 wurde die zivile Luftfahrt auf dem Priwall eingestellt. Die Nationalsozialisten nutzten den Flugplatz fortan für militärische Zwecke.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Flughafengebiet noch bis Anfang 1990 für Zivilisten vollkommen unzugänglich. Auf dem gesprengten Areal hatte sich mittlerweile eine umfangreiche Vegetation entwickelt. Im Januar 2000 wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt. Heute sind Reste von Betonteilen, die einst zur Landebahn gehörten, stumme Zeugen der Luftfahrtvergangenheit des Priwalls.