Der französische Germanist Louis Leibrich (1902-1983), der zunächst Gymnasiallehrer, später Professor an der Sorbonne war, galt als Thomas Mann-Enthusiast und hat zwei französische Biografien über Thomas Mann und Essays über dessen Werk geschrieben. Für seine Arbeiten zu Thomas Mann hat er Kontakt mit dem Autor aufgenommen und ihm in Briefen zahlreiche Fragen gestellt. Thomas Mann und später seine Ehefrau Katia haben diese Fragen beantwortet und damit die Entstehung der Biografien unterstützt. Thomas Mann sah in Louis Leibrich einen Fürsprecher für sich in Frankreich.
Die Briefe von Thomas und Katia Mann sind direkt an Louis Leibrich gerichtet. Von den 27 Briefen Thomas Manns sind elf handschriftlich, 16 mit der Maschine geschrieben. Inhaltlich geht es in den Briefen um die Beantwortung von Fragen von Leibrich an Thomas Mann zu seinem Werk. Von Bedeutung ist ein längerer Brief vom 16. März 1952, in welchem Thomas Mann über die „Betrachtungen eines Unpolitischen“ schreibt, das er als „Werk seelischer Not und ehrlich-mühsamer Selbsterforschung“ beschreibt, die seiner Meinung nach für die Entstehung des „Zauberbergs“ vonnöten war. Nebenbei enthalten diese Briefe auch Informationen über die räumliche Situation (Umzüge), Sprachkenntnisse, Reisen, Krankheiten und die Arbeit am aktuellen Werk („Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“) des Literaturnobelpreisträgers.
Der erste Brief von Thomas Mann ist vom 12. Juni 1930, der letzte vom 23. Juni 1955. Der Großteil der Korrespondenz stammt aus der Nachkriegszeit aus den Jahren 1946 bis 1955 und belegt einen regelmäßigen Austausch in dieser Zeit. Die 23 Briefe von Katia Mann an Leibrich stammen aus den Jahren 1955 bis 1975 und beinhalten vornehmlich Freigaben von Textstellen und Bildern sowie Korrekturen von faktischen Fehlern in Thomas Manns biografischen Daten. Fünf Briefe schließlich stammen aus der Feder von Thomas Manns Tochter Erika aus den Jahren 1963 bis 1968.
Der Briefwechsel zwischen Thomas Mann, Katia Mann und Louis Leibrich ist ein Beispiel für einen interkulturellen Austausch zwischen Literaturwissenschaft und Schriftstellern auf internationaler Ebene. Durch den Erhalt zahlreicher Gegenbriefe kann die Korrespondenz zwischen dem französischen Germanisten und Thomas Mann sehr gut dokumentiert werden. Die Dokumente können künftig im Archiv des Buddenbrookhauses eingesehen werden.