Ei, Ei, Ei: Ringstedtenhof vergibt Hühner-Patenschaften
Solidarische Landwirtschaft erweitert ihr Angebot – Tiere stammen aus ökologischer Zucht.

Auf dem Ringstedtenhof holt Züchterin Christine Bremer (48) die neuen Hühner aus den Transportboxen. Kinder helfen beim Tragen.Fotos: Lutz Roeßler
Lübeck. Christine Bremer (48) steht auf einer umzäunten Grünfläche des Ringstedtenhofes. Die Hühnerzüchterin aus dem niedersächsischen Kölau hat 218 Hennen und vier Hähne mitgebracht. Gerade werden die Hühner ausgeladen und bekommen auf dem Hof ein neues mobiles Zuhause. Wer möchte, kann eine Hühner-Patenschaft übernehmen und bekommt dafür regelmäßig Eier, Führungen und vielleicht auch Freude am Federvieh.

Vorsichtig öffnet die Züchterin eine orangefarbene Box und nimmt das erste Huhn heraus. Ein Geräuschemix aus ruhigem „Brg-brrrrg“, empörtem „Gack-gaaack” und auch mal einem „Kikeriki“ erfüllt die Luft. Der Boden ist matschig, die Luft kühl und die Züchterin glücklich. Sie ist ein wahrer Hühner-Fan und schwärmt für ihre Tiere.

Besondere Hühner und

ihre Eigenschaften

„Also meine Lieblingshühner, das sind hier auf jeden Fall die Caramel“, verrät sie und hält ein Huhn mit cremefarbenem Gefieder in die Luft. „So süß“, sagt sie, und das Huhn macht wie zur Bestätigung leise „Brrr“. Die Hennen und Hähne stammen aus einer ökologischen Tierzucht (ÖTZ) – ebenso wie die anderen Rassen Cream, Coffee und Grünleger.

„Caramel-Hühner haben als Eltern eine vom Aussterben bedrohte und eine moderne Rasse“, erklärt die Züchterin. „Das Huhn sieht auch lustig aus mit diesem Bart und hat einfach so einen netten, freundlichen Charakter.“ Außerdem lassen sich die Hennen laut Bremer gerne fangen und sogar streicheln. „Die sind immer dabei und machen auch eine gute Arbeit: Sie legen 260 Eier im Jahr – schöne Ei-Größen, schöne Schalen.“

Nun muss es aber weitergehen. Professionell und zugleich liebevoll nimmt die Züchterin Tiere mit weißem, schwarzem und cremefarbenem Federkleid aus der Transportbox und reicht sie an Johannes Burka (39) weiter.

Der Betriebsleiter der Ringstedtenhof-Genossenschaft sagt lächelnd „Willkommen“ zum Huhn und setzt es in den neuen mobilen Stall.

Zweinutzungshühner:

Weniger Eier, mehr Tierwohl

„Alle unsere Hühner sind Zweinutzungshühner“, erklärt er, „das heißt, sie sind robuste Rassen, bei denen die Hennen für die Eierproduktion und die Hähne für die Fleischproduktion gezüchtet werden. Damit vermeidet man das Kükentöten der männlichen Tiere.“

Die Zweinutzungshühner wachsen zwar langsamer als die spezialisierten Hochleistungsrassen und legen weniger Eier, aber das Tierwohl steht mehr im Fokus und sie sind weniger krankheitsanfällig, so der Betriebsleiter.

Auf dem Ringstedtenhof sollen die Hühner das Angebot der solidarischen Landwirtschaft (Solawi) erweitern. Solawi bedeutet: Die Mitglieder bezahlen einen Jahresbeitrag, finanzieren damit die Kosten der Gärtnerei und erhalten im Gegenzug wöchentlich einen Teil der Ernte: frisches, saisonales Gemüse aus ökologischer Landwirtschaft.

Der Ernteanteil kann jeden Freitag von 12 bis 20 Uhr sowie Samstag von 8 bis 12 Uhr auf dem Ringstedtenhof abgeholt werden. Es gibt kleine Anteile (65 Euro/pro Monat) und große Anteile (105 Euro) – und nun auch eine Hühner-Patenschaft.

Das Hühner-Abo können die Mitglieder zu ihrem Ernteanteil dazubuchen. Der Preis steht nicht genau fest, er wird zwischen 18 und 28 Euro pro Monat liegen. Dafür gibt es sechs oder zehn Eier pro Woche und einmal im Jahr ein Suppenhuhn.

Inzwischen sind die Hühner fast alle im Stall. Die Hähne sind übrigens „nur“ für die gute Stimmung zuständig, es sollen keine neuen Hühner gezüchtet werden. „Die Hühner fühlen sich sicherer, wenn ein Hahn in ihrer Nähe ist“, erklärt Johannes Burka, „und so sind alle entspannter.“ und KÜ

Druckansicht