Neues Leben in alten Mauern: Transformation der Wallhalbinsel startet
Was in den Hafenschuppen bis 2028 geplant ist – Ein Rundgang mit Projekt-Sprecher Jörg Sellerbeck.

(li) Von den Media Docks aus gesehen fällt der Blick auf Schuppen B. (re) Wie in dieser Simulationsgrafik gezeigt, sollen im Schuppen B auf der Nördlichen Wallhalbinsel rund 33 Wohnungen entstehen.Foto: Lutz Roeßler (1), privat (1)
Lübeck. Der Anfang ist gemacht. Die Erleichterung, dass es hier auf der Nördlichen Wallhalbinsel endlich losgegangen ist, ist Jörg Sellerbeck anzusehen. „Eigentlich wollten wir schon im Mai 2025 mit dem Abbruch der beiden Blechhallen beginnen, die zwischen den Schuppen standen“, berichtet der Sprecher der „Projektgruppe Initiative Hafenschuppen“, kurz PIH. Dann habe es im Rahmen des Genehmigungsverfahrens geheißen, man müsste bis zum Winter warten.

Er steht draußen an der Balustrade, zweiter Stock Media Docks, und schaut auf das gegenüberliegende, vollendete Werk des Lübecker Abbruchunternehmens. Zu seiner Linken Schuppen A, dann folgen B und C; außer Sichtweite sind D und F (Schuppen E wurde bereits 2010 abgerissen). Die historischen Gebäude sind Teil der einst modernsten Hafenanlagen der Industrialisierungszeit, mit deren Bau Ende des 19. Jahrhunderts begonnen worden war. Im Jahr 1996 endete dann diese Nutzung.

Freie Bahn für die Geschichte: Der Abriss ist beendet

„Die Hafenanlagen sollen auf jeden Fall erhalten bleiben“, sagt Sellerbeck, „denn sie legen Zeugnis ab vom Übergang einer mittelalterlichen Stadt zu einer modernen Hafenstadt.“ Auch die noch vorhandenen Gleise der ehemaligen Hafenbahn genießen Bestandsschutz. „Wir beabsichtigen, über das Gelände verteilt Eisenbahnwaggons aufzustellen, um dieses Flair noch zu unterstreichen“, erklärt der frühere Sprecher der „Bürgerinitiative rettet Lübeck“. Auch das historische Pflaster soll erhalten und teils neu verlegt werden.

Dann widmet er sich konkret der Transformation von Schuppen A. Ursprünglich hatte die Deutsche Rockmusikstiftung hier Pläne, zog sich jedoch zurück. Aus dem Gebäude werde nun ein „Wohnschuppen“. Landseitig sind 63, maximal 25 Quadratmeter große Studierendenapartments geplant. Um die erschwinglichen Mieten quersubventionieren zu können, wird es zur Wasserseite hin größere Eigentums- und Mietwohnungen geben. Die Baugenehmigung liege vor, aber der Starttermin sei noch ungewiss, da noch Fördermöglichkeiten des sozialen Wohnungsbaus ausgelotet würden.

Für Schuppen B, vis-à-vis der Media Docks, kündigt er den Beginn der Baustelleneinrichtung bereits für den nächsten Monat an. Hier will eine Baugemeinschaft ihren Traum vom Wohnen im Denkmal verwirklichen. Rund 33 Wohnungen sind projektiert. Hierfür seien die gemauerten Giebelscheiben der Schuppen befreit worden von den angrenzenden Zwischenhallen. Die Ecktürmchen, von denen nur noch beim Schuppen C in der Nordostecke eins erhalten ist, sollen rekonstruiert werden.

Sport statt Kunst
im Schuppen C

Dann kommt Sellerbeck auf den benachbarten Schuppen C, einst langjährige Heimat von „Kunst am Kai“, zu sprechen. „Auch wenn ich persönlich die kulturelle Nutzung sehr geschätzt habe, bietet ein derzeit entwickeltes Konzept spannende Impulse“, meint er. So seien eine Sportstätte für die neue Trendsportart Padel-Tennis, einer Mischung aus Tennis und Squash, sowie eine Boulder-Wand im Gespräch.

Bliebe noch der schon belebte Schuppen D – dieser solle auf jeden Fall der „Kreativschuppen“ bleiben. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz plant in der nördlichen Hälfte auch Wohnraum für die Jugendbauhütte, die hier die bereits gemeinschaftlich mit der Gesellschaft Weltkulturgut genutzte Werkstatt unterhält. Um dies konkret zu gestalten, findet im März ein Seminar mit der TH Lübeck statt.

Der Schuppen F wiederum wird einen Mix aus Gewerbe erhalten. „Und im mittleren Teil des Gebäudes auch Wohnen, der aufgrund eines Lichtgadens (vereinfacht: „Fensterband“) hier teils zweigeschossig ausgebaut werden kann“, so Sellerbeck. Die Sanierung soll im ersten Quartal 2028 abgeschlossen sein.

Damit das Leben in dem Quartier pulsieren kann, muss auch die Infrastruktur erneuert werden. „So werden mit steigenden Temperaturen die Erschließungsarbeiten starten. Für die Entsorgungsbetriebe werden Leitungen unter dem Wallhafen gedükert, um das Schmutzwasser abzuleiten. Gleichzeitig erfolgt der Anschluss an das Fernwärmenetz. Ziel ist es, den Kanal- und Straßenbau bis Ende 2027 fertigzustellen“, so Sellerbeck. Die Planungen für das „Pier 3-Hotel“, das im Sommer 2028 fertig sein soll, und für das neue Verwaltungsgebäude der Sparkasse zu Lübeck laufen auf Hochtouren.

Der Saisonbetrieb des Strandsalons an der Nordspitze wird verstetigt. Ein Erbpachtvertrag über 40 Jahre und die Möglichkeit, die bisher provisorischen Bauten durch feste Neubauten zu ersetzen, sichern diesen Ort der Freizeitgestaltung langfristig. und MHO

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