Rundgang durch ehemaliges Kaufhaus: So sieht es bei Karstadt aus
Früheres Übergangshaus wird umgebaut – Provisorische Brandmauer entsteht – Fertigstellung 2028 geplant.

Beim Rundgang durch das ehemalige Karstadt-Gebäude: Die Rolltreppen ins erste Obergeschoss wurden beim Einzug des Übergangshauses bunt gefärbt.Fotos: Lutz Roeßler
Lübeck. Ein dünner Vorhang versteckt die Baustelle. Auf der einen Seite des Vorhangs ist der Trubel des DM-Marktes im Untergeschoss des ehemaligen Karstadt-Hauses A zu hören. Auf der anderen Seite des Vorhangs ziehen Handwerker in Haus B eine Trockenbauwand hoch. „Das wird eine provisorische Brandmauer“, sagt Lina Langhammer.

Die Planerin arbeitet bei ppp Architekten, dem Architekturbüro, das für die Hansestadt Lübeck das ehemalige Kaufhaus in ein Bildungshaus umgeplant hat. Nun betreut Langhammer den Umbau. Die ersten Bauarbeiten dafür haben begonnen.

Das Provisorium ist eine Notwendigkeit. „Die Brandmauer ist die Voraussetzung, dass wir die Gebäude A und B technisch trennen können“, erklärt Christina Friedrich, Projektleiterin der Abteilung Gebäudemanagement der Hansestadt, bei einem Rundgang durch das Gebäude. Sie betreut den Umbau seitens der Stadt.

Erst wenn die Strom- und Wasserleitungen der beiden Häuser unabhängig funktionieren, können Umbau und Teilabriss richtig starten. Die Vorbereitung dafür ist die Absicherung, dass kein Feuer von einem Gebäude über die unterirdische Verbindung auf das andere übergreifen kann.

Genau daran arbeitet Trockenbauer Sascha Schmied von der Firma LGS. „Ich dichte die Trockenbauwand ab. So kann für 90 Minuten kein Rauch oder Feuer durchziehen“, sagt er und verspachtelt die Wand. Ein Stück weiter montieren seine Kollegen derweil neue Platten.

In den Obergeschossen
herrschen Leere und Stille

Im Untergeschoss von Haus B ist einiges los. Doch nur ein Stockwerk höher ist keine Menschenseele anzutreffen. Christina Friedrich führt ins Erdgeschoss. Bis vor ein paar Wochen diente die Fläche als Übergangshaus, nachdem das Kaufhaus ausgezogen war. Aktionen und Projekte füllten Erdgeschoss und Obergeschoss mit Leben.Doch Mitte Februar ist der große Raum komplett leer. Alle Möbel sind verschwunden.

Diese lagern im Obergeschoss zwei. Eng zusammengeschoben stehen dort Sofas, Stühle, Regale, Trennwände, Pflanzen, Kleiderständer, Kühlschränke, Mikrowellen und Geschirr. „Das alles gehört zum Inventar des Übergangshauses“, sagt Christina Friedrich. Es wurde mit Fördermitteln von Land und Bund angeschafft.

Jetzt muss erst einmal geklärt werden, was genau damit passieren soll. Ein Teil wird wohl in die städtischen Abteilungen gebracht. Im Sinne der Nachhaltigkeit sollen die Möbel und Gegenstände weiter genutzt werden.

Das nächste Stockwerk, Obergeschoss drei, ist dagegen wieder komplett leer. Dort konnten Besucher des Kaufhauses und des Übergangshauses nie hin. Dort befanden sich die Technikzentrale, Lagerräume und Verwaltungsbüros. Bis vor wenigen Wochen lagerten dort noch letzte unverkaufte Waren. Diese sind nun in die Ukraine geliefert worden.

Christina Friedrich zeigt auf die Wände und die kleine umlaufende Terrasse. Das alles wird verschwinden. „Dieser Betonaufsatz wird abgerissen. Er lässt sich nicht umnutzen. Dafür wird ein zweistöckiger Holzbau aufgesetzt“, erklärt sie. In diesen oberen Stockwerken sollen Räume für die Schulen Johanneum, Katharineum, Ernestinenschule und die Oberschule zum Dom entstehen. Aber auch andere Institutionen sollen die Möglichkeit haben, dort Räume zu erhalten.

Umbau soll 2028
abgeschlossen sein

Überhaupt wird das ehemalige Kaufhaus komplett modernisiert. Ein riesiger Lichthof soll für viel natürliches Licht sorgen. Architektin Lina Langhammer zeigt im ersten Obergeschoss, wo dafür der Boden durch alle Geschosse ausgeschnitten wird.

Aufgeklebtes Kreppband zeigt, wo das Atrium sein wird. „Hier, wo ich stehe, wird kein Boden mehr sein“, sagt Langhammer. Für die Planerin ist der Umbau eines so großen Gebäudes höchst spannend und eine große Herausforderung. „In einem so großen Bestandsgebäude kann man sich richtig austoben“, sagt sie. Wenn alles nach Plan läuft, soll der Umbau 2028 abgeschlossen sein. und KST
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