In seiner Sitzung am 16. Februar will der Bauausschuss eine Entscheidung treffen, die der Hauptausschuss dann in der Folgewoche bestätigen muss. Wie sie ausfallen wird, steht in den Sternen. Die Politikerinnen und Politiker sind ein wenig ratlos, in welche Richtung es gehen soll. Zehn mögliche Varianten liegen auf dem Tisch, davon allein sieben für Kreisverkehre. „Und überall gibt es Haken“, brachte es Arne-Matz Ramcke (Grüne) auf den Punkt.
Mühlentorteller ist seit Jahren Unfallschwerpunkt
Der Mühlentorteller gilt seit Jahren als Unfallschwerpunkt. Die provisorische Umgestaltung, die die Zahl der Fahrspuren reduziert hat, brachte laut Stadt noch keinen Durchbruch bei der Sicherheit. Die Verkehrsexperten der Lübecker Stadtverwaltung haben eine klare Präferenz. Sie wollen den Kreisverkehr durch eine Ampelkreuzung ersetzen.
Bei dieser Lösung sei die Zahl der Konfliktpunkte, bei denen es zu Unfällen kommen könnte, am geringsten, erläuterte Verkehrsexperte Dirk Dreilich den Ausschussmitgliedern. Bei einer Kreuzung gebe es fünf solcher Punkte. Nur einer führe zu einem Konflikt Kfz/Fahrrad, vier Konflikte ergäben sich aus möglichen Begegnungen von Radfahrern untereinander. Ein Kreisverkehr hätte 14 Konfliktpunkte, davon neun zwischen Kfz und Rad. „Jeder Konfliktpunkt weniger bringt uns deutlich weiter“, verdeutlichte Dirk Dreilich.
Für eine mögliche Kreuzung hat die Stadt zwei Varianten entwickelt – eine schlankere und eine mit jeweils einer zusätzlichen Fahrspur in der Kronsforder Allee und der Hüxtertorallee. Für diese Variante müssten allerdings 16 Bäume gefällt werden.
Viele Möglichkeiten
für einen Kreisverkehr
Mit einer Kreuzung fremdelten die Politiker in den bisherigen Debatten, weil sie eine geringere Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes befürchten. Im vergangenen Sommer haben sie die Verwaltung deshalb beauftragt, sich noch eingehender mit Lösungen für Kreisverkehre zu beschäftigen.
Die Stadtverwaltung präsentierte nun sieben Möglichkeiten: mit Ampeln, ohne Ampeln, mit separatem Radverkehr, mit Rad- und Autoverkehr gemeinsam auf der Fahrbahn. Einige Vorschläge scheiden wegen des hohen Verkehrsaufkommens von 25.000 Kraftfahrzeugen pro Tag aus. Andere würden lange Wartezeiten für Autofahrer bedeuten. Und wieder andere wären so unattraktiv für Radfahrer, dass die Stadt befürchtet, dass sie keine Akzeptanz finden würden.
„Am einfachsten umsetzbar erscheint mir die Variante mit dem Mischverkehr. Das klappt in der Roeckstraße doch gut“, sagte Ulrich Brock (CDU). Dafür sei am Mühlentorteller zu viel Verkehr, antwortete eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. „Das ist dort nicht abzuwickeln.“
„Lässt sich die Doppeldecker-Variante nicht vielleicht doch hinbekommen?“, wollte Arne-Matz Ramcke wissen. Dabei geht es um ein Brückenbauwerk, das Auto- und Radverkehr auf getrennten Ebenen führt. Diesen Vorschlag hatte die Stadtverwaltung im vergangenen Frühjahr auf den Tisch gelegt – aber gleich wieder verworfen. „Der Platz reicht dafür nicht“, sagte Dirk Dreilich. „Sie müssten Radinfrastruktur dann doppelt vorhalten“, sagte Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos). „Einmal auf der erhöhten Ebene, aber auch noch einmal unten, weil Sie nicht überall von der Rampe herunterkommen.“
Ulrich Brock wollte wissen, wie effizient die Kreuzungsvariante mit zusätzlichen Spuren wäre. Sie würde beim Autoverkehr die Qualitätsstufe D erreichen, erläuterte die Mitarbeiterin, wobei A die beste und F die schlechteste Stufe ist. Berechnet auf Zahlen von 2024 würde aber auch die kleinere Kreuzungsvariante ein D bekommen, sagte die Expertin. Diese würde ausreichen, zumal die höchste Verkehrsbelastung ohnehin nur an eineinhalb Stunden pro Tag auftrete.
Lübecker Politiker noch
unentschlossen
„Ich tue mich schwer, mich für eine der Varianten zu entscheiden“, räumte Arne-Matz Ramcke ein. „Es ist keine leichte Aufgabe, die uns gestellt wird“, sagte Ulrich Brock. Die SPD signalisierte Beschlussfähigkeit – ohne zu verraten, in welche Richtung sie tendiert. Die CDU hatte noch Beratungsbedarf. Das Thema wird nun in der kommenden Sitzung erneut aufgerufen. „Es wird eine Entscheidung geben“, sagte Ulrich Brock.
Wenn diese steht, wird sich die Stadt an die konkrete Planung machen. Zudem werden die Versorger informiert, die dann ebenfalls am Mühlentorplatz tätig werden müssen.
Der dortige Kreisel hatte viele Jahre lang zwei Fahrspuren für den Kfz-Verkehr. Diese Lösung entsprach jedoch nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr hatte die Stadt deswegen aufgefordert, den Platz umzugestalten.