Schwimmen in Lübeck wird teurer
Ab März steigen Eintrittspreise um 36 Prozent – Auch Schulen müssen mehr zahlen.

Blick ins Sportbad Ziegelstraße: Die Preise in den Lübecker Bädern steigen ab März.Foto: Agentur 54°
Lübeck. Mit großer Mehrheit hat die Bürgerschaft jüngst der Erhöhung der Schwimmbadpreise in Lübeck zugestimmt. 40 Politikerinnen und Politiker votierten dafür, drei dagegen.

Ab 1. März steigen die Eintrittspreise für Erwachsene von 4,40 auf 6 Euro. Kinder zahlen künftig 3 statt 2,20 Euro. Das entspricht jeweils einem Anstieg von 36 Prozent. Ursprünglich hatten die Schwimmbäder mit deutlich höheren Preisen kalkuliert. Eine geplante Erhöhung um 59 Prozent war aber auf breiten Widerstand in der Politik gestoßen und abgelehnt worden.

„Ohne Erhöhung der Eintrittspreise müssten wir Bäder schließen“, sagte Mandy Siegenbrink, Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen. Sie lobte die Verwaltung für die Erarbeitung der neuen Preise und begrüßte zudem, dass die Preise künftig alle zwei Jahre gemäß der Inflation erhöht werden sollen. Damit sollen große Preissprünge wie jetzt vermieden werden. Der Eintritt war zuletzt 2017 angehoben worden.

Juleka Schulte-Ostermann (GAL) kritisierte die aus ihrer Sicht unzureichende Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. „Die Beteiligung ist eine gesetzliche Pflicht.“ Sie sprach sogar davon, die Kommunalaufsicht einschalten zu wollen und forderte, das Thema zu vertagen und die Beteiligung nachzuholen.

Online-Petition gegen

höhere Eintrittspreise

„Sie malen ein Schreckgespenst an die Wand, das es so gar nicht gibt“, erklärte Gregor Voht (Freie Wähler). Er findet, dass der erste Entwurf sinnvoll abgemildert worden sei. „Ich sehe es auch so, dass es eine Beteiligung hätte geben müssen“, sagte hingegen Judith Balke (Grüne). Sie sprach sich jedoch dagegen aus, den Prozess zu verzögern. Balke: „Dies ist ein perfektes Beispiel dafür, warum wir den beschlossenen Kinder- und Jugendbeirat brauchen.“

Knapp 600 Unterschriften innerhalb von einer Woche hat die Lübeckerin Kerstin Herrnkind mit einer Online-Petition gegen die Preiserhöhung eingesammelt. Entsprechend unzufrieden ist die Initiatorin mit dem Votum der Bürgerschaft. „Selbst wenn bestimmte Gruppen, etwa Familien mit Kindern, Rabatte bekommen, bleibt der Schwimmbadbesuch für viele Menschen unerschwinglich“, sagt Kerstin Herrnkind.

Die Lübeckerin denkt dabei an jene, die offiziell als Normalverdiener gelten, aber jeden Euro zweimal umdrehen müssen, um über die Runden zu kommen. „Diese Menschen hat die Politik nicht auf dem Schirm. Sie fallen durch jedes Raster, weil man an der Kasse schlecht die Steuererklärung vorzeigen kann.“ Sie kann sich nicht vorstellen, dass angesichts der höheren Eintrittspreise mehr Menschen schwimmen gehen werden.

Nutzung für Schulen

wird teurer

Mehr Besucher sind jedoch das Ziel des neuen Werkleiters der Lübecker Schwimmbäder, Andy Fröhler. Durch höhere Wassertemperaturen in den Kleinkindbereichen sollen mehr Familien angelockt werden. Zudem soll ein Ausbau des Kursprogramms Besucher bringen.

Parallel zur Preiserhöhung für die Allgemeinheit hat die Bürgerschaft auch die Preise für das Schulschwimmen angehoben. Die Nutzung der Bahnen und Becken durch die Schulen wird zum 1. März deutlich teurer. Für eine Stunde im 50-Meter-Becken werden pro Bahn 108 statt wie bisher 28 Euro fällig.

Seit 2010 wurden die Bahnmieten für das Schulschwimmen in den Schwimmbädern nicht angepasst. In dieser Zeit sind die Aufwendungen für Energie und Personal nach Angaben der Verwaltung deutlich gestiegen.

Für die Kosten kommt allerdings in jedem Fall die Stadt auf. Bisher wurden sie über höhere Defizite bei den Schwimmbädern verbucht. Künftig fallen sie ins Budget des städtischen Bereichs Schule und Sport. Dadurch sinkt das Defizit der Schwimmbäder. und DOR
Druckansicht