Neu in der Stadt: Jetzt können Lkw
auch in Lübeck Wasserstoff tanken
Hamburger Firma MB Energy betreibt die Zapfstelle im Gewerbegebiet Roggenhorst.

Eröffnung der ersten Wasserstofftankstelle in Lübeck (v.li.): Stefan Rehm, Philipp Kroepels, Jan Lindenau, Annet van der Laan und Till Homringhausen schnitten das Band durch.
Lübeck. Premiere gelungen: Till Homrighausen, Vertriebsleiter der Firma Hylane, setzt das schwere Fahrzeug vor die Tankstelle, steckt einen Schlauch ins Fahrzeug, zahlt und beginnt den Tankvorgang. Was ist daran so besonders? In Lübeck wurde am Donnerstagmittag der vergangenen Woche in der Spenglerstraße im Gewerbegebiet Roggenhorst der erste Lkw an einer Wasserstofftankstelle beladen.

31 Kilogramm kann das Hylane-Fahrzeug aufnehmen. Reichweite 400 bis 500 Kilometer. 15 bis 20 Minuten dauert der Ladevorgang. 2000 Kilogramm Wasserstoff kann Lübecks erste Wasserstofftankstelle pro Tag abgeben, das reicht für 50 Lkw. Im ersten Schritt werden zwölf solcher Lkw in der Region unterwegs sein. „Grau ist alle Theorie, grün ist unser Wasserstoff“, gab Till Homrighausen die Formel des Tages aus.

Mehrere Unternehmen haben das möglich gemacht. MB Energy aus Hamburg hat die Tankstelle im Gewerbegebiet Roggenhorst auf dem Gelände der Firma Combisped, auf dem bereits eine Dieseltankstelle für den Schwerlastverkehr steht, gebaut und zugleich die Wasserstofftankstelle in Neumünster übernommen. MB Energy handelt in großem Maßstab mit allen möglichen Energiearten und betreibt insgesamt 400 Tankstellen in Europa.

Die Firma Hypion aus Kiel mit Geschäftsführer Stefan Rehm an der Spitze hat das Projekt entwickelt. Hylane vermietet Lastwagen und stellt zwölf Wasserstoff-Lkw für Unternehmen in der Region per Leasing zur Verfügung.

Bund stellte 5,1 Millionen Euro für die Tankstelle bereit

Das alles aber geht nur mit Förderung durch den Bund, der 5,1 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Die Förderung gehe weiter, verkündete Philipp Kroepels, bei MB Energy für neue Energien zuständig, bei der Einweihung in Lübeck. 220 Millionen Euro würden in dem Fördertopf für weitere Wasserstofftankstellen und Wasserstoff-Lkw bereitstehen.

Der Wasserstoff für diese Anlage im Gewerbegebiet Roggenhorst kommt aus ganz Deutschland. Damit sich die klimafreundliche Technologie durchsetze, brauche es ein umfangreiches Tankstellennetz in Deutschland, sagt Stefan Rehm.

„Die Kraftstoffentwicklung der Zukunft findet in Lübeck statt“, frohlockte Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD), der gespannt die erste Beladung verfolgte und auf dem Handy festhielt.

Entsorgungsbetriebe
nehmen neuen Anlauf

Für Lübeck ist diese Tankstelle von ganz konkretem Nutzen. Denn die Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) haben im September 2022 ein wasserstoffgetriebenes Müllfahrzeug in Betrieb genommen. Das knapp eine Million Euro teure Fahrzeug wurde zu gut 90 Prozent vom Bund gefördert, konnte aber nicht so genutzt werden wie geplant. Die Idee, den Wasserstoff aus Deponiegas auf dem Gelände des Abfallwirtschaftszentrums selbst herzustellen, ist gescheitert. Im Mai 2024 bliesen die EBL das ambitionierte Vorhaben ab, weil die behördlichen Auflagen für einen Elektrolyseur zur Herstellung grünen Wasserstoffs zu aufwendig waren. Ab jetzt können die EBL ihren wasserstoffgetriebenen Müllwagen bei MB Energy im Gewerbegebiet Roggenhorst laden.

Gleichwohl nehmen die Entsorgungsbetriebe einen neuen Anlauf. „Wir planen den Bau eines Elektrolyseurs auf dem Abfallwirtschaftszentrum, mit dem wir voraussichtlich in zwei Jahren grünen Wasserstoff herstellen können“, sagte Manfred Rehberg, Spartenleiter Stadtreinigung bei den EBL.

Und wer kann jetzt bei MB Energy im Roggenhorst tanken? Zunächst einmal die geförderten Wasserstoff-Lkw, die Unternehmen aus der Region bei der Firma Hylane leasen können. Das habe der Bund als Fördermittelgeber so vorgegeben, sagte Philipp Kroepels von MB Energy. „Nach Ablauf der Förderfrist von vier Jahren kann jeder hier tanken.“

und DOR

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