Rund um das Loch soll es aber einen „schönen Bauzaun“ geben, sagt Lindenau. Auf den Bannern sind historische Bilder und neue Bauzeichnungen zu sehen. „Wir zeigen hier die Vergangenheit des Kaufhauses, aber auch die Zukunft“, erklärt er. Denn in dem ehemaligen Karstadt (Gebäude B) soll ein Bildungshaus entstehen. Die Schulen Johanneum, Katharineum, Ernestinenschule und die Oberschule zum Dom sollen dort Räumlichkeiten erhalten. Auch andere Einrichtungen sollen dort Platz finden. 2028 soll alles fertig sein.
Ein Kran mitten
im Stadtzentrum
Der Bürgermeister nickt Richtung Boden. Unter seinen Füßen befinden sich die ehemaligen Hallen der Lebensmittelmärkte von Karstadt. Sie verbinden unterirdisch die Gebäude A und B. Das bedeutet aber auch: Die Tragfähigkeit des Bodens unter ihm ist beschränkt und hält nicht das Gewicht eines Krans aus. Aus diesem Grund müssen die Decken aufgebrochen werden. „Wir gehen zwei Stockwerke tief, dann hat der Kran wieder Bodenkontakt“, erklärt Klaus Petersen. Er ist einer der Architekten vom Architekturbüro ppp, die das neue Bildungshaus entworfen haben.
Doch bevor der Kran kommen wird, müssen erst noch einige Arbeiten im Inneren des Gebäudes B stattfinden – allem voran die Entrümpelung. Christina Friedrich, Projektleiterin beim Gebäudemanagement der Hansestadt Lübeck, erklärt, dass noch einiges von Karstadt im Gebäude ist. „Wir haben jetzt vereinbart, dass der Restbestand der nicht verkauften Waren, wie zum Beispiel Sportbekleidung, in die Ukraine geliefert wird“, sagt sie.
Wenn das Gebäude leer geräumt ist, geht es an die technische Trennung der beiden Gebäude A und B. Noch sind die Häuser durch gemeinsame Versorgungssysteme für Strom und Wasser verbunden. Dafür sollen moderne neue Anlagen eingebaut werden.
Der nächste Schritt beinhaltet dann die Einrichtung der Baustellenlogistik. Nur die untere Hälfte des Schrangen kann als Baustellenfläche genutzt werden. „Das ist sehr sportlich“, sagt Architekt Petersen. Die Zufahrt zur Baustelle wird über die Königstraße eingerichtet.
Daraus ergibt sich aber noch eine weitere Herausforderung: Wenn die Hälfte der Fläche des Schrangen als Baustelle genutzt wird, kann dort kein Weihnachtsmarkt mehr stattfinden. Bürgermeister Lindenau nickt. Das sei richtig. „Es gibt schon eine Ausweichfläche innerhalb der Stadt“, sagt er. Wo wird diese sein? „Das verrate ich noch nicht“, antwortet Lindenau.
Auch auf eine weitere Frage gibt es noch keine klare Antwort: Wie viel wird der Umbau genau kosten? Momentan besagen die Schätzungen, dass die Arbeiten 41,7 Millionen Euro kosten werden. Aber das seien nur Schätzungen – darauf verweist Joanna Hagen. Ganz genau wisse man es erst, wenn es Angebote von einem Generalunternehmen gebe, sagen Hagen und Lindenau unisono.
Konkrete PläneMit dem Start der Umbaumaßnahmen beginne sich die Stadt zu transformieren, sagt Joanna Hagen und erklärt weiter: „Das ist eine Pionierleistung.“ Bürgermeister Jan Lindenau sieht es ähnlich. Es sei durchaus ein Meilenstein für Lübeck. „Mit dem Umbau beginnt ein spannendes neues Kapitel für dieses markante Gebäude“, sagt Lindenau.
Bleibt noch eine Frage offen: Was passiert mit dem anderen Gebäude – Haus A? Jan Lindenau lächelt für einen Sekundenbruchteil. „Es gibt einen interessierten Investor“, sagt er verheißungsvoll. Man sei in Kontakt, und es gebe schon konkrete Pläne. Verraten will er zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nichts. „Im Laufe des Jahres wird es darüber Klarheit geben.“