„Leider wird in den bisherigen Quellen das Unglück beziehungsweise der Schiffsname nicht erwähnt“, erklärt die Stadt Lübeck auf Anfrage. „Etwa 90 Prozent der Gerichtsakten sind gesichtet, aber die Hoffnung, in den restlichen zehn Prozent das Schiff noch zu finden, ist gering.“
Die Forscher waren sich zunächst sicher, dass das verunglückte Frachtschiff in den Akten auftauchen müsste. „Wenn zu dieser Zeit etwas in der Trave passiert ist, kam es vor das Seegericht“, sagte Lübecks Unterwasser-Archäologe Felix Rösch Ende November 2024.
Zu diesem Zeitpunkt starteten das Archiv und der Bereich Archäologie und Denkmalpflege der Hansestadt mit der Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraums (FGHO) die Suche in den historischen Schriftquellen.
Dafür haben Ehrenamtliche zahllose Schriftstücke gelesen und für die weitere Bearbeitung mittels Software umschreiben lassen. „Die Akten zu Schiffsunglücken werden digitalisiert und die KI lernt, die Schriften zu entziffern“, erklärte Archäologe Dirk Rieger Ende seinerzeit.
Nach der Bergung der Hölzer und Fässer im Juni 2023, die in einer Halle in Schlutup erforscht werden, gab es schnell erste Erkenntnisse. So stand recht bald das Baujahr des Handelsschiffs fest: 1642/43. Auch der Zeitpunkt der Havarie auf der Trave wurde eingegrenzt. Zwischen 1656 und spätestens 1660 ist das Hanseschiff gesunken.
Bei der Bergung der Hölzer fiel den Archäologen auf, dass 187 Schiffsteile – etwa 40 Prozent der Hölzer– verkohlte Oberflächen aufwiesen.
„Interessant ist dabei, dass es sowohl im oberen Bereich des Schiffs als auch unten im Laderaum gebrannt hat“, schreiben die Forscher im Bergungslogbuch: „Es muss davon ausgegangen werden, dass es länger an Bord gebrannt hat und dass das Feuer große Teile des Schiffes erfasste, bevor es in der Trave versank.“
Die Brandursache ist weiter ungeklärt. Die Forscher wollen jetzt noch andere Quellen als die Gerichtsakten aus der Zeit des Untergangs auswerten. „Die Suche ist noch nicht abgeschlossen“, teilt die Stadt mit.