Das Amt für Planfeststellung Energie in Kiel habe dem Antrag auf vorzeitigen Baubeginn für den nördlichen Abschnitt zwischen Lübeck und dem lauenburgischen Sahms zugestimmt, teilt Tennet mit. „Damit können wir unverzüglich mit bauvorbereitenden Maßnahmen starten.“
Erste Baumaßnahmen könnten somit bereits vor dem Planfeststellungsbeschluss umgesetzt werden. „So sollen im kommenden Jahr bereits 52 der insgesamt 146 Strommasten des Abschnitts errichtet werden“, erklärt Tennet.
Zunächst würden Zuwegungen und Baustellenbereiche hergestellt, danach die Bauflächen für die beantragten Maststandorte eingerichtet und die ersten Masten errichtet, erklärt der Netzbetreiber. „Vor Beginn der Arbeiten erfolgen artenschutzrechtliche Kontrollen und Schutzmaßnahmen.“
Gebaut werde nur auf Flächen, deren Eigentümer zugestimmt hätten. „Wo dieses Okay noch aussteht, führen wir weiterhin Gespräche“, erklärt der Netzbetreiber. Das gelte auch für das Bartelsholz. In dem Lübecker Wald sollen für den Bau der Masten zehn Hektar geopfert werden. Dagegen rührt sich Protest von einem Bündnis sowie von der Hansestadt Lübeck.
Weil für diesen Abschnitt noch keine Einigung mit dem Flächeneigentümer, eben der Hansestadt, hergestellt sei, werde hier noch nicht gebaut, sagt Jan Niklas Wölfel, Referent für Bürgerbeteiligung. „Wir stehen mit der Hansestadt noch im Austausch.“
Vor Kurzem hatte die Lübecker Stadtverwaltung eine andere Variante ins Gespräch gebracht. Danach könnte die Leitung mit 85 Meter hohen Masten über den Wald geführt werden. Tennet will sich damit beschäftigen, wenn die Stadt zustimmt. Bislang haben die politischen Gremien der Hansestadt dazu keine Entscheidung getroffen.
Tennet Germany baut nach eigenen Angaben eine rund 80 Kilometer lange 380-kV-Freileitung vom Umspannwerk Lübeck West in Stockelsdorf bis zur Elbe im Raum Krümmel.
Aufgrund des starken Anstiegs erneuerbarer Energien müsse die bestehende Netzstruktur in Schleswig-Holstein ausgebaut werden, erklärt der Netzbetreiber. „Die Elbe-Lübeck-Leitung soll dabei eine Schlüsselrolle einnehmen. Sie soll dafür sorgen, dass der grüne Strom in andere Teile Deutschlands transportiert werden kann.“
Unterdessen hat das Bündnis „Lübecker Stadtwald retten“ hohen Besuch in das Bartelsholz eingeladen. Am Freitag, 9. Januar, kommt Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) in den von der Rodung bedrohten Wald. Auch zwei Vertreter von Tennet sind dabei. Treffpunkt ist um 13.30 Uhr an der Wiese an der Moorgartener Straße 19.
Das Bündnis will dabei deutlich machen, dass auch eine Überspannung des Bartelsholzes keine akzeptable Lösung darstelle. „Für die Errichtung von drei bis zu 85 Meter hohen Masten müssten dennoch rund fünf Hektar Wald temporär gerodet werden“, erklärt Sarah Kolbe vom Bündnis. „Zusätzlich würden etwa 1000 Quadratmeter dauerhaft versiegelt.“
Die massiven Bauwerke würden den Wald deutlich überragen und das Landschaftsbild sowie den Boden nachhaltig schädigen. „Wir begrüßen ausdrücklich, dass Umweltminister Goldschmidt sich vor Ort ein eigenes Bild macht und mit uns in den Austausch geht“, sagt Sarah Kolbe. „Die Entscheidung über die Trassenführung darf nicht unter Druck getroffen werden. Eine Überspannung bedeutet keinen Waldschutz, sie ist lediglich eine andere Form der Zerstörung.“