Doch in „Antons Igelpension“ von Cornelia Schlicker gelten andere Regeln. Und wo Cara schon mal wach ist, tapst er auch gleich zum Napf und futtert eine Portion Rührei. Mit den Vorderpfoten sitzt er darin und schmatzt genüsslich.
Seit fünf Jahren päppelt die Malenterin Igel in Not auf. Aktuell leben etliche Jungtiere bei ihr. Cara und seine sieben Geschwister wurden auf einem Feldweg in Dersau im Kreis Plön entdeckt. Zuerst waren es drei Jungtiere.
„Die Hunde der Finder haben angeschlagen und sie gefunden“, berichtet Cornelia Schlicker. „Weil die Hunde nach dem ersten Fund keine Ruhe gaben, habe ich die Besitzer gebeten, noch weiterzusuchen.“ Mit Erfolg: Weitere fünf Igelbabys wurden gefunden – und nach Malente gebracht. Was mit dem Muttertier passiert ist, ist unklar. Sicher ist aber: Ohne menschliche Hilfe hätten die Igelbabys nicht überlebt.
Ein weiterer Wurf lebt aktuell mit der Mutter in der Malenter Igelpension. Das ausgewachsene Tier wurde Cornelia Schlicker als Erstes gebracht. „Als ich das Gesäuge sah, hatte ich den Verdacht, dass es Nachwuchs geben muss“, erzählt sie. Das Ergebnis: Ein Igelnest mit acht Babys wurde gefunden, gerade einmal eineinhalb Wochen alt.
Um die 80 Igel hat Cornelia Schlicker allein in diesem Jahr bisher aufgenommen. Dass diese Zahl so hoch ist, hat viele Gründe. „Wir Menschen sind schuld, dass es den Tieren so schlecht geht“, sagt Cornelia Schlicker.
Deswegen wünscht sie sich mehr Rücksicht von Gartenbesitzern. Immer wieder werden Igel durch Mähroboter verletzt. Hinzu kommen fehlende Nahrungsquellen, weil immer weniger Gärten naturbelassen sind.
Hellhörig sollten Bürger immer dann werden, wenn sie einen Igel am Tage sehen. Nur in Ausnahmefällen sind es Muttertiere, die Futter suchen. Meist sind es Tiere, die Hilfe benötigen. Gut zu erkennen ist das am sogenannten Hungerknick. Eine sichtbare Einkerbung hinter dem Kopf eines Igels deutet auf eine Unterernährung hin. „Ein gesunder Igel ist schön rund wie eine Birne“, sagt Cornelia Schlicker. Wenn ein Tier von Fliegen befallen ist, ist das außerdem ein klares Indiz für eine Krankheit.
Wer die Igel unterstützen will, kann ihnen zudem ein Futterhaus hinstellen. Die speziellen Häuser haben zwei Eingänge. So können die Stacheltiere fliehen, wenn es drinnen zum Kampf kommt. Als Futter sollte Trockenfutter für Katzenbabys gewählt werden. Zudem freuen sich die Igel über Rückzugsecken im Garten – vom Laubhaufen bis zum Holzstapel.
Wer ein hilfsbedürftiges Tier findet, darf Cornelia Schlicker jederzeit unter Tel. 0173/4040602 kontaktieren. Im Obergeschoss des Malenter Einfamilienhauses ist mittlerweile eine richtige Krankenstation entstanden. Die 68-Jährige hat sogar einen Inkubator für extrem geschwächte oder junge Tiere. Hier werden die Igel nicht nur warmgehalten, sie bekommen auch ein Stofftier und einen Herzschlagsimulator neben sich gelegt.
Wer fitter ist, darf in eine der Boxen einziehen, die bereitstehen. Zeitweise hat Cornelia Schlicker Dutzende Igel gleichzeitig. Die Kleinsten muss sie alle paar Stunden füttern – auch nachts. Hinzu kommen etliche Tierarztbesuche, die ins Geld gehen. Finanziert wird das auch dank Spenden. Doch der Mammutanteil – vor allem was die Arbeit betrifft – bleibt bei Cornelia Schlicker. Trotzdem liebt sie ihr Ehrenamt. „Ich freue mich einfach über jedes Tier, dem ich helfen kann.“