Parkärger in Eutin: 140 Euro Strafe für Ameos-Besucher
Kontoauszug als Beleg: Klinikbesucher begleicht Parkgebühr am Automaten – Betreiber verweist auf Nutzerfehler.

Klaus Timm hat auf dem Ameos-Parkplatz in Eutin geparkt und soll dafür nun 140 Euro zahlen.Foto: Maike Wegner
Eutin. Eigentlich wollte Klaus Timm mit seiner Frau nur sein Enkelkind besuchen, das tags zuvor in der Eutiner Ameos-Klinik zur Welt gekommen war. Am 8. November letzten Jahres machten sich die beiden deshalb auf den Weg von Heiligenhafen in die Kreisstadt und parkten auf dem Parkplatz des Krankenhauses. Ein freudiger Anlass, der das Heiligenhafener Ehepaar allerdings bis heute beschäftigt. Denn angeblich wurden die Parkgebühren, die während des Besuches entstanden, nicht gezahlt.

Klaus Timm öffnet einen Ordner, in dem sich mittlerweile einiges angesammelt hat. Darin befindet sich auch der Kontoauszug, der klar belegt, dass die Besucher sich ordnungsgemäß am Parkautomaten abgemeldet und bezahlt haben. Das Prinzip: Der Automat errechnet anhand des Kennzeichens die Gebühr eigenständig. Bezahlt werden kann ausschließlich per Karte.

„Genau so haben wir es gemacht. Als Kunde hat man gar keinen Einfluss auf den Vorgang“, sagt Klaus Timm. „Trotzdem kam am 14. November ein Mahnschreiben von Avantpark.“ Das Unternehmen bewirtschaftet den Parkplatz und will von Klaus Timm nun 49,76 Euro haben. „Daraufhin habe ich versucht, dort jemanden zu erreichen“, erzählt der Heiligenhafener, „aber es ist schlichtweg nicht möglich, Kontakt aufzunehmen“. Auch auf ein Einschreiben, in dem er seine Sichtweise darlegt, erhält Timm keine Antwort.

Stattdessen folgen weitere Mahnungen Anfang des Jahres und schließlich ein Schreiben eines Inkassobüros. Das fordert Klaus Timm im Juni zur Zahlung von mittlerweile 134,47 Euro auf. Nach einem erneuten Kontaktversuch erfährt der Ostholsteiner immerhin, dass er offenbar knapp zwei Stunden auf dem Parkplatz stand, aber nur für eine bezahlt hat. „Aber da habe ich ja keinen Einfluss drauf“, betont er erneut. „Das errechnet ja allein der Automat.“

Sein Sohn habe das gleiche Problem gehabt. Deshalb mutmaßt Klaus Timm, dass der Automat an diesem Tag nicht richtig funktionierte. Seinem Sohn habe ein Mitarbeiter von Ameos geholfen, Klaus Timm musste sich selbst kümmern. „Das ist ja auch grundsätzlich in Ordnung“, sagt er. „Aber man erreicht bei Avantpark einfach niemanden und das ist frustrierend.“

„Jetzt wird es wohl vor Gericht gehen“, sagt er. „Aber ich habe keine Angst, ich habe ja nichts falsch gemacht.“

Bei Avantpark selbst sieht man allerdings auch keinen Fehler. In der Praxis zeige sich in vergleichbaren Fällen meist, dass entweder ein Tippfehler bei der Kennzeicheneingabe vorlag oder die freie Karenzzeit für die Ausfahrt nach dem Bezahlvorgang überschritten wurde, heißt es auf Nachfrage.

„Die häufigste Fehlerquelle liegt erfahrungsgemäß auf Nutzerseite. Unsere Systeme laufen zuverlässig und automatisiert“, sagt eine Sprecherin. „Einen technischen Fehler bei der Bezahlung an den Automaten können wir nach dem derzeitigen Prüfstand nicht erkennen.“

Am besagten Tag habe es zwar zeitweise eine Beeinträchtigung bei den digitalen Bezahlmöglichkeiten gegeben. „Die Bezahlung vor Ort an unseren Automaten war davon jedoch zu keinem Zeitpunkt betroffen und funktionierte einwandfrei.“ Der Vorgang durchlaufe jetzt „das reguläre, standardisierte Mahnverfahren des Dienstleisters“.

Auch Ameos kann an dieser Situation nichts ändern. „Grundsätzlich ist der Dienstleister Avantpark Ansprechpartner für alle Fragen und Anliegen rund um die Parkplatznutzung an den Standorten Eutin und Oldenburg“, sagt Ameos-Sprecherin Anja Baum. „In der Anfangsphase im vergangenen Herbst gab es vereinzelt Rückmeldungen von Nutzenden, die wir gemeinsam mit dem Dienstleister aufgegriffen haben.“ Man stehe mit Avantpark regelmäßig im Austausch für ein reibungslos funktionierendes Parkraummanagement. und MWE
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