Riss im Beton: Muss die neueSeebrücke schon saniert werden?
Beschädigung am 19-Millionen-Euro-Neubau in Scharbeutz – Standsicherheit nach fachlicher Bewertung nichtbeeinträchtigt – Unternehmen erstellt Maßnahmen-Konzept.

Für die Besucher der Scharbeutzer Seebrücke ist die Beschädigung am Beton, die bei den Arbeiten entdeckt wurde, nicht zu sehen.Foto: Markus Scholz/dpa
Scharbeutz. Die Arbeiten auf der neuen Seebrücke in Scharbeutz sind gerade fertig, doch ein nicht unerhebliches Problem bereitet der Gemeinde Kopfzerbrechen. Es gibt einen Riss in einem der tonnenschweren Betonbauteile.

Schäfer bestätigt den Mangel: „Ja, im Rahmen der Bauausführung wurde in einem Bauteil der neuen Seebrücke Scharbeutz ein Riss festgestellt.“ Gesperrt werden muss die Seebrücke deshalb aber nicht. „Dieser Riss befindet sich in einem Betonbauteil und stellt nach den vorliegenden fachlichen Bewertungen keine Beeinträchtigung der Standsicherheit oder Verkehrssicherheit der Seebrücke dar. Die Seebrücke ist und war zu jedem Zeitpunkt sicher“, erklärt die Verwaltungschefin.

Firma erarbeitet

Sanierungskonzept

Für die Besucherinnen und Besucher ist die Beschädigung nicht zu sehen, weil sie sich unterhalb der sichtbaren Oberfläche der Seebrücke befindet. Dennoch lässt die Gemeinde von der zuständigen Firma prüfen, ob und wie der Mangel behoben werden muss. „Derzeit erarbeitet das ausführende Unternehmen gemeinsam mit den Fachplanern ein Sanierungskonzept“, sagt Schäfer.

Nach Vorlage dieses Konzepts werde die Gemeinde Scharbeutz dieses sorgfältig prüfen und anschließend entscheiden, ob die vorgeschlagene Sanierung – verbunden mit entsprechenden Schadensersatzregelungen und einer Verlängerung der Gewährleistungsfristen – akzeptiert werden könne oder ob die Gemeinde den Austausch des betroffenen Bauteils fordern werde.

Obwohl der Riss in der Seebrücke ärgerlich ist, schaut die Scharbeutzer Bürgermeisterin Bettina Schäfer (parteilos) zuversichtlich in die Zukunft. Solche Feststellungen seien bei komplexen Bauvorhaben grundsätzlich nicht ungewöhnlich. „Entscheidend ist, dass sie im Rahmen der baubegleitenden Qualitätskontrollen erkannt, fachlich bewertet und – sofern erforderlich – vor Abschluss der Baumaßnahme ordnungsgemäß behoben werden“, erklärt sie.

19 Millionen Euro

für 310 Meter

Die Stahlbeton-Seebrücke hat knapp 19 Millionen Euro gekostet, 90 Prozent davon kamen als Fördermittel vom Land, den Rest zahlte die Gemeinde. Der Neubau ist 310 Meter lang, gemessen von der Küstenschutzmauer am Seebrückenvorplatz bis zur äußersten Spitze, und damit 50 Meter länger als seine Vorgängerin.

Die alte Seebrücke wurde im Jahr 2022 abgerissen, nachdem schon 2017 der Plan einer neuen Seebrücke mit dem Wettbewerb um den besten Neubau-Vorschlag 2017 begann. 2018 fiel die Entscheidung zugunsten des Entwurfs der Planungsgemeinschaft DKFS Architects aus London und Schüßler-Plan aus Düsseldorf. Damals kalkulierte die Gemeinde mit Kosten von fünf Millionen Euro.

Erste Idee einer

neuen Brücke 2017

Nach deren Entwurf startete der Neubau dann 2023. In der Folge stiegen die Kosten immer weiter. Am Ende schlug der Bau mit 19 Millionen Euro zu Buche. Ärger bereitete auch die zähe Bauphase. Das vertraglich fixierte Bauende für die Brücke war eigentlich der 31. Mai 2024. Doch Lieferengpässe, Ausschreibungsfehler und Verzögerungen aufgrund der Kontrollen der Berufsgenossenschaft (BG) Bau machten das Projekt zur Geduldsprobe.

Knapp ein Jahr später, im Mai 2025, wurde die Eröffnung gefeiert, obwohl vor allem der Brückenkopf zu diesem Zeitpunkt noch eine Baustelle war. bz
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