Das Wohnzimmer ist gemütlich eingerichtet. Ein großes Panoramafenster ermöglicht einen freien Blick in den Garten. In den Regalen, die eine große Schrankwand bilden, finden sich ein paar Schallplatten und CDs, vor allem aber Bücher – darunter viel Fachliteratur zur Lokal- und Regionalgeschichte. Mitten im Raum steht ein Lese- sessel. Auf dem Beistelltisch liegen Stephen Hawkings „Tunnel durch Zeit und Raum“, das Geo-Epoche-Heft „Athen gegen Sparta“ und aktuelle Zeitungen. „Endlich habe ich mehr Zeit, um zu lesen“, sagt Knop.
Wobei keines der Bücher den Eindruck macht, dass es zur Dekoration ungelesen weggestellt worden sei. Im Gegenteil: Insbesondere die Lexika wirken, als würden sie regelmäßig genutzt. Lesen ist seine Leidenschaft – gerne auch über komplexe Themen. Aber bitte nicht am Bildschirm. „Ich muss Papier in der Hand haben“, sagt Knop.
Zwangspause durch
berufliche Karriere
Passend dazu hat er für das Gespräch einen Spickzettel vorbereitet. „Ich bin gerne gut vorbereitet“, sagt er. Ganz oben auf der Merkliste: sein Werdegang. 1967 begann Knop im Alter von 16 Jahren seine Verwaltungslehre in der Gemeinde Malente. Angeregt durch zwei Eutiner Lokalredakteure, die die Schülerzeitung betreuten, sich politisch zu engagieren, trat Knop 1969 den Deutschen Jungdemokraten bei.Ab 1974 saß er als bürgerliches Mitglied für die FDP im Sozialausschuss des Kreistags Ostholstein. 1982 bis 1994 war er regulärer Abgeordneter, vier Jahre davon 2. stellvertretender Landrat. Seit 2015 ist er wieder im Kreistag aktiv.
Die „Zwangspause“ erklärt sich mit seiner beruflichen Karriere. 1995 wurde er Leiter des Rechnungs- und Gemeindeprüfungsamts des Kreises Plön, das 2005 mit Ostholstein „fusionierte“. Durch diese Funktion hätte sich ein Interessenkonflikt ergeben.
In der Gemeinde Malente saß er von 1986 bis 1998 als bürgerliches Mitglied in verschiedenen Gremien. Später war er Gemeindevertreter und leitete zwei Wahlzeiten lang den Finanzausschuss. Für dieses jahrzehntelange kommunalpolitische Engagement ernannte ihn die Gemeinde zum Ehrengemeindevertreter.
Dies ist für ihn eine von vielen Ehrungen. Drei Beispiele: 2019 wurde Knop Ehrendorfvorsteher von Kreuzfeld. 2007 erhielt er die Ehrenurkunde des Gemeindetags. 2001 wurde er mit der Freiherr-vom-Stein-Medaille ausgezeichnet.
Wilde Zeiten
als „später 68er“
Zurück zu den politischen Anfängen: Als „später 68er“ habe er „ganz wilde Zeiten erlebt“, erinnert sich Knop: „Früher gab es noch echte Sozis und echte Konservative, die kaum miteinander geredet haben.“ Aber man wollte auch etwas entscheiden. Und der intensiv ausgetragene Streit habe sich oft gelohnt. „Es hat Spaß gemacht, die Gemeinde zu gestalten“, sagt Knop. Denn die Parteien hätten Programme gehabt, die man umsetzen konnte. Heute stünden oft Dinge auf dem Papier, die man nicht realisieren könne.
So habe man damals neue Schulen, Sporthallen, Feuerwehrhäuser gebaut. Es seien neue Ortsteile entstanden. Feldwege wurden in Gemeindestraßen umgewidmet. „Heute müssen wir überlegen, ob wir die Heizung reparieren und welche Schlaglöcher wir flicken können“, sagt Knop: „Es fehlt auf kommunaler Ebene das Geld, um neue Investitionen zu finanzieren.“ Die Kassen seien so leer, dass die Gemeindevertreter eigentlich nur noch den Mangel verwalten könnten. Selbst für die Erfüllung von Pflichtaufgaben müssten mittlerweile Kredite aufgenommen werden. Und das Problem werde sich weiter verschärfen, warnt der Finanzfachmann. Denn Bund und Land würden immer mehr Aufgaben an Kreise und Gemeinden übertragen, ohne für ausreichende Finanzmittel zu sorgen. „Wir leiden alle gemeinsam“, sagt Knop.
Vielleicht habe auch diese schwierige Situation zu einem deutlich verbesserten Klima in der Gemeindevertretung beigetragen. Zudem seien die Alten im Laufe der Jahre immer friedlicher und ruhiger geworden. „Die Fraktionen arbeiten jetzt gut zusammen“, betont Knop. Angesichts der anstehenden Herausforderungen wünsche er sich mitunter allerdings eine etwas lebhaftere Debattenkultur. Sporthalle, Schulneubau, Feuerwehrhäuser, Rettungswache, Ortskernsanierung – die Parteien sollten diskutieren, welche Prioritäten sie künftig setzen wollen. „Wir müssen klarmachen, dass wir die Alternative für die Zukunft sind“, sagt Knop. Die Augen blitzen. Und plötzlich ist er wieder ganz „68er“.