Hummeln im Haus: Ein Umzug mit Respekt und Klebepistole
Imker Jörn Micheel aus Gnissau ist dank Zusatzausbildung anerkannter Experte für die Umsiedlung streng geschützter Arten – In Malente hat er jetzt eine Königin und ihr Volk an einen anderen Ot gebracht.

Wespenberater Jörn M. Micheel aus Gnissau hat das Hummelnest in einem Haus in Malente-Benz abgenommen und es samt der Königin in eine Plastikkiste gepackt.Fotos: Susanne Peyronnet
Malente. Das 1955 erbaute Haus von Fynn Anders in der Malenter Dorfschaft Benz ist derzeit eine Baustelle. Der Plan: Das geerbte Gebäude kernsanieren, Altes muss raus. Doch bei den Abrissarbeiten am Vordach stieß der Bauherr auf unerwartete Bewohner: ein Hummelnest direkt unter der Dachverkleidung. Ein Fall für den Wespenberater Jörn M. Micheel aus Gnissau.

Normalerweise stellen Hummelnester keine Gefahr dar und müssen nicht entfernt werden. In diesem Fall blockierten die Tiere jedoch den Baufortschritt. Als Fynn Anders und sein Bruder die Verkleidung lösten, schwirrten ihnen sofort mehrere Insekten entgegen. Die Arbeiten wurden umgehend gestoppt. „Mir war klar, dass ich die Tiere nicht einfach entfernen oder töten darf“, erklärt der Hausbesitzer. Zudem wollte er rechtliche Konsequenzen oder einen offiziellen Baustopp durch die Behörden vermeiden.

Streng geschützte Arten

werden umgesiedelt

Bei den Naturschutzbehörden ist Micheel als Wespenberater gelistet. Er besitzt eine Genehmigung des Landesamtes für Umwelt, streng geschützte, staatenbildende Insekten (Ameisen, Hornissen, Wespen und Hummeln) umzusiedeln. Dafür hat sich der Imker entsprechend weitergebildet.

Das Vorgehen ist Routine: Ausgestattet mit Schutzkleidung, kratzt Micheel das Nest vorsichtig ab und betäubt die Insekten mit CO2. Besonders wichtig ist dabei, die Königin zu sichern. In seinem Heimatort Gnissau klebt Micheel die Nester mit einer Heißklebepistole in Bienenrähmchen ein. Dort bleiben die Tiere ein bis zwei Wochen zur Beobachtung. „Sobald sie sich erholt haben, bringe ich sie in den Wald oder ein Naturschutzgebiet“, erklärt der Fachmann. Auch Landwirte fragen regelmäßig nach Nestern, um die Bestäubung ihrer Felder zu sichern.

Hinter der Verkleidung in Benz entdeckte der Experte sogar noch mehr: ein altes, großes Wespennest, direkt daneben der Neubau der Hummeln. „Insekten orientieren sich an Pheromonen“, erklärt Micheel. Wo einmal ein Nest war, lassen sich wegen dieser chemischen Botenstoffe von Lebewesen gern Nachmieter nieder. Sein unkonventioneller Tipp für Hausbesitzer: das Versprühen von „4711“-Kölnisch Wasser. Der starke Eigengeruch des Parfüms überlagert die tierischen Duftstoffe und verhindert so eine Neubesiedlung.

Obwohl Hummeln als friedfertig gelten, trägt der Berater Schutzmaske und Handschuhe. Er weist auf eine Besonderheit hin: „Die Hummel sticht nicht, sie beißt.“ Ein schmerzhafter Biss blieb ihm bisher jedoch erspart – im Gegensatz zu zahlreichen Bienenstichen.

Hummelköniginnen

kommen aus Spanien

Hummelköniginnen würden übrigens in Spanien gezüchtet und dann mit ihren Völkern über Holland hierher exportiert. Sie sollen im Frühjahr die Erdbeeren bestäuben, weil sie bereits bei acht Grad fliegen, während Bienen elf bis zwölf Grad benötigen. Wenn es dann wärmer wird, werden die Dächer der Erdbeertunnel geöffnet und die Hummeln sich selbst überlassen, berichtet Micheel. Sie suchen sich dann alte Mäuselöcher, um darin ihren Nachwuchs großzuziehen.

Ob die Hummeln aus dem Haus von Anders von solchen Erdbeerfeldern stammen, lässt sich nicht sagen. Micheel wartet unterdessen auf die nächsten Anrufe. Seine Saison als Wespenberater dauere nur ein paar Monate.

Micheel ist unter Tel. 0157/52066009 oder per E-Mail an wespenberater@gmx.de erreichbar. Er arbeitet ehrenamtlich und nimmt bei seinen Aufträgen lediglich eine Aufwandsentschädigung. sas





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