Wenn das Smartphone zum Lichtschalter wird
Bosau: Nachtschwärmer können Straßenlaternen künftig mit App einschalten.

Das Handy wird zum Lichtschalter: In der Gemeinde Bosau können die Bürger künftig die Knoop-App nutzen, um nachts die Straßenbeleuchtung einzuschalten.Foto: Dirk Schneider
Bosau. Seit März können die Einwohner der Gemeinde Glasau im Kreis Segeberg ihre Straßenbeleuchtung bei Dunkelheit per Smartphone und App einschalten. Diesen Service will jetzt auch Bosau als erste Gemeinde in Ostholstein seinen Bürgern anbieten. Deren Geschäfts- und Finanzausschuss empfiehlt der Gemeindevertretung einstimmig, einen entsprechenden Nutzungsvertrag mit der SH Netz AG abzuschließen.

Aktuell gehen die Lichter um Mitternacht aus. „Wir überlegen, die allgemeine Straßenbeleuchtung, künftig eine Stunde früher auszuschalten“, sagt der Ausschussvorsitzende Burkhard Klinke (SPD). Wer danach nach Hause komme oder noch eine Runde mit dem Hund gehen wolle, könne die Laternen in seiner Dorfschaft unabhängig von der Uhrzeit per App für eine befristete Zeit einschalten. Die Umsetzung des Projekts soll in den kommenden Wochen beginnen.

Von der Funktionsweise und den Möglichkeiten der neuen Technik habe man sich beim Blick über die Kreisgrenze einen guten Einblick verschaffen können, erläutert Klinke. Obwohl gute Gründe für die Einführung der sogenannten Knoop-App gesprochen hätten, sei man aufgrund der ungeklärten finanziellen Situation zunächst sehr zögerlich an das Projekt herangegangen.

Ehrenamtlicher

App-Administrator

Das Problem: Bosau gibt mehr Geld aus, als es einnimmt. „Und für 2026 haben wir noch keinen genehmigten Haushalt“, sagt Klinke. Während die jährliche Nutzungsgebühr mit 725,90 Euro noch im überschaubaren und vertretbaren Rahmen liege, hätten die kaum kalkulierbaren Personalkosten gegen das Vorhaben gesprochen. Denn als menschliche Schnittstelle benötige man einen App-Administrator, der die Nutzerrechte verwaltet. Die Mitarbeiter der Amtsverwaltung seien schon jetzt mehr als ausgelastet, zusätzliche Personalkosten nicht finanzierbar, erläutert Klinke.

Doch glücklicherweise habe sich aus den Reihen der Kommunalpolitiker mit Detlef Martwich ein IT-Spezialist gemeldet, der diese Aufgabe ehrenamtlich übernehmen werde, freut sich Klinke. Weitere Investitionskosten fielen nicht an. Denn im Zuge der Modernisierung der Straßenbeleuchtung seien auch die alten Schaltkästen erneuert worden. Ende 2022 hatte die SH Netz AG die 337 Straßenlaternen auf LED-Technik umgerüstet.

Die vergleichsweise geringen Betriebskosten könnten aus dem Etat für Straßenbeleuchtung finanziert werden, zumal die Maßnahme auch Sparpotenzial beim Energieverbrauch biete. dis
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