Kurabgabe: Timmendorf streichtdie Entschädigung für Vermieter
Gemeinde muss sparen – Im vergangenen Jahr zahlte sie freiwillig mehr als 257.000 Euro.

Kurabgabe von den Gästen kassieren und weiterleiten: Dazu sind die Vermieter verpflichtet. Zahlungen für diesen Aufwand sind von den Kommunen jedoch freiwillig.Foto: imago images/MASKOT
Timmendorfer Strand. „Jetzt streicht die Gemeinde uns auch noch die Almosen, die wir für die Abwicklung der Kurabgabe erhalten.“ Eine Vermieterin aus Timmendorfer Strand ist sauer. Sie hat Post von der Gemeindeverwaltung erhalten – mit der Information, dass es 2026 keine „Provisionszahlung“ fürs Einziehen und Weiterleiten der Kurabgabe gibt, weil die Gemeinde sparen muss.

Grundsätzlich sind die Ferienvermieter in den Urlaubsorten dazu verpflichtet, von ihren Gästen die Kurabgabe zu kassieren und dieses Geld an die jeweilige Verwaltung zu überweisen. Eine eventuelle „Provision“, präziser: Aufwandsentschädigung für diese Tätigkeit, ist eine freiwillige Leistung, die einige Orte gewähren und andere nicht.

Kreis empfiehlt:

Provision abschaffen

Timmendorfer Strand hat seit 2005 jährlich sieben Prozent an die Vermieter gezahlt, was 2025 insgesamt mehr als 257.000 Euro ausmachte. Die finanzielle Lage der Gemeinde habe sich jedoch erheblich verschlechtert, steht in einer Vorlage zum Thema. Zudem habe das Gemeindeprüfungsamt des Kreises bereits 2023 empfohlen, diese freiwillige Leistung abzuschaffen.

Die Timmendorfer Gemeindevertreter haben im März dieses Jahres dafür gestimmt, die Zahlung 2026 auszusetzen. Ob es 2027 wieder Geld gibt, wollen die Kommunalpolitiker ab Herbst im Tourismusausschuss klären. „Völlig ausgeschlossen ist es nicht“, sagt der Ausschussvorsitzende Ingo Menke-zum Felde (CDU). „Aber wir müssen jedes Sparpotenzial ausschöpfen.“

Die oben genannte Vermieterin hat für die Streichung kein Verständnis. „Unser Aufwand ist enorm“, sagt sie. „Wir müssen die Gäste oft mehrfach nach ihren Daten fragen und diese ins System einpflegen, das Geld an die Gemeinde überweisen und die Ostseecard per E-Mail zustellen oder für die Gäste ausdrucken.“ Ihrer damit beschäftigten Mitarbeiterin habe sie die Entschädigung bisher 1:1 ausgezahlt. „Viel ist es nicht, etwa 380 Euro im Jahr, aber eben ein kleines Dankeschön.“

Grömitz und

Scharbeutz zahlen noch

In anderen Gemeinden gibt es dieses Dankeschön noch. In Grömitz bekommen die Vermieter 50 Cent pro abgerechnetem Meldeschein, berichtet Tourismuschef Manfred Wohnrade – unter bestimmten Voraussetzungen: „Die Vermieter müssen am Online-Meldescheinverfahren teilnehmen, ein Lastschriftmandat erteilen sowie mindestens 50 Meldescheine pro Jahr abrechnen.“ 2025 habe die Gemeinde insgesamt 60.000 Euro an die Vermieter gezahlt. In Scharbeutz seien es 2025 etwa 100.000 Euro gewesen, heißt es aus der dortigen Verwaltung.

Anders sieht es in Neustadt aus. „Der Tourismus-Service Neustadt-Pelzerhaken-Rettin hat im Jahr 2022 die freiwillige Aufwandsentschädigung für Vermieterinnen und Vermieter eingestellt, wenn sie noch handschriftliche Meldescheine nutzen“, berichtet Bürgermeister Mirko Spieckermann (parteilos). Grund dafür seien steigende Kosten gewesen sowie der Wunsch, Papier einzusparen. „2023 wurde die Aufwandsentschädigung auch für diejenigen, die den Online-Meldeschein nutzen, aus finanziellen Gründen zum letzten Mal abgewickelt“, erklärt der Bürgermeister.

Die Timmendorfer Vermieterin plädiert derweil für digitale Alternativen, zum Beispiel für Apps, über die sich die Gäste selbstständig in den Gemeinden anmelden und ihre Kurabgabe per Paypal oder Kreditkarte zahlen können.

Vorreiter bei modernen, digitalen Lösungen seien Dahme und Fehmarn, berichtet Merrit Kraus, die Geschäftsführerin der Kraushaar Ferienwohnungen GmbH, die 1700 Ferienwohnungen und -häuser von der Lübecker Bucht bis zur Kieler Förde betreut. „In Dahme und auf Fehmarn bekommen die Gäste mit der Buchungsbestätigung einen Link mit der Aufforderung, die Karte digital beim Tourismus-Service zu beantragen und zu bezahlen“, sagt sie.

Die Agentur habe somit mit der Abwicklung der Bezahlung nichts zu tun. „Unser Büro vor Ort gleicht aber vor der Anreise die Daten von Buchung und Kurkarten ab“, erklärt Merrit Kraus. Nur in seltenen Fällen, wenn der Gast noch keine Kurkarte habe oder „nicht digital affin“ sei, „sorgen wir bei Anreise für die Bezahlung und die Ausstellung der Karte auf Papier“.

„Verwaltung muss

den Prozess optimieren“

„Wichtig ist, dass auch die Timmendorfer Verwaltung den Prozess optimiert, um Personalkosten einzusparen“, erklärt Nils Hopp. Er ist Fraktionsvorsitzender des Bürgerbündnisses Neue Perspektive (BBNP) in Timmendorfer Strand, das beantragt hat, die Aufwandsentschädigung 2026 auszusetzen und nach gründlicher Abwägung aller Interessen neu darüber zu entscheiden.

Denn die Personalkosten seien in Timmendorfer Strand regelrecht explodiert, sagt Nils Hopp: „Von 7,1 Millionen Euro in 2019 auf 11,7 Millionen Euro in 2026.“ Die Zahl der Mitarbeiter sei in diesem Zeitraum von 120 auf 150 gestiegen. Es müsse Anreize für die Vermieterinnen und Vermieter in der Umgebung geben, die Abgabe der Meldescheine zu automatisieren, damit auch in der Verwaltung in diesem Bereich Stellen eingespart werden könnten, steht im BBNP-Antrag. saj

Druckansicht