Rätselhafter Unfall in Malkwitz:Wer steuerte den Motorroller?
32-Jähriger bei Trunkenheitsfahrt schwer verletzt – Vor Gericht kann er sich nicht erinnern.

Bringen neue Zeugen neue Erkenntnisse? Im Eutiner Amtsgericht wird ein rätselhafter Rollerunfall verhandelt.Foto: Dirk Schneider
Malente. Ein Mann liegt schwer verletzt neben einem Motorroller auf der Dorfstraße in Malkwitz. Verstreute Plastikteile und Scherben. Ein parkendes Auto weist starke Aufprallschäden aus. Schleifspuren am Boden. Blut rinnt über den Asphalt. Die Lache breitet sich aus. Es ist das Ende einer Trunkenheitsfahrt.

Jetzt steht der 32-jährige Ostholsteiner wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss vor dem Amtsgericht Eutin. Die Verhandlung wirft viele Fragen auf. Die wichtigste: Saß der Angeklagte tatsächlich am Lenker der unversicherten Maschine?

Das Problem: Tim A. (Name geändert) leidet vermutlich in Folge seiner schweren Kopfverletzungen unter einer Amnesie. Der Gedächtnisverlust beginne mit Ende des Dorffestes in Benz, das er Anfang Juli besucht habe, berichtet der Angeklagte. Wieder einsetzen würden die Erinnerungen mit dem Aufwachen aus dem künstlichen Koma im Krankenhaus.

Filmriss mit 1,89 Promille

Neben einem massiven Schädelhirntrauma habe er einen Meniskusriss, sechs Rippenbrüche und eine Brustwirbelfraktur erlitten. Zudem waren beide Kiefer, das Jochbein und die Nase gebrochen gewesen. Die Heilbehandlungen seien noch nicht abgeschlossen. „Es sind noch mindestens zwei Operationen notwendig“, sagt Tim A.

Doch was ist geschehen? Tim A. trifft sich mit Freunden auf dem Dorffest. Die Clique feiert in einen Geburtstag hinein. Es wird Alkohol getrunken. Die Blutprobe weist bei Tim A. später einen Wert von 1,89 Promille aus. Wie viel und was er getrunken habe, fragt die Richterin. „Das weiß ich nicht mehr“, antwortet der Angeklagte. Der Verteidiger spricht von einem Filmriss.

Gegen 2.15 Uhr fragt seine Frau per Chat, wann er nach Hause komme. Tim A. versucht telefonisch, eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren. Doch viele Bekannte sind schon weg. Der Kumpel, der den Fahrdienst übernommen habe, sei in Lübeck unterwegs gewesen, berichtet Tim A. Um 3.30 Uhr chattet er: „komme bald“. Diese Angaben beruhen auf Telefonprotokollen.

Wenig später muss er die Veranstaltung auf dem Motorroller verlassen haben. Kurz nach 4 Uhr wird Tim A. am Unfallort gefunden. Der Zeuge beschreibt, dass der Angeklagte sehr dicht neben der Maschine lag. Ein Teil der Jacke habe sich möglicherweise beim Schlittern im Lenker verhakt. „Das Blut lief bereits in den Abfluss“, sagt der Zeuge. Die Situation habe gewirkt, als hätte Tim A. schon länger dort gelegen, beantwortet er eine Frage des Verteidigers. Dieser hakt nach: „Sah es aus, als könnte eine zweite Person gefahren sein?“ Die knappe Einschätzung des Zeugen: „nein.“

Kritik an Ermittlungen

Doch woher kommt und wem gehört die Maschine? „Den Roller kenne ich nicht“, sagt Tim A. Laut Aktenlage habe der letzte bekannte Halter angegeben, dass er mal im Besitz des Rollers gewesen sei, diesen aber später verkauft habe, erklärt der Verteidiger. „Leider haben Polizei und Staatsanwaltschaft nicht weiter ermittelt.“

Aus diesem Grund habe man eigene Recherchen angestellt und sei fündig geworden. So habe eine Fußgängerin, die früh morgens unterwegs gewesen sei, einen Roller mit zwei Personen zwischen Benz und Malkwitz fahren sehen. Der Fahrer habe einen Helm getragen, der Beifahrer nicht, „spoilert“ er deren Aussage. Möglicherweise sei sein Mandant also nur der Sozius gewesen. Neben dieser Zeugin sollte auch der Vorbesitzer des Rollers geladen werden, erklärt der Verteidiger.

Zudem stellt er weitere Beweisanträge: Vor allem soll der Verbleib des Rollers geklärt werden. Denn die am Straßenrand abgestellte Maschine wurde bereits wenige Stunden nach dem Unfall abgeholt. Von wem? Der Verteidiger vermutet, „dass es einen Unbekannten gibt, der den Roller gefahren ist“. Die Verhandlung wird fortgesetzt. dis
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