Die unsichtbare Hälfte der Geschichte auf der Bühne
Theater-Performance „Beklaute Frauen“ beschäftigt sich mit dem Thema Ungerechtigkeit.

In Schauspiel und Tanz bringt Angelika Neumann im Theaterhaus der Gemeinnützigen die Geschichten „Beklauter Frauen“ auf die Bühne. Fotomontage: Berend Neumann
Lübeck. „Unsere Geschichtsschreibung blendet Frauen systematisch aus“, findet Angelika Neumann. Ihre Theater-Tanz-Performance „Beklaute Frauen“ schreibt die Geschichte neu, zu sehen ist sie am Sonntag, 12. April, ab 20 Uhr im Theaterhaus der Gemeinnützigen, Königstraße 17 in Lübeck.

Frauen veränderten die Welt, aber Männer ernteten dafür oftmals den Ruhm. Angelika Neumann bringt mit Schauspiel, Tanz und Videos bemerkenswerte und für viele dennoch unbekannte Frauen von der Urzeit über die Französische Revolution bis zum Zweiten Weltkrieg auf die Bühne.

Mileva Maric, Lucia Moholy, Margarete Steffin und Lise Meitner wurden ihrer Chancen beraubt und um ihr geistiges und künstlerisches Eigentum gebracht. Auch die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ 1791 von Olympe de Gouges ist weitestgehend unbekannt. Stattdessen hält sich die Auffassung, Frauen wären seit früher Vorzeit an Heimstätten und Kinder gebunden. Geschichte würde von genialen Männern gemacht. Aus diesen Gründen stehen Frauen bisher im Schatten ihrer berühmten Antagonisten, Ehemänner und Kollegen.

„Beklaute Frauen“ fußt auf dem gleichnamigen Buch von Leonie Schoeler und auf dem „Matilda Effekt“. Der Effekt wurde 1993 von der Wissenschaftshistorikerin Margaret W. Rossiter postuliert und ist benannt nach der US-amerikanischen Frauenrechtlerin Matilda Joslyn Gage, die 1870 als Erste dieses Phänomen beschrieb: „Je mehr eine Frau arbeitet, desto mehr profitieren die Männer in ihrer Umgebung davon und desto weniger Anerkennung wird ihr selbst zuteil.“

Schauspielszenen und ausdrucksstarke Tänze wechseln sich in dem Stück in rascher Folge miteinander ab. In kurzen Monologen offenbaren die Frauen ihre Lebensgeschichten und treten so aus dem Schatten ins Licht. Videos mit abstraktem, symbolischem und historischem Bildmaterial vertiefen diese Zeitreise. In den Tänzen verkörpert Angelika Neumann zudem die vielen namenlosen Frauen, die durch ihre Arbeit, ihren Ungehorsam, das Aufziehen der Kinder Geschichte geschrieben haben.

Tickets kosten 18 Euro, erm. 12 Euro, für Schülerinnen und Schüler 5 Euro. Vorverkauf bei der Tourist-Info Lübeck, den bekannten Vorverkaufsstellen und über www.luebeck-ticket.de

Druckansicht