Seit 25 Jahren Hausmeister: „Genau mein Ding“
Benjamin Denissow übt seinen Traumberuf aus: Er sorgt an der Weber-Schule Eutin für Ordnung.

Im Hausmeisterbüro: Hier programmiert Benjamin Denissow die Türschlösser der Eutiner Schulen und Sporthallen.Foto: Ulrike Benthien
Eutin. Von neumodischem Sprech wie „Facility Manager“ hält er nichts. Er schätze den Oldschool-Begriff Hausmeister. Diesen Beruf übt Benjamin Denissow seit 25 Jahren aus. Seit 2009 ist er an der Eutiner Carl-Maria-von-Weber-Schule tätig – mit Engagement und Enthusiasmus.

Die rund 700 Schülerinnen und Schüler kennen ihn alle. Die meisten sagen respektvoll „Herr Denissow“. „Je älter sie werden, kommt da auch häufiger mal ein ‚Benni‘. Aber das ist in Ordnung“, sagt der 45-Jährige.

Stets ansprechbar
für die Schüler

Er lege Wert auf einen gesunden Abstand, sagt er. Trotzdem kämen die Kinder und Jugendlichen zu ihm. Wohl, weil er sie „auf Augenhöhe“ betrachte. „Wenn sie Probleme haben, höre ich mir die an. Und wenn mal jemand auf dem Schulhof steht und traurig ist, spreche ihn an“, sagt Denissow. Kurz beruhigen, ein wenig aufmuntern, „dann geht es größtenteils wieder“. Die Sorgen der Mädchen und Jungen drehten sich überwiegend um schlechte Zensuren, sagt er.

Er erkennt es an, wenn Schüler zu ihm kommen und ehrlich sagen, dass sie etwas kaputtgemacht haben. „Das finde ich klasse. Ich verurteile sie nicht. Wir finden einen Weg, entweder repariere ich den Schaden, oder die Versicherung der Eltern tritt ein.“

Dass er den Beruf des Hausmeisters ergreifen würde, stand für Benjamin Denissow schon fest, als er ein Grundschüler war. „Ich habe die Schule am Kleinen See in Eutin besucht. Unser damaliger Hausmeister hat mich inspiriert“, sagt er schmunzelnd.

Ganz gezielt hat er dann seine Ausbildung danach ausgerichtet: „Ich bin gelernter Bau- und Möbeltischler und habe Teillehren im Elektro- und Malerbereich absolviert. Das ist ein gutes Grundgerüst für einen Schulhausmeister.“

Unter vielen Bewerbern
durchgesetzt

Im Alter von 20 Jahren trat er seine erste Stelle an: an der Gesamtschule Pansdorf. Von dort wechselte er an die Cesar-Klein-Schule Ratekau. Mit dem früheren Hausmeister der Weber-Schule Gerhard Wellendorf sei er gut bekannt gewesen, erzählt Benjamin Denissow. Als er hörte, dass „Welli“ in den Ruhestand gehen wollte, bewarb er sich als Nachfolger. Die Konkurrenz sei damals enorm gewesen, berichtet er: „Bei der Stadt Eutin lagen 150, 160 Bewerbungen vor.“

Dienstbeginn ist für den 45-Jährigen montags bis freitags um 6.30 Uhr. Fällt Winterdienst an, geht es schon um 4.30 Uhr los. Da gab es in den vergangenen Wochen etliche Tage, an denen der Wecker eher klingelte. „Das gehört dazu. Man gewöhnt sich dran“, sagt Benjamin Denissow.

An solchen Tagen muss er auf dem kompletten Grundstück der Schule kehren, fegen und streuen. Alle Zu- und Eingänge und die Parkplätze müssen geräumt sein.

Die ersten Schülerinnen und Schüler trudeln gegen 6.50 Uhr ein. Zu der Zeit dreht Benissow seine Runde durch alle sieben Gebäude der Schule. Er kontrolliert, ob alle beheizt sind, ob in den Sanitärräumen die Toiletten sauber sind, ob WC-Papier, Papierhandtücher und Seife vorhanden sind. „Im Laufe der Jahre gewinnt man den Blick für alles. Ich kenne die Gebäude wie meine Westentasche“, sagt der Hausmeister.

Herr über

hunderte Schlösser

Benjamin Denissow ist in Eutin an den meisten Schulen und Sporthallen für die Schließtechnik der Türen zuständig. Sie sind mit einem elektrischen Schließsystem ausgestattet. Alle Nutzer – Lehrer, Gremienbetreuer, Übungsleiter, Sportler – haben einen Transponder, in dem die Zeit einprogrammiert ist, wann die Türen für sie zu öffnen sind.

Über ein sogenanntes PPD-Übertragungsgerät im Zusammenspiel mit seinem PC kann Denissow Zutrittskontrollen vornehmen. Er fährt jede Liegenschaft mindestens einmal pro Monat an und überprüft die Akkus an den Türen. „Es gibt rund 400 Türen und Schlösser bei fast 1200 Nutzern“, berichtet er.

Viel Zeit muss der Hausmeister für Reparaturen aufwenden. WC-Sitze werden kaputtgetreten, Toiletten mutwillig verstopft, es gibt zahlreiche Graffiti. Mobiliar wird ebenfalls zerstört. Benjamin Denissow scheut das Wort Vandalismus. „Ich mag meine Schüler und nenne es lieber Unachtsamkeit.“

Sieht er Schüler, die ruppig mit Spielgeräten auf dem Schulhof umgehen, macht er eine Ansage. Die dann auch befolgt werde, sagt er. „Vorbeugende Schadensbegrenzung“ heißt das bei ihm.

Zu den Lehrerinnen und Lehrern habe er ein gutes Verhältnis, sagt Benjamin Denissow. Er unterstützt sie beispielsweise bei Veranstaltungen, indem er sich um Stehtische, Pavillons, ausreichend Steckdosen und Bühnentechnik kümmert. „Das muss auch so sein“, findet er, „denn ich bin ja der einzige, der an der Schule über Technik verfügt und sich damit auskennt.“

Denissow liebt seinen Beruf: „Er bietet viel Abwechslung. Es wird nie langweilig.“ Sein Arbeitgeber, die Stadt, lasse ihm viel Freiraum. Gleichzeitig sei er in Entscheidungen eingebunden, schildert er. Das sei zum Beispiel bei der Sanierung des Altbaus an der Albert-Mahlstedt-Straße der Fall gewesen. Da habe er zusammen mit Kollegen aus dem Bauamt am Förderantrag mitgearbeitet und später die Baubetreuung übernommen. An der Weber-Schule möchte Benjamin Denissow bleiben. Sein Wunsch, den er als kleiner Steppke hegte, hat sich erfüllt: „Hausmeister zu sein, ist genau mein Ding.“ und BEN
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