„Im ländlichen Bereich braucht eine Vielzahl der Betriebe die Mehrwertsteuersenkung, um ihre Existenz überhaupt fortführen zu können“, sagt Lutz Frank, Vizepräsident und Vorsitzender der Fachgruppe Gastronomie beim Landesverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga).
„Kosten für Personal, Energie und Lebensmittel sind in den vergangenen drei, vier Jahren schätzungsweise um 30 bis 40 Prozent gestiegen. Die Mehrwertsteuersenkung ist eine Hilfe, die sehr, sehr gebraucht wird.“
Dehoga-Vertreter lobt neue Steuer und rät zur Geduld
„Bei denen, die es sich leisten können, begrüßen wir es natürlich, wenn sie die Kostensenkung an die Kunden weitergeben“, sagt Frank, selbst Betreiber des Restaurants am Ihlsee (Kreis Segeberg). Sollte dies nicht der Fall sein, wirbt der Dehoga-Funktionär bei den Gästen um Verständnis: „Der Gast muss daran interessiert sein, dass sein Lieblingslokal vor Ort überhaupt bestehen bleibt und wirtschaftlich stabil ist. Dann kann es in den kommenden Jahren auch Preisanpassungen nach unten geben.“
Valentino Cardillo ist Geschäftsführer des Restaurants Waldhuus in Ratekau. Für ihn bewirkt die Mehrwertsteuersenkung in erster Linie, dass er die Preise nicht erhöhen muss. Ob Kundinnen und Kunden auf der Speisekarte seines Hauses künftig Mahlzeiten zu niedrigeren Preisen finden werden, weiß Cardillo bisher nicht. Das Waldhuus öffnet nach der Winterpause in der ersten Februarwoche wieder. „Die Energiekosten sind nach wie vor hoch“, gibt Cardillo zu bedenken. „Außerdem ist zum neuen Jahr auch der Mindestlohn gestiegen, was höhere Personalkosten bedeutet.“
Andere Kostenpunkte
drücken Betriebe weiterhin
„Die gesunkene Mehrwertsteuer hilft uns ein bisschen“, sagt Francesco Diana. Er ist der Chef des Il Ristorante Diana in Bad Schwartau. Die Preise für Gerichte hat auch er nicht geändert. „Das haben wir auch nicht getan, als die Mehrwertsteuer vor einigen Jahren gestiegen ist“, sagt Diana. Der Gastronom berichtet, dass bei ihm die wiederum gestiegene Einkommenssteuer Entlastungen durch die gesunkene Mehrwertsteuer beinahe wieder ausgleiche.
Seit dem Jahreswechsel ist Niels Albrecht Geschäftsführer und Betriebsleiter des Anno 1800 in Heiligenhafen. Die Karte hat er von den vorherigen Besitzern übernommen, und auf dieser seien die Preise für die angebotenen Gerichte, so Albrecht, bereits „human gestaltet“ gewesen. Albrecht, der bisher im Beach Motel am Strand Heiligenhafens tätig war, vermutet ebenfalls, dass sich die Mehrwertsteuersenkung und die Erhöhung des Mindestlohns gegeneinander ausgleichen könnten.
Anders stellt sich die Lage bei den ostholsteinischen Filialen des Fast-Food-Riesen McDonald’s dar. Dieser ist im Kreisgebiet in Eutin, Neustadt, Oldenburg und auf Fehmarn vertreten. Ab sofort sind in den Schnellrestaurants die Preise für fünf Menüs um bis zu einen Euro günstiger. Der Slogan „weniger Steuer, weniger teuer“ prangt vor der Filiale an der B76 in Eutin.
„Wir sehen in der Weitergabe der gesunkenen Mehrwertsteuer eine Chance, Gäste zurückzugewinnen, die es sich zuletzt nicht mehr leisten konnten, zu uns zu kommen“, sagt Kevin Neubaumer, der die vier McDonald’s-Lokale in Ostholstein und vier in Lübeck betreibt. Auch für die Filialen in der Hansestadt gelten die ausgewählten Preissenkungen. Durch die wirtschaftliche Erleichterung hätte er auch die Löhne in seinen Filialen erhöhen können, sagt Neubaumer.
In der Eutiner Innenstadt hat sich auch die Bäckerei Bäckerslüüd (Kollektiv der Bäckerei Klausberger)dazu entschieden, zugunsten der Kunden auf die Mehrwertsteuersenkung zu reagieren und „die Preise zum Verzehr vor Ort“ zu senken. Mit einem Text auf einem Aufsteller vor dem Laden wendet sich Bäckerslüüd mit dieser Nachricht an seine Kunden und kommuniziert mit Blick auf die Zukunft: „Eine Preisänderung könnte später in diesem Jahr notwendig werden, da die Löhne im Bäckerhandwerk gemäß dem Tarifvertrag gestiegen sind.“