Nach Neujahr waren noch einige Tage Zeit, den Laden leer zu räumen. Tische. Stühle. Bilder. Technik. Geschenke, die sich über die Jahre angesammelt haben. „Tausend Kleinigkeiten“, die den Charme des Ladens ausgemacht haben. „All das musste raus“, erzählt Petricevic.
Bühne für lokale Acts
Die Reaktionen im Netz auf das Ende des Funambules sind sehr emotional. „Ein Teil von Lübeck stirbt“, schreibt ein User unter dem Facebook-Post der Kneipe. „Ein super Veranstaltungsort (…) verschwindet für immer“, kommentiert ein anderer. Die Fans wissen, was der Stadt verloren geht.
Orte, an denen es in Lübeck regelmäßig Live-Musik gibt, werden weniger. Einen davon betreibt Jasmin Wolff: die sZiggy’s-Bar in der Marlesgrube. Aber hier ist nur für kleine Besetzungen und für weniger Musiker Platz. Wolff war, bevor sie sich selbstständig machte, jahrelang Mitarbeiterin im Funambules. Sie bedauert den Verlust der Location sehr: „Die Größe der Bühne war einzigartig.“
Das Funambules hatte laut Wolff einen ganz besonderen Platz als mittelgroßer Auftrittsort für lokale Bands – zwischen kleinen Läden wie dem Tonfink und ihrer eigenen Bar einerseits und größeren Veranstaltern wie dem Treibsand und dem Rider’s Café andererseits.
Die vielen lokalen Musiker und Bands, die er über die Jahre kennengelernt und mit seiner Spielstätte gefördert habe, seien alle „mördertraurig“, sagt Petricevic. Jetzt gibt es nur noch die Abwicklung: Das Inventar sei in diesen Tagen verkauft, entsorgt oder mit nach Hause genommen worden, erzählt er. Es fällt Petricevic nicht leicht, die richtigen Worte zu finden – der Verlust sei noch zu frisch. „Ich werde das wohl alles erst begreifen, wenn der Schlüssel abgegeben ist.“
Bei der Arbeitsagentur sei er auch schon gewesen. „Es muss irgendwie weitergehen.“ Wie, weiß Petricevic bisher nicht. Lübeck ohne Funambules sei ein ganz komisches Gefühl. „26 Jahre sind eine verdammt lange Zeit.“
Dass das Angebot an Musik-Kneipen in der Stadt immer kleiner werde, sieht auch Gastronom und Veranstalter Andreas Donskoj so. Er selbst habe jahrelang bei Petricevic im Funambules auf den „legendären Kaisersaal-Partys“ Musik aufgelegt, erzählt er. „Der Laden lebte von musikalischer Vielfalt. Mit besonderen Konzerten, Partys und persönlicher Atmosphäre.“
Mit Jazz, Rock, Blues, Soul und Pop: „Das Funambules war eine Musik-Kneipe im klassischen Sinn“, sagt Donskoj. Davon gebe es immer weniger. Das Live-Angebot werde immer kleiner, auch das Clubsterben mache ihm Sorgen. „Besonders lustig ist das in Lübeck gerade nicht.“
Ruhe an der See
Wenn der Schlüssel übergeben sei, werde er erst einmal ausgiebig schlafen, sich ausruhen und ein paar Tage an die See fahren, erzählt der 67-Jährige. „Irgendwohin, wo ich nicht erreichbar bin und zur Ruhe kommen kann.“
Und danach? „Mal sehen“, sagt Petricevic. Was mit den Räumen an der Obertrave passiert, in denen seine Kneipe ansässig war, weiß Petricevic nicht. Was ihm bleibt: das Blues-Brothers-Poster, das all die Jahre am Eingang des Ladens hing. „Das nehme ich als Erinnerung mit nach Hause.“