Überarbeitet wurde bislang etwa die Hälfte des Museums, hauptsächlich der thematische Bereich „Arbeit am Hochofenwerk“. Dieser wurde um neue Aspekte ergänzt, wie beispielsweise die Darstellung des Museumsgebäudes in seiner ursprünglichen Funktion als altes Werkskaufhaus. Neu dazu kam das umfangreiche Modul zum Thema „Industrialisierung in Lübeck“. Die Realisierung der neuen Dauerausstellung erfolgte mit der Hamburger Gestaltungsfirma „Raumproduktion“.
Der Zeitpunkt der Eröffnung könnte nicht besser sein; steht doch ein Großteil der ehemaligen Arbeitersiedlung Herrenwyk wie auch das Museumsgebäude selbst seit dem Sommer 2025 unter Denkmalschutz. Die Werkssiedlung, die im norddeutschen Raum einmalig ist, ist ebenfalls einen Besuch wert.
Das Thema der Industrialisierung in Lübeck wird im Museum von Touristen und Einheimischen viel beachtet und nachgefragt; auf den Lehrplänen der lokalen und regionalen Schulen ist es ebenfalls zu finden. Lübeck kann eine vielseitige und ungemein spannende Industriegeschichte aufweisen: Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte sich die alte Hansestadt – deutlich später als im restlichen Deutschland - in eine moderne Großstadt und es begann auch hier das eiserne Zeitalter der rauchenden Schlote und hämmernden Maschinen. Auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung wurde das ehemalige Hochofenwerk 1906 errichtet. Nach dessen Konkurs im Jahre 1981 wurden wichtige Zeugnisse der Lübecker Industrie- und Arbeiterkultur von der Geschichtswerkstatt des damaligen Museums für Kunst- und Kulturgeschichte gesammelt und ab 1985 im alten Werkskaufhaus in Herrenwyk ausgestellt.
„In Lübeck setzt die Industrialisierung spät ein, viel später als in anderen Regionen Deutschlands, weil man sich lange noch als Handelsstadt verstand“, erklärt Dr. Bettina Braunmüller, Museumsdirektorin und Kuratorin der Ausstellung. „Aber sobald die Industrialisierung in Lübeck einsetzt, tut sie dies schnell und mit einer enormen Bandbreite an Branchen. Die Anfänge bilden die Lebensmittel- und Konservenindustrie sowie die Emailleproduktion wie zum Beispiel Erasmi und Carstens oder Carl Thiel & Söhne und Tremser Eisenwerke. Schnell kommen Maschinenbaubetriebe wie LMG und Schiffswerften wie Henry Koch hinzu bis hin zu unseren heutigen großen Playern in Lübecks Industrie wie Baader, Brüggen oder Dräger.“
Die gesamte Bandbreite der Lübecker Industrialisierung bis in die heutige Zeit wird in der Ausstellung vorgestellt und anhand von 23 Lübecker Industriebetrieben, die an einer Medienstation erforschbar sind, können sich Besucher auf eine spannende Entdeckungsreise vom 19. bis ins 21. Jahrhundert begeben. Auch erleichtert ein Zeitstrahl die Orientierung in Lübecks Industriegeschichte, bringt Errungenschaften der Arbeiterbewegung in deren Kontext und macht den Strukturwandel Ende des 20. Jahrhunderts in Lübeck deutlich. Dadurch soll ein umfassendes Verständnis über historische Zusammenhänge entstehen.
Weitere Informationen unter https://industriemuseum-herrenwyk.de