Kampf gegen den Riesenbärenklau
Giftige Pflanze überwuchert Lübeck: Wie die Stadt die Verbreitung der Samen eindämmen will.

Kampf gegen den Riesenbärenklau: Die Stadt hat im Naturschutzgebiet Wakenitz/ Gärtnergasse viele Pflanzen abhacken lassen – aber auch nicht alle. Außerdem wachsen Blüten und damit Samen nach.Fotos: Katharina Hertzberg
Lübeck. Täglich geht Reiner Kunkel mit Hündin Alma spazieren. Er wohnt nahe des Naturschutzgebietes Wakenitz/ Gärtnergasse in St. Jürgen. Buchstäblich zuschauen konnte er Anfang des Jahres, wie der Riesenbärenklau wächst – eine invasive und giftige Pflanze, die bis zu vier Meter hoch wird und sich durch ihre vielen Samen rasend schnell verbreitet und viele einheimische Pflanzen verdrängt. Sie muss bekämpft werden. Darin sind sich alle einig.

Doch das ist einfacher gesagt als getan. Denn die Pflanze wächst überall. In Lübeck sind schätzungsweise 40 Hektar allein auf städtischem Gebiet befallen.

Am Dummersdorfer Ufer zum Beispiel haben Stadtförster im Frühjahr die Blüten abgehackt (die LN berichteten), noch bevor sie neue Samen verbreiten konnten. Da die Pflanze dadurch aber eine Notblüte bildet – ebenfalls mit zahlreichen Samen –, musste man nach rund vier Wochen noch einmal ran. „Das ist enorm viel Arbeit und dafür benötigen wir viel Zeit und viele Mitarbeiter“, erklärt Jonas Gardlo, Revierleiter für den Waldhusener Forst.

Um ganz sicherzugehen, haben in diesem Jahr wieder rund 350 Schafe und 200 Lämmer vom Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer auf diesen Flächen gegrast. „Die Schafe sind sozusagen unsere Versicherung. Sie fressen die Pflanzen auf, die wir übersehen haben“, sagt Gardlo. Wenn das alles jedes Jahr konsequent wiederholt werde, so der Revierförster, werde auch die Wurzel geschwächt und wachse nicht weiter. In zehn Jahren, so die Hoffnung, könne man den Riesenbärenklau ausgerottet haben.

Das Problem an der Wurzel zu packen, ist hingegen genau das, was sich Reiner Kunkel wünscht. Er glaubt nicht daran, dass der Riesenbärenklau allein durchs Abhacken bekämpft werden kann. Er läuft durch die Gebiete, wo die abgehackten Pflanzen gut zu erkennen sind – die Blätter sind nachgewachsen, an einigen Stellen sind auch wieder Blüten ausgetrieben.

Die ganze Wurzel zu entfernen, sei – so auch Revierförster Gradlo – die effektivste Lösung, allerdings nicht bei dieser Menge. „Es ist zu viel, was wir ausgraben müssten. Da wird dann die Entsorgung der Erde samt Wurzel zu einem Problem. Und wir würden beim großflächigen Ausgaben den Lebensraum vieler Tiere zerstören – und das auch noch zur Brutzeit“, gibt Gardlo zu bedenken.

Die Stadt hat reagiert, plant nun Rinder in dem Naturschutzgebiet Wakenitz weiden zu lassen. „Für einige Flächen ist das möglich und wir werden entsprechende Verträge dafür ausarbeiten“, sagt Pressesprecherin Nina Rehberg. Denn der Vorteil: Tieren kann der Saft der Pflanze nichts anhaben. Beim Menschen hingegen löst er in Kombination mit Sonnenlicht schwere Hautreaktionen und Brandwunden aus.

Auf den anderen Flächen müsse der Riesenbärenklau weiter mechanisch bekämpft werden und wiederum andere Bestände seien einfach nicht erreichbar. Laut Unterer Naturschutzbehörde und dem Bereich Stadtgrün und Verkehr sei eine Bekämpfung dieser, teilweise auch sehr großen Bestände aktuell nicht möglich: „Aktuell haben Bestände, die sich weder in unmittelbarer Nähe zu einem Wanderweg (Verletzungsgefahr), noch direkt an einem Fließgewässer (Verbreitungsgefahr) befinden, aufgrund der begrenzten personellen und finanziellen Mittel eine geringere Priorität in der Bekämpfung“, so die Stellungnahme der Stadt.

Reiner Kunkel ist sauer, lässt das Argument nicht gelten, dass man nicht herankommen würde an bestimmte Bereiche. Zumindest das verspricht die Stadt: „Wir arbeiten weiter an möglichen Lösungen, um eine Zugänglichkeit zu schaffen. Für nächstes Jahr sind verstärkte Maßnahmen zur Bekämpfung des Riesenbärenklaus geplant.“und Katharina Hertzberg

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