Tatort Timmendorfer Platz: Besuch im Nachtclub endet mit Nasenbeinbruch
Hamburger wegen Körperverletzung vor Gericht – Widersprüche in Aussagen vom Opfer und anderen Zeugen.

So leer ist der Timmendorfer Platz selten. Mitte Januar 2025 wurde hier ein junger Lübecker nach einem Nachtclub-Besuch mit einem Kopfstoß ins Gesicht schwer verletzt.Foto: Sabine Jung
Eutin/Timmendorfer Strand. Ein junger Mann zappelt im Würgegriff. Zwei kräftige Türsteher zerren ihn in den Eingangsbereich der Diskothek. Dort kommt ein weiterer Mann hinzu. Eine kurze Ansprache mit klaren Gesten. Der sichtlich erregte Gast läuft aus dem Bild. Die knapp zweiminütige Videosequenz zeigt, wie der Angeklagte aus einem Nachtclub in Timmendorfer Strand geworfen wird.

Rund eine Stunde später soll der 24-jährige Hamburger einem 20-jährigen Lübecker mit einem Kopfstoß die Nase gebrochen haben. Beim Wiedersehen vor dem Amtsgericht Eutin gibt es widersprüchliche Zeugenaussagen. Entsprechend schwierig erweist sich trotz einer vermeintlich eindeutigen Identifizierung des Täters die Bewertung der Beweislage. Weiteres Videomaterial spielt im Verlauf der Verhandlung noch eine entscheidende Rolle.

Was war passiert? Es ist Samstagabend, Mitte Januar 2025. Der Angeklagte Jan A. (alle Namen geändert) trifft sich mit Freunden in Neustadt. Die Fußballfans schauen das Spiel des Hamburger SV gegen den 1. FC Köln. Nach dem HSV-Heimsieg beschließen Jan A. und Finn B., in einer Diskothek in Timmendorf Strand noch etwas zu feiern.

Ein Kumpel übernimmt den Fahrdienst und setzt die beiden guten Freunde gegen 23.30 Uhr am Nachtclub ab. Doch die Party ist schnell vorbei. „Nach etwa 45 Minuten sind wir rausgeflogen“, sagt Finn B. Der Zeitstempel auf dem Video beginnt 0.50 Uhr.

Warum er das Lokal verlassen musste, versteht Jan A. nach eigener Aussage bis heute nicht. Ein Türsteher sei plötzlich auf ihn zugekommen, habe ihm eine Ohrfeige gegeben und dann im Würgegriff rausgeleitet, erzählt der Angeklagte. Vermutlich gerät er aufgrund dieser Vorgeschichte später unter Verdacht.

Vor der Tür ruft das Duo den „Fahrer“ an, um wieder abgeholt zu werden. Dieser ist allerdings noch in Lübeck unterwegs. Die beiden Studenten müssen warten. Es ist kalt. Mäßiger Nachtfrost. Der Zorn kühlt ab.

Mittlerweile ist es 2 Uhr. „Wir wollten nur noch nach Hause“, sagt Jan A. Plötzlich belebt sich der Vorplatz der Disko. Eine Gruppe von drei oder vier Leuten sei Richtung Norden (dort liegen Kurpark und Strand) weggelaufen. „Dann kam das Opfer mit bluttriefender Nase und hat uns gefragt, ob wir was gesehen haben“, sagt der Angeklagte. Finn B. bestätigt diese Aussage.

Der Geschädigte hingegen erklärt, dass er beim Verlassen des Nachtclubs von Jan A. angerempelt worden sei. Als er gefragt habe, was das solle, sei der Angeklagte drei Schritte auf ihn zugekommen und habe ihm direkt eine Kopfnuss gegeben. „Dann stand ich da mit gebrochener Nase, das Blut floss und ich habe alles nur noch verschwommen gesehen“, sagt der 20-jährige Timmendorfer.

Den Angeklagten habe er später im Rahmen einer Lichtbildvorlage bei der Polizei wiedererkannt. Auch im Gerichtssaal identifiziert er Jan A. eindeutig als Täter. Zugleich sagt er aus, der Täter sei einen Kopf kleiner gewesen und habe damals keinen Schnurrbart getragen. Tatsächlich sind beide annähernd gleich groß und alte Fotos zeigen einen Oberlippenbart bei Jan A.

Ein „unabhängiger“ Zeuge, der das Geschehen aus etwa 30 bis 40 Metern Abstand beobachtet hatte, spricht von einer Rudelbildung. Nach dem Kopfstoß seien die Gruppen einschließlich des Täters in unterschiedliche Richtungen weggelaufen. Den Täter, den er nur von hinten gesehen habe, beschreibt er als blond, schlank, etwa 1,80 bis 1,85 Meter groß. Eine Beschreibung, die nicht nur auf den Angeklagten, sondern auf viele Besucher der Diskothek passt, wie das Video beweist.

Angesichts dieser vielen Unstimmigkeiten sieht auch die Staatsanwältin den Tatvorwurf als nicht erwiesen an. Das Urteil der Richterin: Freispruch. und DIS
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