Schiffbau & Tradition: Vierte Generation bei der Böbs-Werft
Travemünder Unternehmen besteht seit 1912 – Geschwister steigen in Geschäftsführung ein.

Jeder Platz belegt in der „Travephilharmonie“: 2025 fand ein Konzert des SHMFs in der Halle der Böbs-Werft in Travemünde statt.Foto: Böbs-Werft
Travemünde. Sie ist ein Familienbetrieb seit mehr als 100 Jahren: die Böbs-Werft in Travemünde. Jetzt übernimmt die nächste Generation die Geschäftsführung. Und dann laufen auch noch die Vorbereitungen für ein Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) in der großen Bootshalle. Genug Gründe für ein ausführliches Gespräch.

Anna-Lisa Schaudinn (39), Tochter und baldige Geschäftsführerin, Vater Heinrich R. Böbs (72) und Bruder Lars-Erik Böbs (37), bereits Geschäftsführer, sitzen im Konferenzraum. Große Fenster lassen den Blick auf den Hafen und die Boote und Jachten zu. Mutter Andrea Böbs (65) – und insgeheim die Chefin von allen – kommt ab und zu rein, mit Lars-Eriks Böbs‘ Tochter Carla (1) auf dem Arm.

Anna-Lisa Schaudinn muss kurz weg, eines ihrer drei Kinder abholen. Es gibt Kekse. Wer möchte, trinkt Kaffee. Und dann plaudert den Senior aus dem Nähkästchen.

Drei Generationen,

ein Credo

Wie alles anfing 1912, erzählt Heinrich R. Böbs. Er habe die Geschäfte übernommen von seinem Vater Heinrich A. Böbs, der wiederum von seinem Vater Hans Böbs übernommen hatte. Letztgenannter gründete die Hans Böbs Yacht- und Bootswerft. Er baute Boote und bot schon damals Wartungs- und Reparaturarbeiten an.

„Bootsbauer ist der schönste Beruf, den es gibt, aber …“, sagt Heinrich R. Böbs. „...wir müssen da selbst draufkommen“, ergänzt Lars-Erik Böbs den Spruch des Vaters. Ein Spruch, den die Kinder wohl öfter gehört haben müssen, und der hier kein Spruch, sondern wahre Überzeugung sein muss.

Vater Heinrich R. Böbs studierte BWL und machte danach eine Ausbildung zum Bootsbauer bis zum Meister. Die gleiche Laufbahn schlug Sohn Lars-Erik Böbs ein. Anna-Lisa Schaudinn studierte Schiffsbau in Hamburg, kam vor fünf Jahren zurück nach Travemünde und dann auch ins Unternehmen.

„Seitdem übernehmen wir Stück für Stück die Geschäfte“, sagt Anna-Lisa Schaudinn. Ein fließender Übergang sei es – so sagen es alle unabhängig voneinander. Und so wie sie alle miteinander umgehen, muss das stimmen. „Es erfüllt mich mit Stolz und Glück, dass beide meiner Kinder diese große Verantwortung übernehmen“, sagt Heinrich R. Böbs.

Investitionen

für die Zukunft

Das Werftgelände an der Travemünder Landstraße in Travemünde ist rund 20.000 Quadratmeter groß. 44 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort beschäftigt. 185 Liegeplätze gibt es im Wasser, 55 von ihnen kamen erst 2024 durch eine Hafenerweiterung dazu. Dafür musste auf der gepachteten Wasserfläche ein Betonpier aufwendig zurückgebaut werden, um diese weiteren Liegeflächen entstehen zu lassen. Kostenpunkt: rund 1,5 Millionen Euro.

Eine alte Lagerhalle wurde 2021 abgerissen, um eine viel größere Halle bauen zu können: 96 Meter breit, 24 Meter tief und 15 Meter hoch. Ein imposantes Gebäude, in dem in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge ein SHMF-Konzert stattfindet. Offenbar ein idealer Ort, denn SHMF-Intendant Christian Kuhnt nennt die Halle aufgrund der guten Akustik auch gern die „Travephilharmonie“.

Eigentlich stehen in der Halle Boote und Jachten. Bis zu 300 von ihnen können über den Winter auf dem gesamten Gelände gelagert werden. Und wie schon zur Firmengründung des Urgroßvaters werden sie in der Zeit gewartet und repariert. So das heutige Kerngeschäft: „Wir machen alles an Booten außer Neubau“, erklärt Heinrich R. Böbs.

Er und Ehefrau Andrea segeln selbst. Früher mit den Kindern, heute immer noch – aber allein. „Wir haben tolle Urlaube an Bord erlebt“, erzählt Anna-Lisa Schaudinn. Und was ist mit einem Urlaub in den Bergen? Nein, auf keinen Fall. Sie alle brennen für den Wassersport – beruflich und privat.

„Liebe auf

den ersten Blick“

„Wir sind hier aufgewachsen. Die Werft war für mich ein riesiger Abenteuerspielplatz“, schwelgt auch Lars-Erik Böbs in Erinnerungen. Und Heinrich R. Böbs erzählt dann sogar, wie er seine spätere Ehefrau Andrea kennengelernt hat: „Ich musste Kontoauszüge von der Bank abholen“, erinnert sich der heute 72-Jährige zurück, „und dann stand sie da, in einem schicken Kostüm mit einem gestreiften Oberteil. Das war Liebe auf den ersten Blick.“ Alle lachen. Es kommt von Herzen.

Geschichten gibt es genug zu erzählen. Doch die Arbeit ruft. Und die Kinder. Auf der Böbs-Werft vermischen sich Beruf und Familie. Und irgendwie schafft die Familie es, alles unter einen Hut zu bringen.

Dass sie ihre neue große Halle für das Schleswig-Holstein Musik Festival zur Verfügung stellen, war übrigens die Idee von Mutter Andrea. „Wir haben die Hochzeit unserer Tochter vor zehn Jahren in einer unserer Hallen gefeiert. Das war so schön, und ich wollte seitdem immer gern noch einmal etwas Großes ausrichten“, sagt Andrea Böbs. Gesagt, getan. Beim ersten Konzert 2024 kamen 1000 Zuschauer, im Jahr darauf waren es 1500. In diesem Jahr war dann Ende Juli The Real Group , eine A-cappella-Band aus Schweden im Rahmen des SHMF zu Gast bei den Böbs. Fortsetzung folgt ...

und KHE



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